Moral vs. Moralismus
Freitag, 30. Dezember 2005, Freitag, 30 Dezember 2005, 19:45:00 Uhr
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Von Wolfram Weimer stammt der Artikel
“Theocons statt Neocons Cicero Finis: Über die Rückkehr der Gutmenschen”
in: Cicero – Magazin für politische Kultur:
Daraus:
Plötzlich gab es ein Schimpfwort für sie, das im aufbrandenden Meer der Political Correctness wie ein Mond die Ebbe erzwang: Gutmenschen! (Hervorhebung von mir.) Quelle.
Darüber gab es hier einmal eine Interessante Diskussion.
Doch das nur am Rande.
Es ist ein guter Artikel, der dem Untertitel des Magazins gerecht wird.
Wie soll es eine politische Kultur ohne Moral geben? Gar nicht, wie an vielen Enden der Welt deutlich zu sehen ist.
Doch woher kann eine Kultur ihre Moral beziehen, wenn nicht aus einer von allen in der Polis lebenden unumstrittenen Basis. Diese Basis war über Jahrhunderte in Europa das Christentum. Auch wenn es nur eine begrenzte Zahl von Heiligen hervorgebracht hat, die meisten dürften anonym sein, so waren doch einige Essentials auch bei den unheiligen unumstritten.
Viele dieser Werte sind verloren, weil sie ihrer Basis entbehren. Die Frage nach der Machbarkeit ersetzt in zunehmendem Maße die Frage nach der Verantwortbarkeit.
So läuft dieser Teil des Artikels offene Türen bei mir ein.
Der englische Premierminister William Ewart Gladstone brachte es schon im 19. Jahrhundert auf den Punkt: „Was moralisch falsch ist, kann politisch nicht richtig sein.“ Moralferne zerstört letztlich die innere Legitimität aller Macht. Das ist auch der Grund, warum die Linke, die so viele Jahre mit sozialistischen und kommunistischen Diktaturen ihre Liebäugeleien gepflegt hat, über schwindende moralische Autorität verfügt. Dem bürgerlichen Raum droht ein ähnlicher Effekt, wenn er sich seines christlichen Resonanzbodens zugunsten einer hyperliberalen Machbarkeitsethik beraubt. Quelle.
Diese Aussage kennzeichnet recht deutlich den Unterschied zwischen Moralität und Moralismus.
Letzterer ist gerade eben eine Eigenschaft der sog. Gutmenschen.
Moralität dagegen ist eine gesunde Basis für verantwortetes Handeln, welche den guten (besser: gütigen) Menschen, der so selten wie die sprichwörtlichen Ringeltaube ist, kennzeichnet.
Dieser betrachtet die Moral, welche eben nicht absolut ist, sondern ein Fundament – in Europa über Jahrhunderte das Christentum – hat, als primär Basis für sein eigenes Handeln und reflektiert selbiges davor, anstatt mit dem Finger auf den anderen zu deuten. Diese Eigenschaft ist (s.o.) in Gefahr. Längst geht es nicht mehr darum, ob etwas verantwortbar ist, sondern nur noch darum, ob etwas machbar ist.
Was nun dem ökonomisch Handelnden auf Grund der Gesetze der Ökonomie recht ist, ist dem Politker noch lange nicht billig, denn dieser hat die Pflicht dem Ökonomen die Rahmenordnung zu geben. Gleiches gilt für den Wissenschaftler, den Soldaten uvam. – Die Rahmenordnung, welche zwar die persönliche Gewissensentscheidung nicht ersetzt, sondern erleichtern soll, stellt nicht der in seinem Kontext Handelnde auf, sondern der Gesetzgeber – sprich der Souverän.
In einer Demokratie das Volk oder dessen gewählte Vertreter.
Was aber macht ein Volk bzw. dessen Vertreter deren Basis für eine gesunde Moral nach und nach abhanden kommt?
Der auf dem Boden einer fundierten Moral handelnde eckt allenthalben an.
Währenddessen erleuchtet der Moralist (alternativ: Gutmensch) wie in o.a. Artikel beschrieben die Untaten anderer durch Lichterketten.
Der Grad zwischen (moralistischem) Aktivismus und (moralischer) Aktivität ist wohl sehr dünn.
Was mich jetzt zu der abschließenden Frage veranlaßt, ob ich schon deswegen ins Lager der Moralisten gewechselt habe, weil ich öffentlich sage, daß ich Lichterketten (außer an Weihnachtsbäumen) nicht so toll finde?
Warum ich sie so sehr mag
Madeleine Delbrêl:
* 24.10. 1904 in Mussidan (in der Dordogne, Südfrankreich), † 13.10. 1964 in Ivry bei Paris.
Bis zu ihrem 20. Lebensjahr ist sie Atheistin. Dann erfährt sie eine geradezu wunderbare Bekehrung.
Ab 1933 arbeitet sie in Ivry, einem Vorort von Paris. Ivry ist voll und ganz in kommunistischer Hand. Sie lebt dort mit anderen Frauen in einer kleinen Gemeinschaft.
Der Glaube im Alltag
Hier möchte ich sie selber zu Wort kommen lassen.
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WIR LEUTE VON DER STRASSE
Es gibt die Orte, wo der Geist weht, aber es gibt einen Geist, der allerorten weht.
Es gibt Leute, die Gott nimmt und beiseite stellt.
Andere gibt es, die läßt er in der Masse, die zieht er nicht “aus der Welt zurück.
