Tage in der Abtei Mariawald
Sonntag, 18. Juni 2006, Sonntag, 18 Juni 2006, 21:27:37 Uhr
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Wenn Du nicht in die Wüste gehen kannst, mußt Du dennoch in deinem Leben »Wüste machen«. [...]
Eine Stunde am Tag, einen Tag im Monat, acht Tage im Jahr, länger, wenn es nötig ist, mußt Du alles und alle verlassen, um Dich allein mit Gott zurückzuziehen. Wenn Du das nicht suchst, wenn Du das nicht liebst, mach Dir Keine Illusionen. Anders wirst Du nie zum kontemplativen Gebet kommen.
( Carlo Carretto, Wo der Dornbusch brennt. Lebenswissen aus der Wüste. Freiburg i.Br. 2001. S. 90f.)

Wer würde einen solchen Rat verschmähen?
Von kontemplativem Gebet bin ich noch Lichtjahre entfernt. Dennoch suche ich sie immer wieder auf, jene Wüste, welche Fratello Carlo uns rät, sie aufzusuchen. Da ich weder Kleiner Bruder bin noch dem Jet-set angehöre, ist es weniger die Sahara, sondern eher ein Wüste in unseren Breiten.

So habe ich mich für fünf Tage in die Abtei Mariawald in der Eifel zurückgezogen. Mariawald ist das einzige Trappistenkloster in Deutschland. Die Trappisten sind reformierte Zisterzienser, die ihrerseits reformierte Benediktiner sind. Und wo nach der Benediktusregel gelebt wird, dort fühle ich mich auch wohl.

Die Abtei Mariawald liegt in einer geradezu malerischen Umgebung in der Eifel. Obwohl die Mönche der Abtei eine Gaststätte, einen Klosterladen,

eine Buchhandlung und eine Likörfabrik betreiben, ist es dort sehr still. Auch sieht man der Abtei von außern auf den ersten Blick gar nicht an wie viele Betriebe sie in ihren Mauern untergebracht hat. Erst auf den zweiten Blick erkennt man wie groß das Areal hinter der Klostermauer ist. Die Betriebe berühren die Stille im Kloster so gut wie gar nicht. Ohnehin schließen die Gastronomie und die Läden um 19 Uhr, so daß zur Komplet rund um das Kloster, das tagsüber ein beliebtes Ausflugsziel ist, Ruhe einkehrt. Im Gästehaus bekommt man auch tagsüber von dem Trubel nichts mit.

So kommt man dort sehr gut zur Ruhe. Unabdingbar für Tage der stillen Einkehr und des Gebets. Unser Alltag in Beruf und Freizeit ist laut und hektisch genug, so daß es sinnvoll ist, zuweilen die Stille zu suchen. Der geregelte Tagesablauf, welcher durch die Gebetszeiten unterteilt ist, tut ein übriges, um sich auf Gott einlassen zu können. Das Gebet wird dann weniger aktiv, sondern mehr ein passives Zulassen. Wenn ich nur da bin, dann ist da auch Gebet. Gott wartet auf mich, auch wenn ich gerade mal wieder mit meinen Gedanken ausweiche. Zuhause, Büro, Freizeit, Hobbys und vieles mehr versuchen sich einen Platz in meinem Kopf zu erobern, wenn ich beginne mich für das Gebet zu öffnen. Der ganze Alltag kommt eben doch mit ins Kloster und will sich vordrängeln statt auf seinem Platz zu bleiben. Gerade deshalb nehme ich mir die Zeit der Stille, um alles zu sortieren, damit die Dinge meines ganz normalen Lebens wieder ihren Platz einnehmen und sich im Leben, d.h im Alltag auf Gott hin ordnen.

