Mathe für Theologen
Samstag, 25. Juli 2009, Samstag, 25 Juli 2009, 10:59:13 Uhr
Abgelegt unter: katholisches

Schon seit Jahren bin ich entschieden dafür, daß Mathematik in gewissem Umfang Bestandteil des Theologiestudiums sein sollte.

Der Tatsache, dass die weltweit verbreite Petition „Für eine uneingeschränkte Anerkennung der Beschlüsse des II. Vatikanischen Konzils“ mehr als 50.000 Unterschriften bekommen hat, davon die meisten aus dem deutschsprachigen Raum, muss jedoch praktisch-theologisch das größere Gewicht eingeräumt werden. Sie zeigt nämlich, wie sehr es innerhalb des sog. Kirchenvolkes stimmungsmäßig brodelt, und zwar nicht erst jetzt, sondern schon seit geraumer Zeit. Der Anlass, der zu der Petition geführt hat, hat gewissermaßen den schon vorher angestauten Druck explodieren lassen. (Norbert Mette:
Für einen Kurs der römisch-katholischen Kirche im Sinne des Konzils. Eine
Einschätzung der „Petition Vaticanum 2“ aus praktisch-theologischer Sicht
)

Weltweit gibt es 1.131.000.000 (Stand 2008, Quelle Wikipedia) Katholiken.

50.000 Unterschriften hat die Petition erreicht.
Das sind sage und schreibe 0,0044% der Katholiken weltweit.
Damit würde ich diese Petition und ihr Ergebnis nicht einmal als einen Sturm im Wasserglas bezeichnen.

Selbst wenn man es in Relation zu den Katholiken in Deutschland nimmt, dies sind 25.461.000 (Stand 2007, Quelle Wikipedia), kommt man auf den sagenhaften Prozentsatz von 0,19% der Katholiken in Deutschland.
Mit einigem Wohlwollen könnte man da von einer winzigen Anspaltung von der Kirche reden. Zahlenmäßige Bedeutung kommt dem Ergebnis der Petition wohl kaum zu. Mit einem verpflichtenden Mathekurs für Theologen im Grundstudium würde einem gestandenen Theologieprofessor ein solcher Fauxpas nicht unterlaufen.

Daß dieser lächerlich kleine Haufen von Pseudorebellen natürlich lautstark in den Medien vertreten ist, ist klar, haben sie doch nicht nur das kleine Gespenst (aka: Der Geist des Konzils) sondern auch den Zeitgeist hinter sich. Beide spielen in der veröffentlichten Meinung sicher eine große Rolle.
Für die Kirche spielen sie keine Rolle. Sie werden eines Tages vielleicht noch eine Fußnote in der Kirchengeschichte sein.


6 Kommentare bisher
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[...] katholon habe ich einen schönen Artikel entdeckt; “Mathe für Theologen“. Es wird dafür plädiert, dass Theologie-Studenten während ihres Studiums auch [...]

Pingback von Mathe in der Theologie | Gott-Welt.de am 25.07.2009 um Samstag, 25 Juli 2009, 17:07:06

In einem Punkt irrst du dich 100-%ig, dass Fach das gelehrt werden würde, wäre nicht Mathe, sondern Statistik. Und wenn ich mich an meine Statistikvorlesungen erinnere, habe ich nicht viel mehr behalten, als dass sich mit ihnen alles belegen und fälschen lässt. Zum Beispiel könnte man statt der von dir gewählten Grundgesamtheiten auch noch andere nehmen, engagierte oder praktizierende Katholiken usw. usf. Sei’s drum, das von dir gewünschte Ergebnis ist am Ende auch da nicht viel anders.

Der springende Punkt ist, da sind 50.000 besorgte Katholiken, das sind Individuen, deren Sorgen man ernst nehmen kann, oder man kann sie statistisch bedeutungslos rechnen.

Kommentar von Thomas Matterne am 25.07.2009 um Samstag, 25 Juli 2009, 19:22:22

Hallo…???
Pseudorebellen? Die Anerkennung eines Ökumenischen Konzils ist für mich keine ‘Rebellion’, sondern eine Selbstverständlichkeit, wenn ich mich als katholisch verstehe. Anerkennung meint dabei nicht Rosinenpickerei, sondern ‘all inclusive’.
Und wenn schon Mathe, dann müssten wir nun fein säuberlich den Anteil von Rentnerinnen mit Internetzugang nachschlagen und entsprechend gewichten, ebenso die Anzahl der fachwissenschaftlich beschlagenen Unterzeichner (Theologen mit universitärem Studium, die hoffentlich etwas mehr über die Bedeutung von Konzilien nachgedacht haben, als ein 08-15-Katholik.

Kommentar von Wolfgang am 25.07.2009 um Samstag, 25 Juli 2009, 21:26:52

@Thomas:
Nein, ich meine nicht einmal Statistik. So anspruchsvoll bin ich gar nicht. Ein kleines bißchen Prozentrechnen wäre schon klasse.

@Wolfgang:
Aha, Theologen mit universitärem Studium sind also die besseren Katholiken, weil sie akademisch über die Bedeutung von Konzilien reflektieren können? Ich wäre froh, wenn alle Unterzeichner dieser Petition wirklich das II. Vat. Konzil und alle anderen Konzilien der Kirchengeschichte vollumfänglich anerkennten.

Es gärt nicht im Kirchenvolk. Es gärt bei denen, deren Träume vom sog. Geist des Konzils langsam aber sicher zerplatzen wie die sprichwörtlichen Seifenblasen. Es gärt bei denen, die eine andere Kirche wollten und nun sehen, daß es diese nicht gibt und nicht geben wird.

Ich fühle mich den 08-15-Katholiken näher, die die Füße fest auf der Erde, das Herz am rechten Fleck und zu angemessener Zeit die Knie auf der Kniebank haben.

Kommentar von Cicero am 25.07.2009 um Samstag, 25 Juli 2009, 22:01:50

Ich stimme Dir zu, Cicero!

Kommentar von Tiberius am 27.07.2009 um Montag, 27 Juli 2009, 10:22:01

Die Selbstpositionierung der Petition auf der Seite des Zweiten Vaticanums ist etwa so suggestiv wie die berühmte Frage »Wann haben Sie aufgehört, Ihre Frau zu schlagen« …

Kommentar von Echo Romeo am 28.07.2009 um Dienstag, 28 Juli 2009, 08:11:51



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