Warten auf Dialog
Ein Stück in 5 Akten für 7 Bischöfe und 293 Laiendarsteller.
Von Robert Zollitsch
Regie: Hans Langendörfer
Choreographie: Matthias Kopp
Aufführungsort: Brauereigaststätte Wieneke
Es erforderte allein schon ein wenig Mut, ein solches Großereignis auf die Bühne zu bringen, so war es umso mehr ein Wagnis, eine solches Kulissenbild zu wählen. Tischgruppen, auf denen sich IPads wie wahllos hingeworfen vorfanden, eine scheinbar unabgesprochene Aufteilung der Gruppen. In diesem schwer zu spielenden Stück, in dem keiner der Darsteller eine feste Rolle Darstellen darf, meisterten es Laiendarsteller und Bischöfe mit bravour, in ständigem Rollenwechsel frei improvisierte Statements abzugeben, die nach Drehbuch in keinerlei innerem Zusammenhang stehen dürfen.
Wahlweise werden diese gar nicht ausgesprochen sondern nur elektronisch übermittelt. Eine echte Herausforderung für den Zuschauer, der nichts außer Gemurmel hört und mit rasender Geschwindigkeit an einer Illuminationswand aufblitzende in sich völlig sinn- und zusammenhanglose Wort- und Satzfetzen aufblitzen sieht.
Den Darstellern kann an dieser Stelle nur ein Kompliment für die zwei Tage währende Vorstellung ausgesprochen werden. Fast episch schon die Rückfälle in Rollen, da war der ältlich wirkende Jugendliche, der Elder Statesman und die Mutter der Nation, die sich wie Flammen aus dem zu erwartenden Dialog erhoben. Konterkariert von dem dann wieder aus der Rolle fallenden Juristen, dem erwartungsgemäß und lautstark zugebuht wurde.
Eine Mammutaufgabe auch für den Choreographen, innerhalb einer Nacht aus dem aufbrechenden Chaos in “Focussing und Illumination”, einer aus Big Buissines bekannten Technik, für den zweiten Tag der Aufführung eine vermeintliche Sinnstiftung zu destillieren.
Der lange Schlußapplaus, den sich die Darsteller selber spendeten, war hochverdient. Ein solches Stück in so großer Professionalität, Spontaneität und Ausdruckskraft über einen so langen Zeitraum und bei nur kurzer Zeit für Proben aufzuführen, ist unerwartet und setzt Standards, die den internationalen Vergleich nicht scheuen braucht. Nie zuvor hat man Chaos, Sinnlosigkeit und eine an Dadaismus erinnernde Kommunikationskultur derart präzise und dramatisch nachgebildet.
Natürlich ist es immer gewagt, bei modernem Theater den Deutungsschlüssel zu suchen, doch kaum jemand wird bestreiten wollen, daß das Stück “Warten auf Dialog” dessen zweiten Akt man nun in Hannover bewundern konnte, eine Persiflage auf die Situation der katholischen Kirche in Deutschland sein soll. Das wird erwartungsgemäß nicht von allen Kritikern geteilt. Ja einige konservative Theaterkritiker sprechen gar von der Sinnstiftung der Sinnlosigkeit in “Warten auf Dialog”. Die Urheber und mitwirkenden hingegen äußern sich dazu nicht und formulieren ganz andere Ziele.
Man kann gespannt sein, ob die Truppe, deren Stammbesatzung nur geringfüge Auswechselungen erfahren wird, auch die nächsten Akte mit solcher Emphase und Energie wird durchhalten können.
Der Autor und Initiator sprach von einer Vielfalt des Lebens, der hier Ausdruck verliehen worden sei. Dem kann nicht widersprochen werden.




Vielleicht doch? Ich jedenfalls würde Hans Langendörfer als Regisseur nicht unterschätzen… Wenn vielleicht das Chaos, die Sinnfreiheit oder Blödheit die zielführende Methode ist? Das Ziel zur deutschkath.-ökum. Nationalkirche!!! Mit einem Folklorepapst jenseits der Alpen…Eine katholische Fraktion in dieser anzustrebenden “Kirche”. Das geht nur mit geistlich-katholisch ausgemergelten Katholiken, die weder emotional noch intellektuell Widerstand leisten können…
Verblödung als Methode!
Man hätte es sich nicht ausdenken können!
Vielen Dank für zumindest ein lachendes Auge bei diesem ganzen Schmus
Die wirklich super-ehrliche Selbsteinschätzung der handelnden Personen würde mich sehr interessieren.
Den Applaus, den sie sich selbst spendeten – wurde er aus ihrem Gefühl heraus gespeist, in diesem Stück eine wirklich gute Leistung abgegeben zu haben?
Oder waren sie sich der Dürftigkeit ihres Spiels bewusst und taten dies nur, um den dieser Veranstaltung eher kritisch gegenüberstehenden Beobachter davon abzulenken und Sand in die Augen zu streuen?
Ich fürchte, sie sind vollkommen von sich und ihrem Tun überzeugt.
Selbstbewusstsein – echt oder wenigstens vorgetäuscht – ist Pflicht!