Christen und die (Familien-)Politik
Montag, 30. Januar 2006, Montag, 30 Januar 2006, 17:28:00 Uhr
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Bei Martin fand ich das. Eingentlich, so hatte ich mir vorgenommen, soll es kein politischer Blog sein und werden. Doch hier überschneiden sich der Bereich Kirche und Politik. Klar ist, daß die Mehrheit der CDU Mitglieder an der Basis, insbesondere in ländlichen Gebieten, die klassische Familie als Modell nicht aufgegeben haben. Warum weicht die politsche Spitze dann trotzdem so weit davon ab? Ich sehe zwei Gründe: Der eine ist eine bedauerliche Entfremdung zwischen Spitze und Basis. Diese ist allerdings vermutlich so alt wie die CDU selber und bei anderen Parteien mindestens ebenso groß. Der andere vermutlich wichtigere Grund ist, daß auch die CDU sich dieser Tatsache nicht mehr verschließen kann: Die Mehrheit unserer Bevölkerung lebt nicht mehr in einer Familie wir wir sie verstehen.

Die Lebensentwürfe sind in der Realität unseres Landes und unserer Zeit zahlreich. Von der Patchworkfamilie (meine, deine, unsere Kinder) über alleinerziehende Väter und Mütter, wechselnde Lebensabschnittspartnerschaften, Dinks (double income no kids), Notsingles, bekennende Singles (mit oder ohne Kind) bis hin zur traditionellen auf Lebensdauer angelegten und sakramental gelebten Ehe ist alles möglich.

Mir stellt sich die Frage: Wie soll Politik damit umgehen?

Dazu vorab noch zwei Anmerkungen.
1. Mehr und mehr wird die Politik von Gerichten dazu gezwungen, Lebensgemeinschaften und -entwürfe, die mit der Tradition dessen, was wir Katholiken unter Familie verstehen, gar nichts mehr zu tun haben, der Familie rechtlich gleichzustellen. (Die Frage, ob man auf Dauer den Zwang zur standesamtlichen Trauung so aufrecht halten muß, sei hier mal ausgeklammert. )
Das kann man gut finden oder schlecht. Ich persönlich finde es aus verschiedenen Gründen schlecht und sage das auch. Doch entziehen kann man sich dieser Wirklichkeit nicht. Aus politischer Sicht lautet die alternative, dafür zu sorgen, daß die Menschen, deren Lebensentwurf von der klassischen Familie abweicht, sich selbst “ernähren” können oder sie auf Kosten der Gesellschaft durchzufüttern. Insofern erschließt sich, warum – aus Sicht des Staates – alles getan werden muß, um auch alleinerziehenden und denen die nicht in einer verbindlichen Verantwortungsgemsinschaft leben, den Weg ins Erwerbsleben zu ermöglichen. Selbst in der klassischen Familie ist es heute dem sogenannten Normalverdiener kaum mehr möglich, seine Familie angemessen zu ernähren (als synonym für versorgen). Auch dies kann man lautstark beklagen oder pragmatisch damit umgehen. Letzteres heißt nichts anderes als Ehefrauen oder Lebensabschnittspartnerinnen, denn um Frauen geht es zumeist, eine Berufsausbildung und -ausübung zu ermöglichen.
Bleibt noch die vielzitierte, oftbemühte, gutausgebildete junge Frau, die – mehr oder weniger egosistisch – Kind und Karriere unter einen Hut bringen möchte. Auch die gibt es nun einmal, lamentieren hin oder polemisieren her. Wir können versuchen, sie “hinter den Herd” zu zwingen. Viel Vergnügen dabei. Die Alternative lautet dann nämlich, daß wir noch weniger Kinder haben werden, denn ein großer Teil dieser Frauen hat jahrelang studiert und nun einfach keinen Bock auf “nur Hausfrau”.

2. Möchte ich noch versuchen mit einem weiteren Vorurteil aufzuräumen. Gerade Konservative tun oft so, als sei die treusorgende Hausfrau der 50er Jahre Fernsehwerbung zu allen Zeiten das Maß aller Dinge gewesen. Wir brauchen nur wenige Jahrzehnte zurückgehen, da sehen wir Frauen, die sich allein durchschlagen müssen, weil ihre Männer gerade russische, französische oder englische Männer verhauen geschickt wurden. Gehen wir einige Jahrzehnte weiter zurück, dann sehen wir nicht nur Frauen, sondern auch Kinder mit den Männern in Bergwerken und Fabriken rund um die Uhr schuften, um das allernötigste zu verdienen. Gehen wir noch weiter zurück, so sehen wir Frauen auf Bauernhöfen, in Webereien und Handwerksbetrieben mitarbeiten. So weit her ist es gar nicht mit dem bürgerlichen Ideal der treusorgenden Hausfrau.