Es sind die Leute, die eine gewöhnliche Arbeit verrichten, eine gewöhnliche Wohnung haben und gewöhnliche Ledige sind. Leute, die gewöhniche Krankheiten, gewöhnliche Traueranlässe haben. Leute, die ein gewöhnliches Haus bewohnen und gewöhnliche Kleider tragen. Es sind Leute des gewöhnlichen Lebens. Leute, die man in einer beliebigen Straße antrifft.
Sie lieben ihre Tür, die sich zur Straße hin öffnet, wie ihre der Welt unsichtbaren Brüder die Tür lieben, die sich endgültig hinter ihnen geschlossen hat.
Wir anderen, wir Leute von der Straße, glauben aus aller Kraft, daß diese Straße, daß diese Welt, auf die uns Gott gesetzt hat, für uns der Ort unserer Heiligkeit ist.
Wir glauben, daß uns hier nichts nötiges fehlt, denn wenn das Nötige fehlte, hätte Gott es uns schon gegeben.
Madeleine Delbrêl, Wir Nachbarn der Kommunisten. Diagnosen. Einführung von Jacques Loew. Einsiedeln 1975. S.49.
Mehr über Madeleine Delbrêl
http://www.madeleine-delbrel.net/
Papst beklagt Kommerzialisierung der Weihnachtszeit
Montag, 12. Dezember 2005, Montag, 12 Dezember 2005, 19:58:00 Uhr
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Vatikan. (RV) Papst Benedikt XVI. hat eine wachsende Kommerzialisierung des Advents beklagt. Beim Angelusgebet auf dem Petersplatz mahnte er die Gläubigen, wieder mehr auf die religiösen Wurzeln der Weihnachtszeit zu achten. „Nachdem wir das Fest der Unbefleckten Empfängnis Mariens gefeiert haben, beginnt in diesen Tagen das suggestive Klima der Vorbereitung auf die Weihnachtszeit. In der heutigen Konsumgesellschaft erfährt sie leider eine Art kommerzielle „Verunreinigung“. Sie droht, deren authentischen Geist zu beeinträchtigen, der durch Sammlung, Schlichtheit und Besinnlichkeit, nicht äußerlicher Freude gekennzeichnet ist.“
Der ganze Artikel.
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Montag, 12. Dezember 2005, Montag, 12 Dezember 2005, 16:15:00 Uhr
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Wortspiel
Wei(h)nachten auf den Wein achten
So stand es als Slogan über einer Werbung, die ich im Internet fand.
In der Tat führte mich ein Klick zu einem Weinhändler mit Angeboten für die Festtage.
Wichtig ist es in der Tat, zu einem guten und festlichen Essen einen guten Wein zu trinken.
Doch muß ich dafür Weihnachten feiern?
Nein, Wein trinken kann ich das ganze Jahr über.
In den Schaufenstern und Prospekten häufen sich die Angebote für Fernseher (WM 2006 !) Computer, Handys, DVD Recorder und allerlei anderer technischer Schnickschnack. Ich gestehe, daß der neue Fernseher, den ich mir demnächst kaufen werde erschreckende Ausmaße hat. Ich werde ihm beibringen müssen, mein Wohnzimmer nicht zu dominieren.
Aber muß ich dafür Weihnachten feiern?
Nein, nach Weihnachten werden die Produkte doch billiger, weil die Lager geräumt werden müssen.
Auf Weihnachtsmärkten wird dieser Tage wieder Glühwein und allerlei anderer Schnickschnack angeboten. Der heiße Wein ist mir zuwider, doch ich gestehe jedem zu sich in aller geselliger Gemütlichkeit solch Zeugs in den Bauch zu schütten.
Doch muß ich dazu Weihnachten feiern?
Nein, Geselligkeit und Straßenfeste gehen immer.
Die Supermärkte dudeln mich voll mit quäkender Musik von Stillen Nächten und rieselndem Schnee, von Träumen von weißer Weihnacht und klingelnden Glocken, während sie mir Süßigkeiten zu verkaufen suchen, in Zahl und Art, daß ich vom Hinsehen schon 3 kg zunehme. Doch muß ich dafür Weihnachten feiern?
Nein, das alles geht zu jeder Zeit.
Jedes Jahr dieselbe Prozedur. Der Konsumwahnsinn steigert sich ausgehend von September – nur unterbrochen durch den Konsumwahn zu Halloween – bis in den Dezember hinein zu einem hellen und lauten Wahnsinn. Zu einer Hektik und einem Streß der dazu treibt, das Superweihnachten mit dem Superessen und den Supergeschenken zu feiern.
Doch muß ich dazu Weihnachten feiern?
Nein, das macht nur Streß und bringt den Streit ausgerechnet zum Fest des Friedens in die Familien.
Wie wohltuend ist da der Advent mit Adventskranz und Michelkalender, mit Roratemesse, Dunkelheit und Stille und dieses innere „Zur-Ruhe-kommen“, das meinen Blick hinlenkt zum kommenden Herrn.
Vier Wochen der stillen und dunkelen Vorbereitung auf das Fest der Geburt eines Kindes vor 2000 Jahren.
Ein Fest, das Jahr für Jahr wieder an dieses Ereignis erinnert.
Und dafür muß man Weihnachten feiern?
Ja, dafür muß man einfach feiern, denn Gott wird Mensch, einer von uns.
Wenn das kein Grund zum Feiern ist.
Und wenn die Geschäfte am 27.12. Die Weihnachtsdekoration abreißen, weil sie denken Weihnachte sei vorbei, dann fangen wir erst richtig an Weihnachten zu feiern.
Ja, ich muß Weihnachten feiern – auch in diesem Jahr wieder.