Keine Furcht – 1. Johannesbrief (2)
Donnerstag, 10. Januar 2008, Donnerstag, 10 Januar 2008, 00:39:27 Uhr
Abgelegt unter: katholisches | Tags: , ,

In lockerer Folge möchte ich noch ein paar Gedanken zum 1 Joh veröffentlichen.
Auch in diesem Teil seines Briefes verweist Johannes auf die Liebe als Kern der Christusbotschaft.
Jene Liebe, die die gnostizierenden Irrlehrer ablehnen, da sie wegen ihrer höheren Erkenntnis gerade dieser nicht mehr zu bedürfen glauben.

4. Kapitel
(11) Liebe Brüder, wenn Gott uns so geliebt hat, müssen auch wir einander lieben.
(12) Niemand hat Gott je geschaut; wenn wir einander lieben, bleibt Gott in uns und seine Liebe ist in uns vollendet.
(13) Daran erkennen wir, dass wir in ihm bleiben und er in uns bleibt: Er hat uns von seinem Geist gegeben.
(14) Wir haben gesehen und bezeugen, dass der Vater den Sohn gesandt hat als den Retter der Welt.
(15) Wer bekennt, dass Jesus der Sohn Gottes ist, in dem bleibt Gott und er bleibt in Gott.
(16) Wir haben die Liebe, die Gott zu uns hat, erkannt und gläubig angenommen. Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm.
(17) Darin ist unter uns die Liebe vollendet, dass wir am Tag des Gerichts Zuversicht haben. Denn wie er, so sind auch wir in dieser Welt.
(18) Furcht gibt es in der Liebe nicht, sondern die vollkommene Liebe vertreibt die Furcht. Denn die Furcht rechnet mit Strafe(,) und wer sich fürchtet, dessen Liebe ist nicht vollendet.

Auf folgende Aspekte der Liebe zeigt er:

Gott sehen geht nicht, daher ist das Indiz für die Zugehörigkeit zu Gott gerade die Liebe. Quelle der Liebe ist der Geist Gottes. Der Sohn ist in die Welt gekommen und wer ihn bekennt, bleibt in der Liebe. Die Gemeinde wird aufgefordert in dieser Liebe auszuharren.
Am Ende, im Gericht ist es die Liebe und das aushalten in der Liebe, die Zuversicht auf Rettung schenkt.

In Vers 18 folgt eine provokante These:
Liebe und Furcht schließen einander gegenseitig aus.

Mehr noch, ein Verbleiben in der Liebe vertreibt die Furcht. Aber nur wenn sie vollkommen ist. Heißt das nun, daß ich bei jedem Anfall von Furcht die Liebe verlassen habe? Nein, das ist es nicht. Die Furcht, so führt Johannes aus, rechnet mit Strafe, dagegen verleiht die Liebe Zuversicht. Tritt die Furcht auf, ist die Liebe nicht vollendet.
Offensichtlich arbeiten die Irrlehrer mit einer diffusen und Angst machenden Botschaft, die jeden, dem die höhere Erkenntnis fehlt vom Heil ausschließt.
Wieder und wieder und wieder setzt Johannes die Liebe dagegen.

Natürlich schreibt Johannes an eine konkrete Gemeinde in einer konkreten Situation. Irrlehrer treten auf und stiften Verwirrung. Dagegen setzt der Verfasser des Briefes die unverfälschte Botschaft von der Liebe.
Wäre jedoch dieser Brief für die junge Kirche nicht von überzeitlicher und überregionaler Bedeutung gewesen, so wäre er wohl kaum in der Bibel gelandet. Eine weite Verbreitung und allgemeine Anerkennung galt der jungen Kirche als Zeichen, daß eine Schrift vom Heiligen Geist inspiriert ist. Ist sie dies, wird sie als eine solche anerkannt, so hat sie auch für uns und für unsere Zeit Bedeutung und Gültigkeit. Die ursprüngliche Aussageabsicht und die konkrete Gelegenheit zu der die Schrift entstanden ist, ist immer mitzulesen.

Zum Vers 18 läßt sich auch vor dem Hintergrund der primären Aussageabsicht eine Deutung für unsere Zeit herleiten.
Furcht und Angst sind weit verbreitet. Dabei gibt uns doch die Technik, die Forschung und die Naturwissenschaft den Eindruck das Heil ohne Christus erreichen zu können. Die Liebe in allen Formen, die von Gott kommt und die uns Jesus Christus verkündet hat erscheint lästig auf dem Weg zum Fortschritt (= zunehmendes Heil). Doch je weiter die Technik fortschreitet, je mehr wir unsere Welt zu beherrschen glauben, um so größer wird die Furcht vor dem noch unbekannten.
Bis hierher hinkt der Vergleich. Doch die moderne Welt generiert tatsächlich eine Art Gnosis, die Jesus Christus überflüssig zu machen scheint.

Das Heilmittel ein immer tieferes Einlassen auf die Liebe.