Unter all den genannte Voraussetzungen, ohne den Anspruch auf eine vollständige Analyse erheben zu wollen, erscheint es mir sehr vernünftig, in der Familienpolitik andere, bislang verpönte Wege zu gehen. Allerdings ohne die von unseren roten Brüdern geforderte Hoheit der Politk über die Kinderbetten. Wer es will und sich zutraut, soll ermutigt und in jeder möglichen Weise unterstützt werden, das klassische Familienbild zu verwirklichen. Diese Minderheit aus den Augen zu verlieren, wäre in der Tat ein Verrat an christdemokratischen Positionen. Das sehe ich bislang nicht. Diese Minderheit kann jedoch nicht die Mehrheit politisch nicht majorisieren. Somit ist auch eine christdemokratische Familienministerin gezwungen, die uns Christen fremden Lebensentwürfe (womit ich nicht berufstätige Frauen meine) in ihrer Familienpolitik zu berücksichtigen. Eine Mutter (oder ein Vater) die/der allein mit ein, zwei oder drei Kindern lebt, braucht eine Option, diese zu den Zeiten, in denen sie/er der notwendigen Erwerbsarbeit nachgeht, die Kinder betreuen zu lassen. Daß durch ein größeres Angebot an Kinderbetreuung außerhalb der Familie das als demographischer Wandel schöngeredete Schrumpfen unserer Bevölkerung umgekehrt wird, wäre erst noch zu beweisen. Es fehlen bereits jetzt die Frauen, die die nötigen Kinder gebären könnten. Eine Generation weiter wird sich dieser Umstand noch verschärfen. Der Prozeß des Schrumpfens ist unumkehrbar. Doch die Männer und Frauen, die Kinder haben könnten, werden davon beeinflußt, ob sie eine Option haben, auch mit Kindern ihren erreichten Lebensstandard zu erhalten. Ein Gesinnungswandel hinsichtlich einer zunehmenden Bereitschaft für Kinder auf etwas zu verzichten, wie es in der Generation unseren Eltern normal war, sehe ich nicht. Auch hier die Wahl zwischen Lamento und Realpolitk. Bei aller möglichen Kritik an Einzelentscheidungen, bin ich ein Befürworter der Realpolitik. Das heißt für Familienpolitk in unseren Tagen, Familie möglich zu machen, ohne die hängen zu lassen, die andere (für uns eigentlich inakzeptabele) Lebensentwürfe haben.

Nun steht immer wieder, auch in dem Weblogbeitrag, auf den ich oben verwies, die Behauptung im Raum, die christdemokratische Partei sei für Christen nicht mehr wählbar. Selbst ein Bischof hat einmal gefordert, das “C” aufzugeben. Den Christen in der CDU hat erdamit einen Bärendienst erwiesen.

Für einige mag es Charme haben.

KDU = Konservativ Demokratische Union?
Ohne mich!

Auch wenn die CDU nicht immer und in jeder Lage christliche Positionen in politisches Handeln umsetzen kann, so bleibt das “C” Auftrag, Anspruch und Herausforderung für jedes Mitglied. Für jeden Wähler leitet sich ein Anspruch daraus ab, uns daran zu messen und auf dieser Basis zu kritisieren (jedoch nicht zu verwerfen). Laufen der CDU die Christen als Mitglieder und mehr noch als Wähler davon, so verkommt das “C” mittel- bis langfristig zum Feigenblatt für eine wertkonservative Politk, die ich als Christ, z.B. vor dem Hintergrund der katholischen Soziallehre, nur begrenzt bis gar nicht unterstützen könnte. Ob das “C” eine Bedeutung behält und/oder künftig mehr Bedeutung erlangt, liegt nicht zuletzt an den Christen selber, die ihren Weltcharakter, d.h. die Dinge der Welt zu regeln, ernst nehmen. Parteibeschlüsse fallen nicht vom Himmel. Ein vernichtendes Urteil in einem Interview, einem Leserbrief oder auch einem Weblog ist leicht geschrieben. Zugegeben, Mitwirkung in der Politk ist mühsam, zeitraubend und zuweilen entmutigend. Doch was ist die Alternative?

Ausgerechnet mich nun zu fragen, ob nun ein Christ unbedingt CDU wählen muß, wäre probelmatisch, denn ich bin nun einmal parteiisch.



