Der katholischen Kirche mangelt es

an Gläubigen, an Geld, an Priestern. So der Aufmacher des Artikels Katholische Kirche – Wo die Glocken verklingen in der FAZ.

Ein Krisenszenario von grandiosem Ausmaß bietet sich dem Leser. Vor dem Hintergrund der Profanisierung einer Kirche im niedersächsischen Cleve spricht der Artikel von „Drei Männer mit weißen Haaren und weißen Gewändern.“ und zitiert Bischof Trelle mit den Worten: „Seien Sie versichert, dass ich diesen Tag wie ein Begräbnis erlebe.“

Die Männer mit den weißen Haaren sind natürlich in einer Zeit grassierender Jugendkultur ein Fanal für Überalterung und Vergreisung der Kirche. Kirche? Die ist doch sowieso von gestern. Aber ist sie das wirklich?

Als leuchtendes Gegenbeispiel steht da eine  junge Frau mit sportlicher Sommerkleidung, verwuschelte Kurzhaarfrisur und unverblümter Art zu reden. Vorgestellt wird ein Projekt der City- Pastoral. Niederschwellig nennt man das und es ist eigentlich nichts anderes als ein „Wir reden mal über das, was wir (im Gegensatz zur sog. Amtskirche) glauben“ – Projekt mit Sozialtouch und modernem Anstrich. Eventkultur und Denglischer Name sind ebenso obligatorisch wie der scheinbar unvermeidliche Seitenhieb gegen die Hl. Messe. Keine Frage, daß solche Projekte gut und wertvoll sein können. Wir bräuchten eigentlich in jeder Innenstadt eine Art Kirchenladen, Kirchencafé oder sonst einen Anlaufpunkt für Menschen, denen die Schwelle zum Kirchenschiff zu hoch oder die Kirchentür zu schwergängig ist. Keine Frage, daß man in solchen Projekten auch mal etwas zulassen kann und muß, bei dem sich die katholischen Nackenhaare sträuben. (Im Artikel ein Friedhofsevent mit Gespräch über den Tod an Halloween.)

Eines stört: Hier, wie an vielen anderen Orten wird so getan, als könne – oder müsse man sogar – die Kirche neu erfinden. Dabei kommt dann, weil es die Kirche (als göttliche Erfindung und Stiftung) ja schon gibt entweder eine homöopathisch verdünnte Kirche in Wellnessglobulis heraus oder – so denn die Erfinder ehrlich zu sich und anderen sind – etwas komplett anderes dabei heraus. Auch hier wieder gerne von mir das Eingeständnis, daß das etwas gutes und wertvolles sein kann. Einschränkend bleibt anzumerken, daß es eher den Freikirchen zu eigen ist, ihre Kirche oder Gemeinde neu zu erfinden. Wobei gerade den Freikirchen noch ein hoher Grad an Schrifttreue zugestanden werden muß. In der Katholischen Kirche ist es ein Novum zu meinen, man müsse die Kirche neu erfinden und es ist unsinnig und unnütz.
Als Begründung, hält dann so eine Aussage her:

„99 Prozent können mit der katholischen Messe nichts anfangen, weil sie es nicht verstehen, weil ihnen die Uhrzeit nicht passt, weil es ihnen zu langweilig ist oder weil es sie nicht berührt.“ Quelle.

99% ist natürlich eine völlig überzogene Zahl, einigen wir uns mal auf der Großteil der Menschen in unserem Land.

Frage: Warum ist das so? Nun, wenn man mehr als 40 Jahre den Menschen die Hl. Messe nicht erklärt, dann geht das Wissen verloren. Es ist aus meiner Sicht eine Tatsache, daß nur eine sehr geringe Anzahl von Menschen völlig unwillig ist, Wissen anzunehmen. Ebenso ist nur eine ebenfalls sehr kleine Anzahl von Menschen bereit, dem Wissen hinterher zu jagen. Die große Mehrheit der Menschen nimmt Wissen, das man ihnen anbietet auf. Mit unterschiedlicher, ihrer jeweiligen Fähigkeit und Begabung entsprechender, Bereitwilligkeit sind sie dann auch in der Lage, gelerntes anzuwenden.

