Schon wieder Kirmes in Limburg

Das Karussell dreht sich wieder.

Ein Generalvikar, ein Kardinal und ein Erzbischof haben gestern und heute ihr Statement hinterlassen. Der Nutzen der einzelnen Äußerungen mag derzeit noch begrenzt erscheinen. Allerdings sieht man nur zu gut, wohin die Reise geht. Die Verwerfungslinien treten immer deutlicher zu Tage. Und sie werden immer klarer, je mehr versucht wird, sie wegzureden.

Generalvikar Rösch betont im Interview mit der FAZ, daß der Kommissionsbericht nicht den Ausschlag geben wird. Es bedarf nur wenig Phantasie, um erkennen zu können, daß dies eine Antwort auf den Präfekten des Päpstlichen Hauses ist, der von eben diesem Kommissionsbericht eine deutliche Entlastung des Bischofs von Limburg erwartet.

Nicht erst seit gestern betonen zahlreiche Protagonisten im und um das Bistum Limburg herum das (vermeintliche?) Faktum des zerstörten Vertrauens. Das muß man ernst nehmen und darüber muß man reden. Ein Bischof braucht ein Mindestmaß an Vertrauen, um sein Amt ausüben zu können. Es gilt nüchtern zu fragen:
Wo fehlt es?
Wem fehlt es?
Und warum fehlt es?

Darüber hinaus wird sehr vieles in die Waagschale geworfen, was sich bei genauerem Hinsehen als gar nicht so schwergewichtig erweist. Eine erfundene Luxusbadewanne gehört ebenso dazu wie ein bis heute noch nicht vorhandener 7er BMW. Der Bischof von Limburg fährt noch immer den 5er BMW, der von seinem Vorgänger angeschafft wurde. Man redet von autoritärem Führungsstil und kommt aber nie damit raus, wie das denn ausgesehen haben soll. Bislang ist noch niemand außer der Reihe oder grundlos von seinem Posten enthoben oder gar entlassen worden. Die synodalen Gremien existieren ebenfalls noch. Der angebliche Prunkbau entpuppte sich als ein bescheidenes aber hochwertiges Gebäudeensemble, das von Fachleuten ebenso wie von der örtlichen Baubehörde viel Lob erfuhr. Selbst von den angeblich horrenden Folgekosten wegen Straßen- und sonstiger Schäden ist nichts übrig geblieben.

Heiße Press(e)luft, etwas anderes läßt sich bislang immer noch nicht feststellen, wenn man auf die Vorgänge in Limburg schaut. Spekulatius ist und bliebt die Lieblingsnahrung der Protagonisten einer sich noch immer zunehmend boulevardisierenden Berichterstattung um das kleine Bistum an der Lahn.

Leider schweigt das Generalvikariat zu all den abstrusen Vorwürfen und Unterstellungen, die in der Pressekampagne erhoben wurden. Wenn doch jetzt eine Zeit der Ruhe einkehren soll, dann ist es doch auch hoch an der Zeit wirklich einmal Licht ins Dunkel zu bringen. Natürlich ist kaum zu erwarten, daß FAZ, Spiegel und Co ihre medialen  Luftschlösser abreißen und durch ähnlich solide Bauten ersetzen, wie es das diözesane Zentrum ist. Doch in Zeiten von Internet und Social Media kann man auch seine eigenen Kanäle (Internetseiten, Facebookpräsenz u.v.a.) nutzen, um Fakten zu kommunizieren. Es passiert nichts dergleichen. Professionelle Medienarbeit sieht wirklich anders aus.

Es graust einen bereits jetzt, was passieren wird, wenn der Bischof tatsächlich in sein Bistum zurück kehren sollte. Immer wieder nur zu betonen, daß es eine Provokation wäre, wenn der Bischof nach Limburg zurück kehrt, ist langsam langweilig. Das wissen wir inzwischen und wer das bezweifelt, ist wohl mehr als nur ein bißchen weltfremd. Da wäre es doch wirklich viel interessanter zu erfahren, was sich der Generalvikar vorstellen kann, um mit der Provokation produktiv umzugehen. Eine Provokation an sich ist weder positiv noch negativ. Eine Wertung ergibt sich erst daraus, wie man damit umgeht. Ob man sich ihr übehaupt stellt und welche Ziele man mit seinen Strategien verfolgt.

