Darf ich …
Sonntag, 6. Januar 2008, Sonntag, 6 Januar 2008, 13:21:21 Uhr
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… den Kleinen mal halten?

Wer mich kennt, weiß es in der Regel, dass ich an keinem Kinderwagen vorbeigehen kann, ohne eine Blick zu riskieren. Ein Baby außerhalb seines Bettchens landet früher oder später auf meinem Arm. Ich kann nicht anders und die Kleinen fühlen sich bei mir wohl. Jedenfalls werden selbst quengelige Säuglinge bei mir ruhig. Meine langen Arme, die kuschelige Wärme und eine brummende Stimme, die den Brustkorb so wohlig vibrieren lässt, wirken offensichtlich beruhigend. Ich erzähle ihnen ja auch immer etwas und sie hören mir zu. Keine Frage, selbst die Kleinsten verstehen jedes Wort. Windeln wechseln, Fläschchen geben und ein Bäuerchen machen sind für mich nicht wirklich ein Problem. Kurz gesagt, die ganz Kleinen und ich … das klappt. Und ganz ehrlich, mit einem Baby auf dem Arm fühle ich mich sehr wohl.

In diesem Jahr kam mir beim Hören der Weihnachtsgeschichte der Gedanke, dass ich, wäre ich einer der Hirten gewesen, Maria garantiert gefragt hätte, ob ich den Kleinen mal halten darf. Ich kann einfach nicht anders. „Hilfe!“, sagte eine Freundin, „ich ja Angst meine Gott fallen zu lassen.“ Ach was, ich habe noch nie ein Kind fallen lassen, da würde ich bei unserem Herrn nicht damit anfangen.
Aber natürlich geht das ja gar nicht.

Nein? Wirklich nicht?

In den Weihnachtstagen ergab sich eine Gelegenheit eine längere Zeit der Stille in einer Kirche zu haben. So beschloß ich die Weihnachtsgeschichte, genauer gesagt die Anbetung durch die Hirten einmal zu betrachten. Der Hl. Ignatius empfiehlt dazu „bunte Bilder“ zu sehen, ja gerade zu in die Szene hineinzutreten. So schloß ich die Augen, zog mir die Kleidung eines Hirten an und mischte mich unter die Hirten, die auf dem Weg zur Krippe waren. Die Botschaft des Engels hatte für gewaltige Unruhe gesorgt. Es war ein murmeln und brummeln um mich herum. Da kam die Gruppe an den Stall, trat ein und stand vor der Krippe. Die Krippe! Da liegt doch wirklich ein Säugling drin und pennt. Eine junge Frau und ein Mann stehen daneben, erschrocken, wer da jetzt kommt. Einer der Hirten erzählt von dem Engel und seiner Botschaft. Mit seinen einfachen Worten versucht er der Mutter des Kindes die unmögliche Botschaft zu erklären. Maria nickt, … „Ja, ich weiß … „ und lächelt. Sie lächelt die Hirten an, dann ihren Mann, der nickt. Mit einer Geste lädt sie uns ein näher zu treten und das Kind anzusehen. Einer zieht seinen Hut, die anderen folgen. Sie fallen vor der Krippe auf die Knie, das Murmeln wird leiser: „Das soll unser Gott sein? Gottes Sohn?“