Gegen Langeweile und falsche Uhrzeit sind natürlich überhaupt kein Kraut gewachsen. Das sind nur billige Ausreden. Da kann man tridentinisch, charismatisch, ordentlich, unordentlich, freikirchlich, rockig, schnulzig und wasweißichnochalles sein, das bringt niemanden von dieser Ausrede ab.

Es berührt die Menschen nicht. Das ist eines Gedankens wert. Warum berührt die Menschen eine Hl. Messe nicht (mehr)? Und an dem Punkt zweifele ich an meinem Verstand, wahlweise auch mal am Verstand derer, die die Krankheit zum Heilmittel machen wollen. Es sollen „neue“ Gottesdienstformen gewagt werden. Mit immer neuen Gottesdienstformen hingegen sind die Kirchen immer leerer geworden. Je größer die Schar der Laiendarsteller im Chorraum, umso größer die Flucht aus den Kirchen. Klar, wir schleusen in volkskirchlich- sentimentaler Weise Jahr für Jahr zigtausende von Kommunionkindern durch die Erstkommunionvorbereitung. Und wenn die lieben Kinderlein dann (mit zuweilen dramatisch mangelhafter Lesekompetenz) Kyrierufe, Lesungen (oder deren nichtbiblischen Ersatz), Fürbitten und Dankmeditationen vortragen, kommen auch Mama und Papa, Oma und Opa, Onkel und Tante mal wieder in die Kirche. Dann freut sich der Pastor über die gut gefüllte Kirche. (So schlimm ist das ja alles gar nicht. Hier kommen die Leute ja noch zur Kirche.)
Mit großer Erleichterung stellt manch einer fest, daß der Spuk am 3. Sonntag der Osterzeit vorbei ist. Endlich wieder „normale“ Sonntagsmesse. Die allerdings die Realität von gut 10% sonntäglicher Meßbesucher nur zu deutlich werden läßt.
Die „neuen“ Gottesdienstformen, die so gerne gefordert werden, binden niemanden langfristig an die Kirche, weil sie nicht lange neu sind. Manch ein auf den ersten Blick pfingstlich anmutender Aufbruch ist nach kurzer Zeit schal und wird entsorgt. Dann braucht es einen neuen Kick. Wieviel neue Kicks verträgt man denn?

Ganz anders ist es dort, wo die Liturgie der Kirche authentisch gefeiert wird. Wo alte nichtliturgische Frömmigkeitsformen, selbst in neuem Gewand, fest auf dem Boden katholischer Tradition aufsetzen, strömen zwar auch nicht die Massen, doch es ist eigentlich immer ein Wachstum feststellbar. Nightfever ist natürlich das Paradebeispiel, aber nur eines von vielen.

Es geht also gar nicht um neue Formen, wie man uns so gerne einreden möchte. Es geht um authentische Verkündigung und authentische Feier des Glaubens. Alles andere ist nach dem Dreschen pastoraler Phrasen nur noch leeres Stroh. Schade, daß ein ansonsten guter Artikel dabei mitmachen muß. Es ist traurig, wenn Kirchen geschlossen werden müssen. Es ist ein Trauerspiel, wenn lokale Traditionen abreißen und es hinterläßt ein beklemmendes Gefühl, wenn ein Gott geweihtes Haus in den profanen Gebrauch zurück geführt werden muß. Bei aller Sentimentalität muß man die vorhergehenden Generationen fragen: Warum habt Ihr den Glauben der Kirche, den Ihr von Euren Eltern erhalten habt, nicht an Eure Kinder weitergegeben?

Speichere in deinen Favoriten diesen Permalink.

2 Responses to Der katholischen Kirche mangelt es

  1. mabu sagt:

    Dass der (notwendige?) Untergang der Volkskirche schmerzhaft und traurig ist, darüber sind wir uns wohl einig.

    Dass du aber als Gegenbeispiel zu „“neuen” Gottesdienstformen“, „Eventkultur und Denglischen Namen“ ausgerechnet Nightfever anführst, ist schon einen kleinen Tusch wert! 😀

  2. Stanislaus sagt:

    Also wenn ich mal den Kernsatz des Artikels mit den 99 % Nichtverstehern dem entgegensetze, was das II. Vatikanische Konzil zum Ziel hatte, dann muß man wirklich konstatieren: Ziel grandios verfehlt. Zu jubeln gibt da 50 Jahre danach wirklich gar nichts.

  • © Alle Rechte vorbehalten 2005 - 2015