9. November 1989
Dienstag, 10. November 2009, Dienstag, 10 November 2009, 23:41:48 Uhr
Abgelegt unter: Politik, katholisches

In meinem Lieblingsforum haben wir uns erzählt, wie wir den 9.11.1989 und die Zeit drumherum erlebt haben.

Ich möchte meinen Leser hier meinen Bericht nicht vorenthalten.

1989 war ich in einem Kolleg, wo ich mein Abi auf dem 2. Bildungsweg gemacht habe. In dem Haus wohnten damals ca. 120 mehr oder weniger junge Männer. Im Sommer 1989 nach den Sommerferien hatten wir einen neuen Mitschüler, der über Ungarn abgehauen war. Schon was der zu erzählen hatte, war sehr, sehr spannend.

Im Herbst spitzte sich die Situation immer weiter zu. Montagsdemos, Regierungswechsel in Ost- Berlin, immer mehr und mehr Bürger der “DDR” verließen ihr Land. Am 9. November hörten wir in einem der Gemeinschaftswohnzimmer in der Tagesschau die Pressemeldung von Günter Schabowski. Ungläubiges Staunen … Was heißt das jetzt? Ist die Grenze auf?
Wenige Minuten später kamen andere dazu. Aufgeregte Diskussionen setzten ein.

Einige Zeit später, der Fernseher lief im Hintergrund weiter, weil wir spürten, daß da was in der Luft lag, begann eine Sondersendung. Wir sahen wie Menschen vor dem Brandenburger Tor auf der Mauer standen. Die ersten sprangen runter auf die Ostseite … und es passierte … nichts. Die Grenzsoldaten schauten zu.
Dann wurden Bilder vom Grenzübergang Bornholmer Straße eingeblendet. Erst vereinzelt, dann in Massen strömten die Menschen von Ost nach West.

Wir hatten Schüler aus Berlin im Haus. Wie die sich gefühlt haben mußten, ist unbeschreiblich. Es gab Tränen, Umarmungen und Jubelgeschrei. Dann hörte man plötzlich jemanden laut rufen:
“Wir fahren nach Berlin!” Unsere Berliner hatten sich zusammengetan und einen Fahrer gefunden.
Irgendwer kramte eine Deutschlandfahne hervor, die zogen wir am Fahnenmast vor dem Haus auf. Jemand läutete die Glocke im Dachreiter auf dem Kolleg. Wir standen draußen, sangen die Nationalhymne und dann “Großer Gott wir loben Dich”. Plötzlich tauchte auch irgendwo Sekt auf und ein paar Sylvesterraketen.
So verabschiedeten wir “unsere” Berliner.

Sie kamen am 11.11. gegen Mittag zurück.
Völlig übernächtigt, da sie bis auf ein paar Stunden in der Nacht zuvor durchgemacht hatten.
Was sie erzählten war das, was man auf den Bildern in den vergangenen Tagen sehen konnte.
Ganz Berlin war eine Party.

Einer meiner Klassenkameraden verbrachte den 10.11.1989 komplett vor dem Fernseher. Er weigerte sich am Unterricht teilzunehmen, weil er befürchtete die Wiedervereinigung zu verpassen. Es dauerte dann ja doch noch ein Jahr, aber die Stimmung hielt noch lange an.
Einige von uns nutzen die Gelegenheit und fuhren bald “nach drüben”.

Gestern abend waren die Bilder wieder so präsent wie damals, und ich sehe noch heute lebendig vor Augen, wie vor dem Kolleg die Deutschlandfahne weht, fast kann ich uns noch das Te Deum singen hören.
Unsere Lehrer waren in den Tagen sehr nachsichtig mit uns, denn unsere Gedanken waren, zumal wir direkt betroffene in unseren Reihen hatten, sehr oft mehr in Berlin als bei Cicero, Goethe, Pascal und Konsorten.


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