Es wird still, eine eigenartig vertaute Atmosphäre. Leise Gespräche. Josef unterhält sich am Rande mit einem der älteren Hirten. Es fallen Worte wie Herodes, Gefahr und Bedrohung. Politik, auch hier, denke ich. Nein, das ist konkret, fällt es mir ein. Da hat sich schon was rumgesprochen? Irgendwann gehe ich ein Stück näher. Maria hält den Kleinen, der nun wach ist. Ich schaue sie an, schlucke, fasse mir ein Herz. „Darf ich den Kleinen mal halten?“ Knallrot werde ich. Maria, die Hohe Frau, die Heilige überhaupt … und ich stelle so eine Frage. Sie neigt den Kopf, lächelt und hält mir das Kind hin. Ich greife zu. So wie man ein Kind eben hält, stütze den Kopf, ernte dafür einen anerkennenden Blick. Vertrauensvoll senkt sie die Hände und bleibt neben mir stehen. Mit dem Kind auf dem Arm setze ich mich hin. Auf den Fußboden, im Schneidersitz und … und halte Jesus im Arm. Ein ganz normales Baby. Ganz normal? Nein, ich glaube jeder hier im Stall weiß, dass dieser kein ganz normales Kind ist. Mit dem Fingerrücken streiche ich über die Wange. Das löst bei manchen Kindern ein Lächeln aus. Das Kind lächelt mich scheinbar an. Ich muß auch lächeln, schaue auf sehe Maria, die glücklich lächelt. Ganz die stolze Mutter ist sie jetzt. Josef stellt sich hinter sie, legt seine kräftigen Hände zart auf ihre Schultern. In seinen lächelnden Augen schimmert im Hintergrund ein wenig Sorge. Ahnt er schon die Gefahr, weiß er schon um die bevorstehende Flucht? Fest schaut er mich an. Mein Blick geht zurück auf das Kind. „Mein Herr und mein Gott“, flüstere ich. Dann nähere ich mich mit meinem Gesicht dem Gesicht des Kindes und seine winzige Hand berührt mein Gesicht, erfasst meine Nase und (Greifreflex) packt zu. Maria lacht. Einige der Hirten lachen mit. Es muß zu komisch aussehen. Aber meinem Gesichtserker konnte die kleine Hand wohl nicht widerstehen. Ein richtiger kleiner Mensch, denke ich. Ja, unser Gott ist Mensch geworden, wirklich Mensch. Unsichtbar angefangen mit der Verkündigung, sichtbar geworden mit der Geburt. Der unberührbare, unfassbare hat sich berührbar, anfaßbar gemacht. Ich rede mit dem kleinen, erzähle ihm etwas, egal was, die ruhige gleichmäßige Stimme ist entscheidend. Er wird sichtlich müde.
Schweren Herzens reiche ich Maria den Kleinen zurück, streiche noch mal über seine Wange und schaue zu, wie sie ihn in die Krippe legt. Liebevoll deckt sie ihn zu. Ein Laut ist noch zu hören, dann ist das Kind eingeschlafen.
Auch wenn ich noch Stunden bleiben könnte, es wird Zeit aufzubrechen. Die Hirten müssen zu ihren Herden zurück.

Als ich die Augen wieder öffne, schaue ich auf den barocken Hochaltar der Kirche. Unterhalb der großen Himmelfahrtsdarstellung steht das Kreuz, darunter der Tabernakel. Der Ort wo der, der das Kind in Bethlehem ist, gegenwärtig ist.
Ich setze mich hin, weil meine Knie jetzt nicht mehr knieen wollen.
Sollte es wahr sein?
Ich habe den großen Gott auf meinem Arm gehalten?
Hat er, der Unendliche, sich wirklich so klein gemacht?
Der Blick auf dem Tabernakel gibt die Antwort.
Noch kleiner! Heute, für uns, ist er wahrhaft gegenwärtig in einem kleinen Stück Brot.
Jetzt verstehe ich Marias Lächeln auf meine Frage, ob ich den Kleinen mal halten dürfe. Beinahe täglich halte ich den Kleinen und richte in meiner Blindheit den Blick nur ehrfürchtig auf den großen Gott, wenn ich die Hl. Kommunion empfange.

Ein wichtiger Aspekt, den Blick auf den großen Gott zu richten.
Aber halt!
Das allein ist es nicht!
Es ist das Sakrament, das Zeichen des Heils, das mich stärken soll, welches er, der Kleine aus dem Stall in Bethlehem seiner Kirche in der Nacht vor seinem Tod geschenkt hat.
Es soll mich befähigen, in meinem Alltag „Den Kleinen mal zu halten.“

Gott ist Mensch geworden, er hat sich berührbar gemacht und er will berührt werden.
Er zeigt als kleiner Mensch in der Krippe auf die Menschen, die mir heute begegnen.
Die „Hirten“ und „Könige“, mit denen ich heute zur Krippe gehe, das sind die Mitmenschen in meinem Alltag.
Habe ich in der Betrachtung nicht tatsächlich das eine oder andere bekannte Gesicht unter den Hirten gesehen?
Das Kind, das ich in der Betrachtung auf meinem Arm hielt, das ist Christus.
Ihm durfte ich in der Betrachtung so begegnen, wie es in Bethlehem geschehen ist.

