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Die Lebensentwürfe sind in der Realität unseres Landes und unserer Zeit zahlreich. Von der Patchworkfamilie (meine, deine, unsere Kinder) über alleinerziehende Väter und Mütter, wechselnde Lebensabschnittspartnerschaften, Dinks (double income no kids), Notsingles, bekennende Singles (mit oder ohne Kind) bis hin zur traditionellen auf Lebensdauer angelegten und sakramental gelebten Ehe ist alles möglich.
Mir stellt sich die Frage: Wie soll Politik damit umgehen?
Dazu vorab noch zwei Anmerkungen.
1. Mehr und mehr wird die Politik von Gerichten dazu gezwungen, Lebensgemeinschaften und -entwürfe, die mit der Tradition dessen, was wir Katholiken unter Familie verstehen, gar nichts mehr zu tun haben, der Familie rechtlich gleichzustellen. (Die Frage, ob man auf Dauer den Zwang zur standesamtlichen Trauung so aufrecht halten muß, sei hier mal ausgeklammert. )
Das kann man gut finden oder schlecht. Ich persönlich finde es aus verschiedenen Gründen schlecht und sage das auch. Doch entziehen kann man sich dieser Wirklichkeit nicht. Aus politischer Sicht lautet die alternative, dafür zu sorgen, daß die Menschen, deren Lebensentwurf von der klassischen Familie abweicht, sich selbst “ernähren” können oder sie auf Kosten der Gesellschaft durchzufüttern. Insofern erschließt sich, warum – aus Sicht des Staates – alles getan werden muß, um auch alleinerziehenden und denen die nicht in einer verbindlichen Verantwortungsgemsinschaft leben, den Weg ins Erwerbsleben zu ermöglichen. Selbst in der klassischen Familie ist es heute dem sogenannten Normalverdiener kaum mehr möglich, seine Familie angemessen zu ernähren (als synonym für versorgen). Auch dies kann man lautstark beklagen oder pragmatisch damit umgehen. Letzteres heißt nichts anderes als Ehefrauen oder Lebensabschnittspartnerinnen, denn um Frauen geht es zumeist, eine Berufsausbildung und -ausübung zu ermöglichen.
Bleibt noch die vielzitierte, oftbemühte, gutausgebildete junge Frau, die – mehr oder weniger egosistisch – Kind und Karriere unter einen Hut bringen möchte. Auch die gibt es nun einmal, lamentieren hin oder polemisieren her. Wir können versuchen, sie “hinter den Herd” zu zwingen. Viel Vergnügen dabei. Die Alternative lautet dann nämlich, daß wir noch weniger Kinder haben werden, denn ein großer Teil dieser Frauen hat jahrelang studiert und nun einfach keinen Bock auf “nur Hausfrau”.
2. Möchte ich noch versuchen mit einem weiteren Vorurteil aufzuräumen. Gerade Konservative tun oft so, als sei die treusorgende Hausfrau der 50er Jahre Fernsehwerbung zu allen Zeiten das Maß aller Dinge gewesen. Wir brauchen nur wenige Jahrzehnte zurückgehen, da sehen wir Frauen, die sich allein durchschlagen müssen, weil ihre Männer gerade russische, französische oder englische Männer verhauen geschickt wurden. Gehen wir einige Jahrzehnte weiter zurück, dann sehen wir nicht nur Frauen, sondern auch Kinder mit den Männern in Bergwerken und Fabriken rund um die Uhr schuften, um das allernötigste zu verdienen. Gehen wir noch weiter zurück, so sehen wir Frauen auf Bauernhöfen, in Webereien und Handwerksbetrieben mitarbeiten. So weit her ist es gar nicht mit dem bürgerlichen Ideal der treusorgenden Hausfrau.