Lange nicht mehr gebloggt
Montag, 30. Januar 2006, Montag, 30 Januar 2006, 17:22:00 Uhr
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Nein, es war kein zur Buße auferlegtes Schweigen.
Schlichter Zeitmangel läßt meinen Blog so blaß aussehen.
Und so bloggen mag ich nicht.



Rekordzahlen bei der Firmanmeldung
Samstag, 7. Januar 2006, Samstag, 7 Januar 2006, 18:11:00 Uhr
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In meinem Heimatort scheint irgendetwas passiert zu sein. Aus unerfindlichen Gründen hat sich eine außergewöhnlich hohe Zahl von Firmbewerbern angemeldet. Es kursieren Zahlen von 90% der möglichen Jugendlichen. Niemand weiß so ganz wirklich, woran das liegt. Niemand kann die Frage eindeutig beantworten, was diese Jugendlichen wirklich von der Kirche wollen. An Spekulationen möchte ich mich nicht beteiligen. Ebensowenig, wie ich die jungen Schwestern und Brüder abschrecken möchte. Doch habe ich schon die eine oder andere Frage.
Der Weltjugendtag wird als ein möglicher Grund gesehen. Doch wer von denen die sich zur Firmung angemeldet haben war eigentlich in Köln? So weit ich weiß, kenne ich alle, die aus unserem Ort nach Köln gefahren sind. War der Eindruck über die Medien so stark? Ärgern sie sich jetzt alle, nicht nach Köln gefahren zu sein? Sind sie jetzt traurig, daß wir zu den Tagen in der Diözese keine Gäste hatten? Wer weiß.
Wo sind die Jugendlichen Kirche begegnet? In den Hl. Messen am Sonntag eher nicht, denn eine so große Anzahl Jugendlicher würde extrem auffallen.
War es der Religionsunterricht in der Schule? Waren es die Eltern? Die Großeltern? Oder gar der Pastor, der sie motiviert hat?
Ich kann alle diese Fragen nicht beantworten und doch hätte ich die Antwort zu gerne.
In den vergangenen Firmvorbereitungen vor zwei Jahren und vor vier Jahren sind mir überwiegend Jugendliche begegnet, die sich für den Glauben der Kirche und für die Tatsache, daß sie ein Sakrament empfangen sollten (oder wollten) gar nicht interessiert haben. Die wenigen, die sich wirklich gerufen fühlten gaben ein (für mich) beeinduckendes Glaubenszeugnis. Doch die erdrückende Mehrheit der desinteressierten Jugendlichen kamen, weil sie bestochen, erpreßt oder bedroht worden waren. Harte Worte, ja doch die Wahrheit.
Manche kamen, weil sie der Ansicht waren oder es einfach akzeptiert hatten, daß man das so macht: Sportverein, Tanzkurs, Erster Beischlaf, Firmung, Führerschein, Schulabschluß, Berufsausbildung, Hochzeit, Kinder kriegen, Scheidung … das gehört eben alles dazu.
Viel Irrglaube galt es zu bekämpfen.
So war manch einer der Meinung man müsse gefirmt sein, um kirchlich heiraten zu können. Ja man brauche die Firmung gar, um einen Job zu bekommen. Und vieles, vieles andere krude Zeugs war zu hören. Das fand ich an sich gar nicht schlimm. Wozu sind Firmkatecheten da, wenn nicht dazu, auch über so etwas aufzuklären.
Einzig um Taufpate oder Firmpate zu werden, muß man gefirmt sein. Das wußten die wenigsten.
Ebenso wie sie nicht wußten, wie man sich in der Kirche (will sagen im Kirchengebäude) verhält. Kreuzzeichen mochte gerade noch klappen.
Kniebeuge? Fehlanzeige.
Grundgebete? Häh?
Nun gut auch dazu sind Katecheten da.

Daß es sehr schwierig ist, jungen Menschen die zentralen Inhalte unseres Glaubens zu vermitteln, muß mir auch keiner erzählen. Daß sie Kirche nicht mit sich, sondern mit Papst, Bischof, Pastor identifizieren, ist eh’ klar. Die zentralen Inhalte der multimedialen Verkündigung über die grausame Kirche, die den Priestern das Heiraten und den Gläubigen das Scheiden- lassen und den Sex verbietet, sind sehr wohl rezipiert. Gegen die Urbane Legende, daß Nonnenklöster und Paterklöster durch einen geheimen Tunnel verbunden sind, hilft wenn überhaupt nur ein Besuch in einem Kloster.

Daß die Firmbewerber mehrheitlich, wenn sie überhaupt an Gott glauben, dann nur an ein diffuses höheres Wesen … so irgendwie halt…
Auch klar! Ohne Katechese geht es eben nicht.
Ob wir in der (Firm)Katechese den Glauben an den Dreifaltigen Gott wecken konnten, wage ich zu bezweifeln.
Doch Samen legen können wir immerhin.