Im Alltag begegnet mir dieser Christus in den Menschen, die diesen Alltag mit mir teilen.



Vertrauen haben
Samstag, 3. November 2007, Samstag, 3 November 2007, 10:42:08 Uhr
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Nichts fällt mir so schwer, wie “Vertrauen haben”.

Auch Vertrauen zu Gott zu haben, fällt mir nicht immer leicht.

Doch Jesus begann mit ihnen zu reden und sagte:
Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht!
Darauf erwiderte ihm Petrus:
Herr, wenn du es bist, so befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme.
Jesus sagte: Komm!
Da stieg Petrus aus dem Boot und ging über das Wasser auf Jesus zu.
Als er aber sah, wie heftig der Wind war,
bekam er Angst und begann unterzugehen.
Er schrie: Herr, rette mich!
Jesus streckte sofort die Hand aus,
ergriff ihn und sagte zu ihm:
Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?
Und als sie ins Boot gestiegen waren, legte sich der Wind.
Die Jünger im Boot aber fielen vor Jesus nieder und sagten:
Wahrhaftig, du bist Gottes Sohn.
Mt14,27-33

Es geht mir wie Petrus in dieser Perikope.
Den Mut aus dem Boot zu klettern habe ich gelegentlich schon,
aber nur weil ich schwimmen kann.

Was mache ich nur,
wenn der Herr jetzt wirklich von mir verlangt,
“auf dem Wasser zu laufen”?

Werde ich losmarschieren?



Petrus und Paulus
Freitag, 29. Juni 2007, Freitag, 29 Juni 2007, 13:14:46 Uhr
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Das vergessene Hochfest nannte es unser Vikar gestern in der Vorabendmesse.
In der Tat, wer weiß schon, daß heute ein Hochfest ist. Ein Sonntag außer der Reihe sozusagen. Das Fest, an dem wir der beiden so unterschiedlichen Apostel gedenken, die die Frühe Kirche entscheidend geprägt haben.

Petrus der Fels, der vom Herrn selber den Auftrag bekommen hatte, die junge Kirche zu leiten. Ob er, der doch immer zwischen überschäumendem Mut und ängstlicher Verzweiflung hin und her gerissen war, davon so begeistert war? Keine Ahnung. Er hat es gemacht. Im Vertrauen auf den Herrn, gestärkt vom Hl. Geist konnte er dann auch das:

Petrus und Johannes gingen um die neunte Stunde zum Gebet in den Tempel hinauf. Da wurde ein Mann herbeigetragen, der von Geburt an gelähmt war. Man setzte ihn täglich an das Tor des Tempels, das man die Schöne Pforte nennt; dort sollte er bei denen, die in den Tempel gingen, um Almosen betteln. Als er nun Petrus und Johannes in den Tempel gehen sah, bat er sie um ein Almosen. Petrus und Johannes blickten ihn an und Petrus sagte: Sieh uns an! Da wandte er sich ihnen zu und erwartete, etwas von ihnen zu bekommen. Petrus aber sagte: Silber und Gold besitze ich nicht. Doch was ich habe, das gebe ich dir: Im Namen Jesu Christi, des Nazoräers, geh umher! Und er fasste ihn an der rechten Hand und richtete ihn auf. Sogleich kam Kraft in seine Füße und Gelenke; er sprang auf, konnte stehen und ging umher. Dann ging er mit ihnen in den Tempel, lief und sprang umher und lobte Gott. Alle Leute sahen ihn umhergehen und Gott loben. Sie erkannten ihn als den, der gewöhnlich an der Schönen Pforte des Tempels saß und bettelte. Und sie waren voll Verwunderung und Staunen über das, was mit ihm geschehen war. Apg 3,1-10

Und Paulus, der Völkerapostel, ohne den wir in Europa keine Christen geworden wären. Paulus, der Gebildete, der Intellektuelle, manchmal finde ich Paulus einfach zu krass, zu radikal. Doch Paulus ist immer für eine klare Ansage gut. Er wankt nicht, er zaudert nicht und er legt sich auch mit Petrus an. Und seien sie noch so verschieden, sie gehören zusammen.

