Selten

kommt es vor, daß ich an einem Radio Vatican – Artikel so richtig was auszusetzen habe, doch dieser erscheint mir völlig daneben.

Ohne Laien funktioniert heute keine Messe.

1. Was heißt funktionieren im Zusammenhang mit Messe?
2. Ist mit „funktionieren“ gemeint, ohne Laien könne ein Priester keine Messe feiern, so ist das schlicht und ergreifend Blödsinn.

In der alten Messe haben also Laien kaum Anteil am Geschehen

Wenn ich mich Sonntag für Sonntag in „normalen“ Gemeinden so umsehe, so müßte ich nach obigem Zitat davon ausgehen, daß in den von mir besuchten Gemeinden öfter mal die „Alte Messe“ gefeiert wird.

„dass selbst wenn ein Chor einen liturgischen Text sang, etwas das Gloria oder das Credo, dieser Text erst dann Gültigkeit erhielt, wenn ihn der Priester leise gesprochen hat.

Wenn denn heute Gloria, Credo, Sanctus und Agnus Dei überhaupt vorkämen. Nicht selten wird an der Stelle einfach irgendein Lied gesungen, das mit dem eigentlichen Text rein gar nichts mehr zu tun hat.
Was zu solchen Sachen führt: So wurde ich kürzlich gefragt, warum denn nur Sonntags vor den Fürbitten ein Lied gesungen wird, das kann man doch werktags auch mal machen.

Wenn also die reformierte Liturgie bestimmte Teile der Heiligen Messe Priestern und Laien aufträgt, so sollte dies auch so geschehen.

„Bei einer tridentinischen Messe spielt es eigentlich keine Rolle, ob hinten in den Bänken jemand ist oder nicht. Bei der erneuerten Liturgie durch das II. Vatikanum lässt sich aus pastoralliturgischer und pastoraltheologischer Sicht ein Gottesdienst OHNE Beteiligung der Laien eigentlich nicht denken.“

Ein solcher Satz ist nichts weiter als polemischer Unsinn. Bedauerlich ist, daß er offensichtlich so vom Leiter des Deutschen Liturgischen Instituts in Trier so gesagt worden sein soll.

Für Gültigkeit und Würdigkeit der Liturgie ist die Anwesenheit von Laien weder nach dem Meßbuch von 1962 noch nach dem Meßbuch von 1970 ein Kriterium.

Wer mich kennt wird wissen, daß ich kein Freund eines „zurück zum Meßbuch von 62“ bin. Ebenso stehe ich jedoch den modernen (wie auch den alten) liturgischen Mißbräuchen sehr kritisch gegenüber. Eine übertriebene Klerozentrik, wenn man mir das Wort verzeihen mag, kann man dem Missale Pius‘ V. sicher vorwerfen, wenn als liturgisch gültig in der Hl. Messe nur das gilt, was der Priester in einer bestimmten Sprache betet. Mit diesem Unsinn aufzuräumen war sinnvoll. So wie es sinnvoll ist, heute klarzustellen, daß z.B. das Credo nicht durch ein beliebiges Kirchenlied ersetzt werden kann.

Den Hintergrund dieses Artikels kann ich nur ahnen. Steht etwa doch ein Schreiben des Papstes bevor, daß das Meßbuch von 1962 freigibt? Oder liegt da etwas anderes in der Luft?

Ein solcher Artikel jedenfalls nützt zu gar nichts. Am wenigsten zu einer ruhigen und sachlichen Diskussion um eine dringend notwendige Fortführung der Liturgiereform im Sinne des II. Vat.

Quelle für alle Zitate: http://www.oecumene.radiovaticana.org/ted/Articolo.asp?c=112027

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6 Responses to Selten

  1. Nach altem Ritus mußte zumindest ein Stück Volk (scil. der Ministrant) da sein. Beim Neuen konnte es zuerst ganz ohne gehen. Ist aber dann m.W. geändert worden. Die Bedingungen sind also gleich!

    Genug des Kümmelspaltens: In der Wertung des Artikels hast Du natürlich recht!

  2. Cicero sagt:

    Ich war mir beim neuen Ritus nicht ganz sicher, ob die Möglichkeit der Zelebration sine populo wirklich abgeschafft ist.

  3. Pingback:Echo Romeo » Blog Archive » Zurück - und gleich eine Empfehlung

  4. scipio sagt:

    Und dann hättest Du noch kommentieren können, daß die Tridentinische Messe so heißt, weil sie nach dem Tridentinischen Konzil _entstand_.

  5. Pingback:Commentarium Catholicum » Was heute fehlt

  6. Johannes sagt:

    @cicero:“ Ich war mir beim neuen Ritus nicht ganz sicher, ob die Möglichkeit der Zelebration sine populo wirklich abgeschafft ist.“

    Die Zelebration sine populo kann nicht durch einen Ritus herbei- oder abgeschafft werden. Die Frage beantwortet sich in einer sauberen Dogmatik, nach welcher sich das eigentliche Sakrament der Eucharistie, im Gegensatz zu den anderen Sakramenten in und an sich selbst vollendet.

    Keine Taufe ohne Täufling,
    keine Weihe ohne Kandidaten und
    keine Firmung ohne Firmling,
    kann man sagen.

    Die eigentliche Messe aber geschieht auf dem Altar und ist, wenn die Eucharistie vom Priester consummiert und dem Volk gereicht wird, bereits gelesen.

    Gruß Johannes

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