Unter all den genannte Voraussetzungen, ohne den Anspruch auf eine vollständige Analyse erheben zu wollen, erscheint es mir sehr vernünftig, in der Familienpolitik andere, bislang verpönte Wege zu gehen. Allerdings ohne die von unseren roten Brüdern geforderte Hoheit der Politk über die Kinderbetten. Wer es will und sich zutraut, soll ermutigt und in jeder möglichen Weise unterstützt werden, das klassische Familienbild zu verwirklichen. Diese Minderheit aus den Augen zu verlieren, wäre in der Tat ein Verrat an christdemokratischen Positionen. Das sehe ich bislang nicht. Diese Minderheit kann jedoch nicht die Mehrheit politisch nicht majorisieren. Somit ist auch eine christdemokratische Familienministerin gezwungen, die uns Christen fremden Lebensentwürfe (womit ich nicht berufstätige Frauen meine) in ihrer Familienpolitik zu berücksichtigen. Eine Mutter (oder ein Vater) die/der allein mit ein, zwei oder drei Kindern lebt, braucht eine Option, diese zu den Zeiten, in denen sie/er der notwendigen Erwerbsarbeit nachgeht, die Kinder betreuen zu lassen. Daß durch ein größeres Angebot an Kinderbetreuung außerhalb der Familie das als demographischer Wandel schöngeredete Schrumpfen unserer Bevölkerung umgekehrt wird, wäre erst noch zu beweisen. Es fehlen bereits jetzt die Frauen, die die nötigen Kinder gebären könnten. Eine Generation weiter wird sich dieser Umstand noch verschärfen. Der Prozeß des Schrumpfens ist unumkehrbar. Doch die Männer und Frauen, die Kinder haben könnten, werden davon beeinflußt, ob sie eine Option haben, auch mit Kindern ihren erreichten Lebensstandard zu erhalten. Ein Gesinnungswandel hinsichtlich einer zunehmenden Bereitschaft für Kinder auf etwas zu verzichten, wie es in der Generation unseren Eltern normal war, sehe ich nicht. Auch hier die Wahl zwischen Lamento und Realpolitk. Bei aller möglichen Kritik an Einzelentscheidungen, bin ich ein Befürworter der Realpolitik. Das heißt für Familienpolitk in unseren Tagen, Familie möglich zu machen, ohne die hängen zu lassen, die andere (für uns eigentlich inakzeptabele) Lebensentwürfe haben.
Nun steht immer wieder, auch in dem Weblogbeitrag, auf den ich oben verwies, die Behauptung im Raum, die christdemokratische Partei sei für Christen nicht mehr wählbar. Selbst ein Bischof hat einmal gefordert, das “C” aufzugeben. Den Christen in der CDU hat erdamit einen Bärendienst erwiesen.
Für einige mag es Charme haben.
KDU = Konservativ Demokratische Union?
Ohne mich!
Auch wenn die CDU nicht immer und in jeder Lage christliche Positionen in politisches Handeln umsetzen kann, so bleibt das “C” Auftrag, Anspruch und Herausforderung für jedes Mitglied. Für jeden Wähler leitet sich ein Anspruch daraus ab, uns daran zu messen und auf dieser Basis zu kritisieren (jedoch nicht zu verwerfen). Laufen der CDU die Christen als Mitglieder und mehr noch als Wähler davon, so verkommt das “C” mittel- bis langfristig zum Feigenblatt für eine wertkonservative Politk, die ich als Christ, z.B. vor dem Hintergrund der katholischen Soziallehre, nur begrenzt bis gar nicht unterstützen könnte. Ob das “C” eine Bedeutung behält und/oder künftig mehr Bedeutung erlangt, liegt nicht zuletzt an den Christen selber, die ihren Weltcharakter, d.h. die Dinge der Welt zu regeln, ernst nehmen. Parteibeschlüsse fallen nicht vom Himmel. Ein vernichtendes Urteil in einem Interview, einem Leserbrief oder auch einem Weblog ist leicht geschrieben. Zugegeben, Mitwirkung in der Politk ist mühsam, zeitraubend und zuweilen entmutigend. Doch was ist die Alternative?
Ausgerechnet mich nun zu fragen, ob nun ein Christ unbedingt CDU wählen muß, wäre probelmatisch, denn ich bin nun einmal parteiisch.