Ich stelle Furcht bei mir fest?
Dann habe ich mich noch nicht genug auf die Liebe eingelassen.
Schlimm?
Nein!

Nur nicht in der Furcht verharren.
Weiter nach der Liebe suchen, sich auf sie wieder und wieder und immer tiefer einlassen.
In Gott zu bleiben, heißt in der Liebe zu bleiben und darin liegt die Vollendung, die von der Furcht befreit.

Ich stelle Furcht bei mir fest?
Nicht darin verharren.
Neu auf Gott hin ausrichten.
Gott ist die Liebe.
Mich ihm zuzuwenden, führt mich in die Liebe.
Die Liebe führt mich zum Heil.



1. Johannesbrief
Dienstag, 8. Januar 2008, Dienstag, 8 Januar 2008, 01:09:52 Uhr
Abgelegt unter: katholisches | Tags: , ,

Im Studium habe ich ihn kennen und lieben gelernt.
Als Thema eines Seminars und einer Hausarbeit habe ich ihn mehrfach gelesen.
Viel Literatur dazu gewälzt und lange darüber nachgedacht.
Derzeit wird er in der Werktagsliturgie gelesen. Grund genug für mich ihn mir auch einmal wieder zu Gemüte zu führen.
Wenn ich mal groß bin und viel Zeit habe, schreibe ich vielleicht mal ein dickes Buch über dieses Kleinod aus der Hl. Schrift.

Zur Einleitung hier nur so viel. Der Verfasser, ich nenne ihn mal mit der Tradition Johannes, obwohl es wohl eher ein Schüler des Johannes war, der ihn geschrieben hat, schreibt an eine johanneische Gemeinde. Grund des Briefes wird das Auftreten von gnostischen oder zumindest gnostizierenden Irrlehrern gewesen sein. Interessant ist, daß sich die Irrlehre recht gut aus dem Brief ableiten läßt. Doch das zu tun, verlangte eine intensive Auseinandersetzung mit dem griechischen Originaltext, mit der ich meine Leser hier nicht langweilen will. Ja, in der Tat, die reine Textarbeit ist ziemlich langweilig, so langweilig, wie die Ergebnisse dagegen sehr spannend sein können.

Ziemlich an den Anfang stellt Johannes eine erste Auseinandersetzung mit der Sünde.
Jeder sündigt, wirklich jeder.
Wer behauptet nicht zu sündigen, wird als irrender, ja geradezu als Lügner dargestellt.

1. Kapitel (Auszug)
(8) Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, führen wir uns selbst in die Irre und die Wahrheit ist nicht in uns. (9) Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht; er vergibt uns die Sünden und reinigt uns von allem Unrecht. (10) Wenn wir sagen, dass wir nicht gesündigt haben, machen wir ihn zum Lügner und sein Wort ist nicht in uns.

Doch in der Sünde selbst sieht Johannes nicht den Irrtum und nicht die Lüge. Wer bekennt ist gerecht. Gerecht nicht aus sich selbst, das geht nicht. Wer bekennt, ist gerecht aus der Heilszusage Christi heraus. Christus vergibt die Sünde und reinigt von allem Unheil, formuliert Johannes.

Dieser Auftakt ist so wichtig, weil es sich bei den Irrlehrern offensichtlich um Leute handelt, die Sündenfreiheit von sich behaupten. (Vermutlich aufgrund ihres vermeintlichen Erkenntnisgrades – Gnosis) Hier schreitet Johannes gleich zu Anfang seines Briefes heftig ein. Er verteidigt geradezu die Sünde, vielmehr die Tatsache, daß Kinder des Vaters trotzdem und grundsätzlich alle auch Sünder sind.

Fast möchte man meinen angesichts leerer Beichtstühle von einem Déjà Vu reden. Nichts neues unter der Sonne, macht man mir doch nicht selten weiß, man tue ja gar nichts, was man Beichten müsse. Sollten alle die, die dies sagen, auf die Nachfahren der gnostisierenden Irrleher aus jener antiken johanneischen Gemeinde reingefallen sein?
In der Tat ist dies ein Gedanke zur Verheutigung dieser Perikope aus der Hl. Schrift.

Es zeichnet sich bei der weiteren Lektüre des 1 Joh deutlich ab, daß es sich um eine Lehre gehandelt haben muß, deren Anhänger sich als rein bezeichneten und dabei zu argen Sündern wurden, sich der Caritas ebenso versagten wie der Wahrheit, daß Jesus der Christus ist. Mehr noch Johannes geißelt diese geradezu als vom Teufel. Im 3. Kapitel geht er darauf ein und bezeichnet diese Haltung, sich eben nicht von Christus erlöst zu wissen, sondern von der eigenen Erkenntnis (der Gnosis) als Lüge, als eine Sünde, wie sie eben nur vom Vater der Sünde sein kann. Mit harten, beinahe grausam erscheinenden Worten brandmarkt Johannes die Lehre und die, die sie vertreten, weil sie sich so von der Liebe entfernt haben und offensichtlich Verwirrung und Verzweifelung ausgelöst haben.