Immer wieder verirrten sich auch Touristen in die Horen, zumeist in die Sext und die Non. Es war sehr interessant zu beobachten, wie das Chorgebet der Mönche auf die Menschen wirkt. In der Tat lassen sich viele von der Ruhe – wenigstens für einen Moment – einfangen. Besonders beeindruckt sind häufig die Kinder. Viele versuchen sogar die Psalmen in den ausliegenden Ringordnern mitzulesen. So saßen an einem Tag zwei Jungs, die offensichtlich einen Schulausflug mit ihrer Klasse nach Mariawald machten, neben mir in der Kirche. Als ich merkte, daß sie lange Hälse machten, um in meinem Stundenbuch die Seiten erkennen zu können, habe ich ihnen das Buch immer wieder hingehalten und die Seiten gezeigt, was sie mit einem dankbaren Lausbubengrinsen quittierten.

Der Tagesablauf im Kloster Mariawald war für mich schon eine echte Herausforderung. Um 4:00 Uhr morgens beginnt der Tag mit den Vigilien. Das ist früh, wirklich sehr früh!!!
Doch endet der Tag mit der Komplet schon um 19:30 Uhr. So kann man um 20:30 Uhr schon schlafen, was sich angesichts des nächsten Morgens durchaus empfiehlt.
Das Chorgebet mit seinen Psalmen und Hymnen macht mir immer sehr viel Freude.
Eine Eucharistiefeier ohne Orgel, nur mit dem von den Mönchen gesungenen Choral, ist für mich der reine Genuß. Kein „Gedudel“ (alle Organisten, die mich kennen mögen mir verzeihen) während der Kommunionausteilung. Keine Hektik oder Experimente in der Liturgie – statt dessen ist alles straff und klar gegliedert ohne Schnörkel, dabei dennoch feierlich.
So kann ich die Liturgie gut mitfeiern.
An Fronleichnam war nach dem Hochamt (und der kürzesten Fornleichnamsprozession meines Lebens) bis nach der Vesper Eucharistische Anbetung. Selten habe ich ein so schönes Fronleichnamsfest gefeiert.

Da ich gerne fotografiere, hat es mir viel Freude gemacht, ein paar Fotos rund um die Abtei zu machen.
Ich hoffe ich konnte ein wenig von der Stimmung einfangen.



Abteikirche im Gegenlicht
am frühen Morgen
Abteikirche Innenansicht


Fenster Westwerk Kreuzwegstation


Pforte Kreuz im Gästehaus

Rundbeet vor dem Kloster Eines der beiden “Klosterpferde”

Den Mönchen der Abtei Mariawald danke ich sehr herzlich für die liebevolle Aufnahme in ihrem Kloster und für die Möglichkeit diese Tage dort verbringen zu dürfen. Ich freue mich schon sehr auf meinen nächsten Besuch in Mariawald. Alle Leser bitte ich, mit mir in den nächsten Tagen besonders für Dom Josef zu beten, der am Hochfest Peter und Paul zum Priester geweiht wird .

Die Abtei Mariawald im Internet



Gartenbilder 4
Samstag, 10. Juni 2006, Samstag, 10 Juni 2006, 22:29:39 Uhr
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Klematis Bonanza


Federnelke Mohn


Rittersporn Fingerhut


Rosa Bernstein Rose Schneewittchen


Einsam und allein – zweite Auflage ist erschienen
Donnerstag, 8. Juni 2006, Donnerstag, 8 Juni 2006, 21:56:38 Uhr
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Einsam und allein?

Eremiten in Deutschland
von Maria Anna Leenen

Einsiedler in Deutschland werden häufig nur als fromme Abenteurer wahrgenommen, von ihrem betenden Dienst berichten Medien kaum. Doch diese neue Form des eremitischen Lebens, die im Verborgenen aufgebrochen ist, erfährt seit Jahren eine langsam wachsende Aufmerksamkeit. mehr.

Von vielen erwartet liegt das Buch über Eremiten unserer Zeit nun endlich in 2. Auflage vor. In “Einsam und allein” kommen sie selber zu Wort, die sonst kaum je gehört werden. Die in selbstgewählter Einsamkeit ein Leben der radikalen Gottsuche führen, erhalten hier Stimme und Profil. Die man sonst nie sieht, stellt die Autorin dem Leser lebendig und Farbig vor Augen.