Allen Petras, Paulas, Peters und Pauls alles Gute zum Namenstag. (Für unsereinen ist es kein vergessenes Hochfest.)



Das war meine “Einstiegsdroge”
Dienstag, 17. April 2007, Dienstag, 17 April 2007, 20:19:14 Uhr
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Über die erste Begegnung mit Madeleine Delbrêl

Titelbild Madeleine Delbrêl
Die Liebe ist unteilbar.

Johannes Verlag Einsiedeln 2002.

Nicht selten begegnet mir so etwas völlig unvermittelt. Nach einem Tag Gartenarbeit saß ich am frühen abend in der Gästebibliothek meines Lieblingsklosters. Das muß 1988 oder 1989 gewesen sein. Um noch ein wenig zu entspannen, suchte ich eine Lektüre, mit der ich mir die Zeit bis zur Komplet (Nachtgebet) vertreiben konnte. So stolperte ich über dieses blaue Büchlein. Anfangen zu lesen und drei Stunden später feststellen, daß ich für die Komplet jetzt zwei Stunden zu spät bin, war nur ein Augenblick. Das Buch hatte ich durch und und für mich klar, daß diese Frau mich nie wieder loslassen würde.

Es sind diese zwei Dinge, die mich damals gefangen nahmen und mich bis heute nicht wieder loslassen. Ihre Klarheit darüber, daß die Unmittelbarkeit, mit der wir vor Gott stehen, der Unmittelbarkeit ähnlich ist, in der wir vor den Menschen stehen.

Der Grund ist evident: Gott ist Mensch geworden.

Sich von den Menschen abzuwenden heißt, sich von Gott abzuwenden. Sich von Gott abzuwenden heißt aber nicht, daß man deshalb den Menschen zugewandt ist. Ganz im Gegenteil, wie Madeleine damals in der Begegnung mit den Kommunisten so schmerzlich erfährt. Madeleine lebt, das lerne ich mehr und mehr geradzu mustergültig das, was wir den Weltdienst der Laien nennen. Man nennt sie auch Mystikerin der Straße. Keine Ahnung, ob man das darf, jedoch lehrt sie, eine Straße so zu gehen, als begegne man an der nächsten Wegkreuzung dem Herrn. Den Alltagskram, mit dem ich mich so schwer tue, so sagt sie, gerade den soll ich so erledigen, als hänge davon das Heil der Welt ab. Krass, nicht wahr?
Unter einem Mystiker stellen wir uns eher jemanden vor, der sich der Welt ganz entzieht. Madeleine geht aber gerade in diese Welt ganz hinein. Sie geht dieselbe Straße, spricht dieselbe Sprache (wenn ich in den Himmel komme muß ich unbedingt französsich lernen), ißt dasselbe Essen und macht dieselben Erfahrungen, wie die Menschen in ihrer Stadt, einer Arbeiterstadt in den Nähe von Paris. Doch ihre Deutung ist eine andere, sie ist hellwach, was ja geradezu das Wesen der Mystik ist, für die Sorgen ihrer Nachbarn. Sie ist so hellwach, weil sie auf den Herrn schaut, der sich sichtbar macht in den Menschen auf der Straße und in den Häusern.

Lebensverhältnisse, wie sie Madeleine bei den Arbeiter in Ivry vorgefunden hat, gibt es in Deutschland so kaum. Ich glaube ich tue mich sehr schwer damit, mir vorzustellen, was sie dort vorgefunden hat. Menschen, die an sechs Tagen in der Woche arbeiten, einen geringen Lohn bekommen und für die Krankheit eine wirtschaftliche Katastrophe bedeutet. Andererseits ist Ivry die erste Stadt in Frankreich, die komplett in der Händen der Kommunisten ist. Auch das ist für uns eigentlich, so dachte ich jedenfalls, kein Thema mehr. Mit Hartz IV und der Tatsache, daß wir in Deutschland “neues” Elend bekommen, sehe ich auf uns Christen in unserem Land eine bedeutende Aufgabe zuwachsen. Auch die Tatsache, daß wir spätestens seit der vorletzten Bundestagswahl eine strukturelle linke Mehrheit in unserem Land haben, von denen die Kommunisten ein Potential von knapp 20% besetzen, stellt für mich eine Herausforderung dar.