Denn eines ist gewiß, keiner der bisher genannten Sachverhalte (das Ergebnis der Prüfungskommission steht ja noch nicht fest) rechtfertig die Absetzung des Bischofs. Die Rückkehr ist also nach derzeitigem Stand der Dinge sehr wahrscheinlich. Welche Strategien verfolgt der Generalvikar denn nun, um seinem Bischof die Amtsführung wieder zu ermöglichen?

Ganz ohne Rückhalt in seinem Bistum ist der Bischof von Limburg ja offensichtlich nicht. Doch ob das schon reicht, um das Ruder herumzuwerfen sei einmal dahingestelllt. Es braucht jetzt die, die bislang geschwiegen haben. Keine unkritischen Jubelkatholiken, sondern nüchterne Laien und Priester, die ihrem Bischof auch dann die Treue halten, wenn die nächsten Kampagnen losgehen. Es braucht jetzt die Sachlichen, die kein „Aufräumen nach dem Knall“ herbeireden, sondern konstruktiv überlegen, wie man künftig miteinander arbeiten will. Man sollte überlegen, ob es nicht lohnend wäre, die Reihen jetzt zu schließen.

Es wird nämlich, das ist sicher, mit den Kampagnen weiter gehen. Es ist schon vieles behauptet worden um den Bischof von Limburg zu demontieren: Verschwendung, Protz und Prunk, autoritärer Führungsstil, mangelnde Kommunikationsfähigkeit, Lüge, Meineid u.v.a.m. Es sind oft nur die subtilen Töne zwischen den Zeilen, die erahnen lassen, wie es weiter gehen könnte. Es fehlen noch Vorwürfe sexuellen Fehlverhaltens. Darauf können wir warten, daß auch etwas in der Art noch kommen wird. Es ist die schärfste Waffe, deshalb bewahrt man sie sich vermutlich für den finalen Fangschuß auf. Aber behaupte hinterher niemand, man habe es nicht wissen können. Schon immer waren Geld und Sex die meistgenutzten Instrumente von Intriganten und investigativen Schmuddelfedern. Und wenn man nichts konkretes findet, dann ergeht man sich eben in vagen Andeutungen. Das reicht schon.

Der Papst benennt das so:

Tratsch und Klatsch seien […] eine „verbotene Sprache“ und des Teufels … [Quelle]

Keine Frage also, woher der Wind weht.

Wenn das Medienkarussell den Bischof von Limburg am Ende tatsächlich aus dem Amt schleudern sollte, wenn es also erneut gelingen sollte, einen Bischof „abzusägen“, dann können wir Wetten annehmen, wer als nächster auf diesem Schleudersitz Platz nehmen darf.

Speichere in deinen Favoriten diesen Permalink.

5 Responses to Schon wieder Kirmes in Limburg

  1. In den letzten Tagen sprechen auffallend viele Leute wieder über Bischof Franz-Peter. Und die Medien nehmen es gerne auf.
    Oft denke ich über diese: Ach, hättet Ihr doch geschwiegen.
    Auch beim Gespräch des Bischofs von Mainz mit dem Papst, war es eigentlich überflüssig auch noch Limburg zum Thema zu machen. Eigentlich…

    • Cicero sagt:

      Es naht die Zeit, da der Bericht vorliegen wird und dann schlägt die Stunde der Exegeten.
      Wer rechtzeitig schon mal sein Beet bestellt hat, hofft, dann schneller ernten zu können.

  2. quer sagt:

    „…. autoritärer Führungsstil,…“

    …ist das Schlüsselwort für die „Affäre“. Das bedeutet in der Übersetzung nicht mehr und nicht weniger, als die Treue zu Rom und das Festhalten am Glauben in allen Facetten. Und das ist für viele „Gläubige“ schier unerträglich. Dies gilt darüber hinaus für ca. 90% der „Katholiken“ der deutschen Nationalkirche.

  3. Pingback:Schon wieder Kirmes in Limburg | FreieWelt.net

  4. Daniel75 sagt:

    „… der braungebrannte Mann mit dem Gel im Haar … “ ?? Was ist daran „subtil“ ? Eine professionelle Medienarbeit würde offensiv gegen so etwas vorgehen, anstatt Andeutungen auf Gossenniveau einfach im Raum stehen zu lassen.

  • © Alle Rechte vorbehalten 2005 - 2015