Sollte nun diesmal alles anders sein?
Ich erlaube mir, das nicht zu glauben.

Doch eines ist anders:
Die Zahlen sind schier erdrückend.

Was will uns der Heilige Geist damit sagen?



Etwas Rum gebastelt
Dienstag, 3. Januar 2006, Dienstag, 3 Januar 2006, 23:23:00 Uhr
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Heute habe ich etwas rumgebastelt, endlich ein paar Links zu anderen kath blogs eingefügt und das Feld für die Texte etwas breiter gemacht.

Ich hätte mir den Bloggosaurus einladen sollen, der kann besser mit css umgehen als ich.



Pfarrgemeinderat – der Abschied
Montag, 2. Januar 2006, Montag, 2 Januar 2006, 21:18:00 Uhr
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PGR im EB Paderborn

In dieser Woche ist es soweit. Am Freitag werden die ehemaligen Mitglieder unseres Pfarrgemeinderates auf dem Neujahrsempfang der Gemeinde offiziell verabschiedet. Nach vier Jahren Mitgliedchaft habe nicht erneut kandidiert.
Von vielen befragt warum, habe ich oft auf die komplizierte Situation in der Gemeinde hingewiesen. Das ist sicherlich ein Grund, wahrscheinlich sogar der Hauptgrund. Denn warum sollte ich mich nicht mit den netten und liebenswerten Menschen, die den vergangenen Pfarrgemeinderat gebildet hatten, weiterhin alle vier Wochen treffen, um zu überlegen, zu planen und zu organisieren, wie wir den Hauptamtlichen unterstützend zu Seite stehen können? Wenn nicht … ja und da liegt der Hase im Pfeffer … bei mir der Eindruck entstanden wäre, daß das gar nicht gewollt ist.
Dann gehe ich eben.
Ohne Zorn, ein wenig traurig, denn wir hatten gute Ideen, die einfach so im Sande verlaufen sind. Wir hatten Mitglieder im Pfarrgemeinderat, denen es nicht darauf ankam aufzufallen. Sie wollten vielmehr still und im Hintergrund – neben vielen anderen Fragen – auch über Entwicklung von Spiritualität in einer Gemeinde und Glaubensvermittlung in einer den Glauben immer mehr verlierenden Umwelt durch die Gemeinde nachdenken. Doch nicht nur nachdenken, sondern auch selber mit anfassen, wo es nötig und möglich ist. So denke ich sehr gerne an die geistliche Kirchenführung unseres Pfarrgemeinderatsvorsitzenden zurück, die zugleich eine wunderbare Katechese über die Sakramente ist. Besonders gerne denke ich an einen Besinnungstag zurück den wir in einem nahegelegenen Kloster verbrachten. Gerne denke ich auch an die Abendgebete am Mittwoch zurück, die wir als “Ersatz” für ausgefallene Abendmessen angeboten haben.
An viele gemeinsame Stunden im Ringen um den richtigen Weg erinnere ich mich eben so gerne, wie an die berühmt berüchtigtigten Nachsitzungen. Wie in allen Gremien auf der Welt, wird das wirklich wichtige bei einem Bier an der Theke besprochen. Warum sollen Pfarrgemeinderäte da eine Ausnahme bilden? An den Versuch auch in den Sitzungen selbst neue Wege zu gehen, andere Sozialformen auszuprobieren und andere Methoden der Kommunikation zu erproben, denke ich gerne zurück. Ich habe viel dabei gelernt. Mit Dankbarkeit denke ich an die Gemeindeberatung. Zwei Gemeindeberater, vom Bistum dazu beauftragt, haben mit uns einen Blick auf die pastorale Situation unserer Gemeinde und auf den Pfarrgemeinderat als Gruppe geworfen. Vieles, was mir, der ich in der Situation steckte, ist mir so nicht klar gewesen. In vielen Dingen sind mir die Augen aufgegeangen, daß ich mit aller Kraftanstrengung keine Veränderung herbeiführen kann. Ohne diese beiden hätte ich nicht den Mut gefunden, jetzt ohne Zorn zu gehen.