Ähnlich wie in Ivry sind bei uns die Gemeinden besonders in ländlichen und kleinstädtischen Regionen sehr bürgerlich strukturiert. Sie sind keine Ansprechpartner für Menschen in sozialen und moralischen Notlagen. Darüberhinaus sind sie häufig so sehr mit sich selbst, den vielen Traditionsabbrüchen und ihrem Strukturwandel beschäftigt, daß sie zuweilen weder auf den Herrn noch auf die Menschen auf den Straßen ihrer Stadt schauen. Die Caritas ist kommerziell geworden, die Caritaskonferenzen (ehrenamtliche Caritas) sind überaltert. Viele, darunter nicht wenige Priester sind resigniert, was sich je nach naturell in Lethargie oder Hyperaktivität äußert. Doch einige suchen und finden im Blick auf den Herrn ihr priesterliches Profil.

Ähnliches gilt für uns Laien. Die katholischen Verbände funktionieren nicht mehr flächendeckend. Sie haben zuweilen auch ihr Profil verloren. Keinesfalls besteht Kolping nur noch aus Handwerkern und die KAB nur noch aus Arbeitern. Kürzlich habe ich bei einer KAB einen Vortrag gehalten. Im Gespräch mit dem Vorsitzenden stellte sich heraus, daß er Unternehmer ist. Die neuen geistlichen Gemeinschaften wirken für viele zu abgehoben, da gibt es nicht unerhebliche Berührungsängste. Dazu kommen Schwund an Mitgliedern und allgemeine Bindungsängste. Wer heute im Alter von dreißig oder vierzig Jahren einem (katholischen) Verband beitritt hat gute Chancen ein Jahr später nicht nur immer noch das jüngste Mitglied sondern auch Vorsitzender zu sein. Das ist nicht unbedingt motivierend.

Es kommt in unserer Zeit darauf an, einen Weg zu finden, als Christ den Alltag zu leben. Dabei ist mir Madeleine behilflich. Ich bin weder Sozialarbeiter noch ein Held der Pastoral oder ein Superkatholik. Es gibt in meinem Leben diese vielen kleinen ärgerlichen grauen Alltagsarbeiten, gerade das, von dem Madeleine sagt:

Wir anderen, wir Leute von der Straße, glauben aus aller Kraft, daß diese Straße, daß diese Welt, auf die uns Gott gesetzt hat, für uns der Ort unserer Heiligkeit ist.
Wir glauben, daß uns hier nichts Nötiges fehlt, denn wenn das Nötige fehlte, hätte Gott es uns schon gegeben.

Es gilt keine Ausrede…..



Herzlichen Glückwunsch Heiliger Vater
Montag, 16. April 2007, Montag, 16 April 2007, 00:25:11 Uhr
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Heute am 16. April 2007 feiert unser Heiliger Vater seinen 80. Geburtstag.

Wenn ein Papst Geburtstag feiert ist das ungewöhnlich, denn für Katholiken hat der Namenstag eine viel größere Bedeutung.
Im höheren Alter gewinnt dann der Geburtstag wohl doch zunehmende Bedeutung.

Ungewöhnlich sind auch einige Geburtstagsgeschenke.

Eines der schönsten Geschenke hat dem Musikliebhaber Papst Benedikt XVI. ein Ausnahmemusiker gemacht.

Wolfgang Seifen hat eine Missa solemnis “Tu es Petrus” komponiert. Am gestrigen Sonntag war die Uraufführung in Berlin. Leider war ich zu der Zeit selber in der Hl. Messe, so daß ich die Liveübertragung am Radio nicht verfolgen konnte.
Sie soll gelungen sein, wie man hört.