Bei der Aufteilung der Perikopen auf die Tage sehe ich hier leider eine Schwäche, weil der die Aussagen in Kapitel 3 Verse 7- 10

(7) Meine Kinder, lasst euch von niemand in die Irre führen! Wer die Gerechtigkeit tut, ist gerecht, wie Er gerecht ist. (8) Wer die Sünde tut, stammt vom Teufel; denn der Teufel sündigt von Anfang an. Der Sohn Gottes aber ist erschienen, um die Werke des Teufels zu zerstören. (9) Jeder, der von Gott stammt, tut keine Sünde, weil Gottes Same in ihm bleibt. Er kann nicht sündigen, weil er von Gott stammt. (10) Daran kann man die Kinder Gottes und die Kinder des Teufels erkennen: Jeder, der die Gerechtigkeit nicht tut und seinen Bruder nicht liebt, ist nicht aus Gott.

so sehr isoliert stehen und gewaltig mißverstanden werden können. Jedoch korrelieren sie eben ganz eindeutig mit der Einleitung zur Sünde in Kapitel 1. Wie immer sollte man einen Brief ganz lesen, weil aus dem Kontext gerissene Aussagen gerade oft nicht für sich sprechen.

So macht Johannes hier sehr deutlich, das gerade jene, die sich selber als sündenlos betrachten, vom Teufel sind und die Werke des Teufels tun.

Nicht aber die, die sündigen, weil sie nun einmal schwache Menschen sind und deshalb ihre ganze Hoffnung auf Jesus, den Christus setzen.
Diese sind geliebte Söhne und Töchter Gottes.



Eleasar und die Li(e)beralen
Freitag, 23. November 2007, Freitag, 23 November 2007, 23:18:59 Uhr
Abgelegt unter: Politik, katholisches | Tags: ,

Kann man mit der Bibel Politik machen?

Ja, man kann.

Nicht Tagespolitik und bei den Haushaltsberatungen sind Bibelzitate auch eher mit Augenzwinkern an der rechten Stelle. Gott entbindet den Menschen nicht von seiner Verantwortung in Freiheit nach bestem Wissen und Gewissen zu entscheiden. Doch auch in der Politik, der in kleinen wie der großen Politik kommen diese Momente immer wieder:

Aus der Lesung vom Dienstag dieser Woche:

Die Leute, die bei dem gesetzwidrigen Opfermahl Dienst taten
und die den Mann von früher her kannten, nahmen ihn heimlich beiseite und
redeten ihm zu, er solle sich doch Fleisch holen lassen, das er essen dürfe,
und es selbst zubereiten. Dann solle er tun, als ob er von dem Opferfleisch
esse, wie es der König befohlen habe.
Wenn er es so mache, entgehe er dem Tod; weil sie alte Freunde seien,
würden sie ihn mit Nachsicht behandeln.2 Makk 6,21f

Die gesamte Perikope, die gelesen wurde war: 2 Makk 6,18-31.

Es ist die Versuchung, die auch in unsere Zeit so gegenwärtig ist:

Also, mein Freund, paß mal auf, ich verstehe Dich ja, als Christ kannst Du ja nur so oder so denken. Soweit so gut aber die Sachzwänge und man muß ja das Große Ganze sehen. Also laß uns doch mal verhandeln, ob wir das nicht so machen können, daß wir zum Ziel kommen und trotzdem Dein Gesicht wahren können.
Wir schließen einen Kompromiß …

So weit, so gut.

In der Tat lebt demokratische Politik von Kompromissen.
Doch es gibt Bereiche, in denen es keine Kompromisse geben darf.
Gebe der Herr den Politikern die Kraft, das Götzenopferfleisch nicht zu essen und auch nicht nur so zu tun als ob.

Aber die eingeflüsterten Angebote sind allgegenwärtig.



Ungleichheit
Mittwoch, 14. November 2007, Mittwoch, 14 November 2007, 21:48:25 Uhr
Abgelegt unter: Politik, katholisches | Tags: , ,

Etwas sprachlos hörte ich heute in der Hl. Messe die folgenden Worte:

Der Geringe erfährt Nachsicht und Erbarmen,
doch die Mächtigen werden gerichtet mit Macht.
Denn der Herrscher des Alls scheut niemand
und weicht vor keiner Größe zurück.
Er hat klein und groß erschaffen und trägt gleiche Sorge für alle;
den Mächtigen aber droht strenge Untersuchung.
An euch also, ihr Herrscher, richten sich meine Worte,
damit ihr Weisheit lernt und nicht sündigt.
Weish 6,6-8

Auch heute noch eine klare Ansage, an alle, die in irgendeiner Form Macht ausüben.
Auch eine demokratische Legitimation rechtfertigt nicht alles, was mehrheitsfähig ist.

Puh …