Zwei Frage stellen sich mir nach wie vor. Ich anfanghaft versuchen, sie zu beantworten:

1. Warum gibt es gewählte Gremien, wenn die Kirche ohnehin keine Demokratie ist?

Die Kirche kann keine Demokratie sein, da sie nicht vom Volk sondern von Gott ausgeht. Von den Aposteln her, die Jesus Christus selbst berufen hat, auf uns gekommen. In der Einheit mit dem Bischof von Rom steht der Bischof der Ortskirche zugleich in Einheit mit allen Bischöfen weltweit und durch alle Zeiten bis zurück zu den Aposteln.
Könnte man an der äußeren Gestalt der Kirche sicher einige Aspekte in Organisation und Verwaltung von Rom über die Diözese bis in die Ortsgemeinde hinein demokratisch gestalten, so bliebe die Kirche ihrem inneren Wesen nach dennoch immer ganz und gar undemokratisch, weil göttlich. Gott hat seiner Kirche eine episcopale Struktur geschenkt. Wie wertvoll dieses Geschenk ist lerne ich erst nach und nach. Ich lerne es mehr durch Gebet als durch Arbeit.

Und trotzdem hat uns Laien, die wir dem Volk Gottes angehören, gerade erst vor vierzig Jahren das II. Vatikanische Konzil den Auftrag gegeben, sowohl einerseits in der Welt unser Apostolat zu leben, aber auch andererseits die Hirten über unsere Bedürfnisse aufzuklären.
Dies kann informell im persönlichen Gespräch ebenso geschehen, wie formell in Gremien, die am Dienst der Leitung teilhaben.
So weit, so gut.
Dies entbindet den Hirten – konkret den Bischof und in seinem Auftrag den Pfarrer – nicht von seiner Pflicht, den Dienst der Leitung wahrzunehmen.
Da die wenigsten Laien gelegentlich mal einen Schnack mit dem Bischof haben, erfahren die von unten nach oben organisierten und gewählten Laiengremien ihren Sinn, so lange sie nicht (wie leider beim ZDK zu beobachten) im Funktionärswesen ersticken.

Genau dieses Funktionärsunwesen beginnt jedoch schon “ganz unten” auf der Ebene der Pfarrgemeinderäte.
Doch noch ein anderes Phänomen macht den Pfarrgemeinderäten zu schaffen.
Ihr schlechter Ruf. Und damit bin ich bei der zweiten Frage, die mich umtreibt.

2. Warum haben Pfarrgemeinderäte so einen schlechten Ruf?

  • Weil das doch eh’ nur die sind, die sich beim Pfarrfest wichtig machen wollen.
  • Weil das die Gremienchristen sind.
  • Weil das der Sitzungskatholizismus ist, der unserer Kirche nur schadet.
  • Weil das alles WSK’ler sind.
  • Weil …

Vorurteile über Vorurteile.
Diese Liste könnte ich beliebig weiterführen und von allen, die sich dieser Vorurteile bedienen bin ich mir sicher, daß sie noch nie in einen Pfarrgemeinderat gewählt oder berufen worden sind.

Ich bin in den vergangenen vier Jahren zu der festen Überzeugung gelangt, daß die ganzen Vorurteile gegen Pfarrgemeinderäte als Gremien insgesamt, wie auch gegen diejenigen, die sich darin engagieren auf böswilliger, selbstverschuldeter Unkenntnis der Vorurteilsinhaber beruhen.
Wie sonst könnte es sein, daß sich (z.B. in unserer Gemeinde) gerade einmal 6,29% der Gemeindemitglieder an der Wahl beteiligt haben. Diese Zahl bedeutet, daß nicht einmal jeder zweite, der am Sonntag in der Hl. Messe war es für nötig befunden hat, seine Stimme abzugeben. Daß eine solches Gremium keinerlei demokratische Legitimation hat versteht sich von selbst. Auch das ist ein Grund für den schlechten Ruf. Gelänge es mir einen beliebigen Verein meiner Heimatstadt zu überreden, eine Kandidatenliste für den Pfarrgemeinderat aufzustellen, und in nennenswerter Anzahl zur Wahl zu gehen, um die eigenen Leute zu wählen, so könnte es passieren, daß der Pfarrgemeinderat zu 100% aus Fußballern besteht, die nie einen Sonntagsgottesdienst besuchen oder sonstwie am Gemeindeleben teilnehmen.
Bislang ist noch keiner auf die Idee gekommen, schade.
So würde endlich eine Idee an das Absurdum geführt, das sie inzwischen ist.

Eine gewählte Vertretung der Laien, die keine wirkliche Legitimation besitzt, weil sie nur von einer verschwindenen Minderheit in “Amt und Würden” gehoben wird.

Das ist für mich der Hauptgrund, warum der Pfarrgemeinderat so einen schlechten Ruf hat.

Ich wünsche den Nachfolgern, die jetzt seit Ende November 2005 im Amt sind Gottes Segen für ihr Wirken.