Ein sehr schönes Geschenk hat der Papst zum Geburtstag den Gläubigen gemacht.
Er hat, keine Ahnung wie er das geschafft hat, ein Buch über Jesus geschrieben.

Benedikt XVI. / Joseph Ratzinger
Jesus von Nazareth

Ich wünsche unserem Heiligen Vater alles Gute und Gottes Segen zum Geburtstag.



Geh nur
Samstag, 10. Februar 2007, Samstag, 10 Februar 2007, 22:38:25 Uhr
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Welche Kraft des Glaubens, ist man(n) geneigt auszurufen, angesichts der Erzählung die uns Gregor der Große berichtet.
Die “Schwestern” (War es bei Benedikt die leibliche, so war es bei Franziskus die geistliche) zeigen ihren Brüdern in geistlicher Weise was eine Harke ist.

Benedikt will seine Pflicht tun und pünktlich wieder im Kloster sein. Scholastika weiß es besser. Gregor liefert die Begründung gleich mit: Weil sie mehr liebte.

Dieser Satz ist es, der mich heute den ganzen Tag umgetrieben hat. Sie vermochte mehr, nicht weil sie besser studiert hatte, nicht weil sie den besseren Ruf hatte, nicht weil sie mehr Geld hatte, nicht weil sie …

Nö, einfach weil sie mehr liebte.

So gelingt es ihr den pflichtbewußten Bruder (unterstützt durch ein heftiges Unwetter) bei sich zu halten und das Gespräch in den morgen hinein auszudehnen. Sie wird gelächelt haben bei den Worten: egredi si potes, weil lächeln der Liebe Gesicht gibt.

Diese wunderbare Erzählung des heiligen Gregor(zweites Buch der Dialoge), die in ihrer Gesamtheit durchaus lesenswert ist, weiß weiter zu berichten , daß dies das letzte Treffen der Geschwister war. Bei Scholastikas Tod sah Benedikt ihre Seele in Gestalt einer Taube in den Himmel aufsteigen.

Es steht uns, den vernünftigen, den pflichtbewußten und geradlinigen, manchmal ganz gut an, auf die zu hören, die mehr vermögen, weil sie mehr lieben.

Bild: Michael Erhart: Scholastika. Ausschnitt aus dem Mittelteil des Altars der Kirche der Benediktinerabtei Blaubeuren, 1493 – 94 (Dieses Bild ist gemeinfrei)



Carlo Carretto
Dienstag, 3. Oktober 2006, Dienstag, 3 Oktober 2006, 23:07:27 Uhr
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Dieser Artikel ist jetzt einfach fällig.
Wer mich kennt wird Fratello Carlo in der Kategorie Vorbilder im Glauben sicher schon vermißt haben.

In diesem Jahr habe ich das Alter erreicht, in dem Carlo in die algerische Wüste ging. Nicht nur jetzt sondern immer wieder ist es mir ein Gewinn, seinen Gedanken nachzugehen. Keine Angst, der Weg in die Sahara ist nicht mein Weg. Meine Wüste muß in meiner unmittelbaren Umgebung, mit Carlos Worten, in meiner Stadt sein. Dahin lasse ich mich gerne führen, immerhin bin ich hier zu Hause. Doch auch geistlich möchte ich in meiner Stadt zu Hause sein. Dabei ist mir Carlo Carretto mit seinen Büchern immer neu eine große Hilfe.

Carlo Carretto wurde am 2. April 1910 in Alessandria geboren.
In den 30′er und 40′er Jahren ist er aktiv in der Katholischen Aktion in Italien. Lange Jahre verbringt er damit, Konferenzen, Treffen und Aktionen aller Art zu organisieren. Etliche Jahre ist er Leiter der Katholischen Aktion in Italien. Immer „hart am Gas“, wie wir heute sagen würden, war Carlo Carretto für die Kirche sehr aktiv. Die Wende kam im Jahr 1954. Carlo Carretto gab sein gesamtes Engagement in der katholischen Laienarbeit auf und trat bei den Kleinen Brüdern ein. Am 8. Dezember 1954 verließ er Italien und ging nach Algerien.