Maria Anna Leenen, die selbst Eremitin ist, zieht für den
Moment des Lesens einen Vorhang zur Seite, der eine sonst kaum bemerkte Lebensform verbirgt. So fällt auf ihre Lebensform ein wenig Licht, das die Schönheit aber auch die Spannungen der Gottsuche im Leben der einsamen und doch gar nicht so einsamen Einsiedler unserer Tage erahnen läßt. So groß wie ihre Zahl ist auch die Vielfalt der Lebensformen. Die Eremitin in der Großstadt kommt ebenso zu Wort, wie der Eremit auf dem einsamen Berg.

Ein Geleitwort von Josef Sudbrack SJ und ein theoretischer Teil, der auch einen kurzen Aufsatz von Marianne Schlosser zum can. 603 CIC enthält, runden das Buch ab.


Einsam und allein?
Eremiten in Deutschland
von Maria Anna Leenen
ist erschienen im
Aschendorff Paperbacks und kostet 9,80 Euro.



Warum ist das so?
Freitag, 2. Juni 2006, Freitag, 2 Juni 2006, 19:14:17 Uhr
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Am vergangenen Sonntag war ich wieder mal zu einer Erstkommunionfeier eingeladen.
Diesmal in Hiltrup im Bistum Münster.
Das was dem staunenden Teilnehmer als Hl. Messe verkauft wurde, war schlicht eine Frechheit.
· Phantasieorationen,
· Hoffsümmergeschichte an Stelle der Lesung
· ein Glaubensbekenntnis (von drei Kindern gesprochen):

Ich glaube an Gott, der uns Menschen seine Hand entgegenstreckt.
Ich glaube an Jesus Christus, der uns an seiner Hand hält und mit uns geht.
Ich glaube an den Heiligen Geist, der uns hilft, dass wir auch mit unseren Händen gutes tun.

· eine sonderbare Erneuerung des Taufversprechens:

Priester: Jesus hat seinen Freundinnen und Freunden gesagt:
Geht und erzählt allen Leuten weiter, was ich euch alles gesagt habe. Er wünscht, dass wir über seine Worte und Geschichten nachdenken. Wollt ihr das versuchen?
Kommunionkinder: Ja, das wollen wir.
Priester: Jesus wünscht, dass wir so wie er Menschen lieben, auch die Hilflosesten, die allerärmsten, die Unfreundlichen. Wollt ihr das versuchen?
Kommunionkinder: Ja, das wollen wir.
Priester: Jesus wünscht, dass wir Böses vermeiden und das wir gut machen, wenn wir falsches und Böses getan haben. Wollt ihr das versuchen?
Kommunionkinder: Ja, das wollen wir.
Priester: Jesus wünscht, dass wir vergeben lernen und miteinander Frieden stiften. Wollt ihr das versuchen?
Kommunionkinder: Ja, das wollen wir.
Priester: Wenn wir das versuchen werden, werden alle Menschenerkennen, dass wir Freunde und Freundinnen Jesu sind
Kommunionkinder: Amen

· Woher das stammte, was das Hochgebet sein sollte, vermag ich nicht einmal zu ahnen.
· Ein besonderer Gag war die Konzelebration mit den Kommunionkindern, die nach der Gabenbereitung in Orantenhaltung um den Altar standen.

Unnötig zu erwähnen, daß die Antworten des Volkes und der Gesang mehr als spärlich war und es offensichtlich nicht mehr üblich ist, nach dem Sanctus zu knieen.
Warum meinen die Pfarrer, Kommunionkindern katholische Liturgie nicht mehr zumuten zu können?
Ich kann nur raten.
Weil sie selber sie nicht mehr ertragen?

Mein Bedarf an Erstkommunionen ist vorläufig gedeckt.