Ungleichheit
Etwas sprachlos hörte ich heute in der Hl. Messe die folgenden Worte:
Der Geringe erfährt Nachsicht und Erbarmen,
doch die Mächtigen werden gerichtet mit Macht.
Denn der Herrscher des Alls scheut niemand
und weicht vor keiner Größe zurück.
Er hat klein und groß erschaffen und trägt gleiche Sorge für alle;
den Mächtigen aber droht strenge Untersuchung.
An euch also, ihr Herrscher, richten sich meine Worte,
damit ihr Weisheit lernt und nicht sündigt.
Weish 6,6-8
Auch heute noch eine klare Ansage, an alle, die in irgendeiner Form Macht ausüben.
Auch eine demokratische Legitimation rechtfertigt nicht alles, was mehrheitsfähig ist.
Puh …
Gut auch ohne Gott?
Ein Artikel des Tagesspiegels wirft altbekannte und althalbwahre Thesen auf. Ein paar schlaglichtartige Gedanken von mir.
Jede Religion versucht, die Welt zu erklären
… führt er aus und hängt ein Zitat aus der Genesis an. („Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht“) um dies als einen Beweis für den Irrtum der Religion anzuführen. Wäre es nicht so albern, könnte man sich darüber aufregen. So blieb es bei einem Schmunzeln. In der Tat erklärt die Religion die Welt. Jeder Theologiestudent im lernt im ersten Semester was eine Aitiologie ist und welche Funktion sie hat. Sicher hat sie nicht die Bedeutung, einen Lückenbüßer-Gott zu produzieren, der mit jeder wissenschaftlichen These ein Stückchen an Bedeutung verliert. Gerade die Schöpfungsgeschichte, dieses literarische Meisterwerk, hat nie einen naturwissenschaftlichen Anspruch vertreten.
Vielmehr ist die bleibende Aussage über alle Relativitäts-, Urknall-, und Weltformeltheorien hinweg die eine, immer gültige: Gott hat die Welt erschaffen.
Das sie dabei auf eine allzeit gültige Bildsprache zurückgreift, gereicht ihr und ihrer überzeitlichen Gültigkeit sicher nicht zum Nachteil.
Natürlich kann man auch versuchen, sich die Entstehung und Existenz der Welt ohne Gott zu erklären, doch welchen Sinn sollte das haben?
…die Religionen erklären uns schließlich nicht nur die Welt, sie vermitteln uns auch ethische Werte …
Das tut das Christentum in der Tat.
Anders als bei jeder vorchristliche Ethik und jedem Versuch einer postchristliche Moral steht in der Christlichen Moraltheologie dieser wunderbare Satz im Mittelpunkt:
Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz samt den Propheten. Mt 22,37 – 40
An diesem Gebot hängt die gesamte Moraltheologie. Um das Doppelgebot der Liebe kreist alles.
Aufgeklärte, atheistische Menschen können genauso moralisch sein wie religiöse.
In diesem Punkt muß ich zustimmen. In der Tat, sind Atheisten moralisch. Abschreckend moralisch, geradezu, weil es keine Vergebung der Sünden gibt. Gegen geltende Regeln zu verstoßen, ist unverzeiglich.
Auf unmoralisches Verhalten folgt Ächtung.
Wer sollte auch eine Verfehlung vergeben.
Aber auch diese Frage ist spannend:
Welche Instanz legt die Richtlinien fest? Welche Regeln sollen gelten?
Humanisten gehen in ethischen Fragen nicht von einem höheren Wesen aus, sondern vom konkreten, selbstbestimmten Menschen.
Aha, wir ermitteln die Moral im Diskurs und passen sie neuen Gegenheiten an.
Damit sind alle Regeln im Prinzip der Beliebigkeit preisgegeben. Die lauteste Gruppe setzt sich durch.
In der Regel kommt dabei ein Minimalkonsens heraus.
In der Tat beobachten wir gerade genau das.
Mir graut davor.
Lieber “unterwerfe” ich mich einer Moral, deren Grundsatz die Liebe ist und die mir bei Verfehlung, weil ich nunmal schwach bin, Vergebung anbietet. Und zwar die Vergebung dessen selbst, gegen dessen Gebot ist mich vergangen habe.
Bleibt noch die Frage, ob der Staat die Kirche wirklich so stark subventioniert, wie in dem Artikel behauptet?
Dieses Ammenmärchen nehme ich mal bei anderer Gelgenheit vor.
Wenn dem so wäre, bräuchte die Kirche dies für ihre Existenz?
Sicher nicht.
Kirche ist nicht eine Organisation, die, wie viele (leider selbst Christen) glauben, den Auftrag hat, die Gesellschaft zu prägen. Wenn sie es kann um so besser für die Menschen. Der Auftrag der Kirche ist es, die Heilsbotschaft Christi zu verkünden, die Sakramente zu spenden, die Menschen zu Gott zu führen. Sitze in Rundfunkräten braucht man dazu nicht unbedingt und auch die Anbindung der Theologie an die staatlichen Hochschulen ist dazu nicht zwingend notwendig.
Ein letzter Lacher noch:
Es geht nicht darum, den Glauben zu unterdrücken.
Über eines mache ich mir gar keine Illusionen, die ach so menschenfreundliche Atheisten werden nicht eine Sekunde zögern, uns die Ausübung unsere Glaubens so schwer zu machen, wie sie es nur können.
So weit nicht anders angegeben, sind alle Zitate aus o.g. Artikel.