Von jetzt an will Gott nicht mehr seine Arbeit, nun will Gott ihn ins Gebet führen.

Die Wüste wird für ihn der Ort der Gottesbegnung. In seiner einmaligen Weise beschreibt Carlo diese Erfahrungen in seinen Büchern. (Eine auszugsweise Liste findet sich unten.)
“Wo der Dornbusch brennt” ist eine Sammlung von Briefen aus seiner Zeit in der Wüste. In diesem Buch ist der Weg von der Aktion in die Kontemplation beschrieben, der Carlo in Algerien gegangen ist.

So wird nicht nur zu einem Meister, er wird auch zu einem Lehrer des Gebets.

In El- Abiodh tritt er ins Noviziat der Kleinen Brüder ein. Obwohl zunächst nur ein Jahr vorgesehen ist, bleibt Carlo Carretto 10 Jahre in Algerien.

Nach seiner Rückkehr gründet er in Spello bei Assisi ein geistliches Zentrum. Von dort aus setzt er seine schriftstellerrische Tätigkeit fort und entfaltet eine weltweite Vortragstätigkeit. Diese und seine Bücher machen ihn bekannt.

Meine erste Begegnung mit Carlo Carretto war das Buch: “Gib mir deinen Glauben. Gespräche mit Maria von Nazareth.”

    Das Buch beginnt mit dem Bericht von einer jungen Frau, der Carlo bei einem Aufenthalt in einem Lager von Nomaden begegnete.
    Als er zwei Jahre später erneut eine Zeit im Lager dieser Nomadenfamilie verbringt, ist diese junge Frau nicht mehr da. Fragen nach ihrem Schicksal lösen betroffenes Schweigen aus. Ein Mitglied der Sippe gibt Carlo durch eine Geste, die waagerecht vor dem Hals entlang geführte Hand, zu verstehen, was mit dieser jungen Frau geschehen ist. Sie war vor der Hochzeit schwanger geworden und wurde wegen dieser Schande von ihrer Familie umgebracht.

    Die Verbindung zu Maria liegt Nahe.
    Auch Maria wird vor ihrer Hochzeit schwanger.
    Auch ihr Vater und ihr Bräutigam hätten ihren Tod verlangen und herbeiführen können.
    Von Josef sagt die Heilige Schrift, daß er gerecht war. Er wollte sie in aller Stille entlassen.

    Ein Engel belehrt ihn eines besseren.
    In einer nächtlichen Betrachtung unter dem Sternenhimmel der Wüste fragt er Maria: “Wie war es Maria. Erzähl es mir.” In der Beschreibung einer wunderbaren Zeit des Gebets in der nächtlichen Wüste, schildert Carlo seine Meditation zur Verkündigung und zur Vorgeschichte der Geburt Jesu.

    Jenseits einer fromm verkitschten Mariaverehrung, wie sie sich in der Volksfrömmigkeit zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts findet, schildert er in seiner Betrachtung Maria als eine normale junge Frau im antiken Israel. Bedingungslos spricht sie im Vertrauen auf den Gott ihrer Väter ihr “Fiat”. Welch einen Mut es von einer jungen Frau ihrer Zeit verlangt, zu diesem Plan Gottes ihre Zustimmung zu geben, vermag sich jeder selber zu denken.

    So öffnete mir Carlo einen Zugang zu Maria, die mir plötzlich als wirkliche Frau entgegentrat. Im Lesen dieser Betrachtung stieg Maria von Sockeln und Altäre. Sie war von da an die Schwester, von der Gott unmögliches verlangt. In grenzenlosem Vertrauen sagt sie ihr „Ja“ und macht mir Mut selber mein „Ja“ zu Gott zu sprechen.

    Maria tat dies mit der ihr verliehenen Gnade und dennoch in unvergleichlicher Weise. Nicht Maria im Kerzenlicht, im Weihrauchnebel und in schwülstig frommen Liedern, nein Maria mit staubiger Kleidung müde und vom Tagewerk erschöpft. Maria in ihrer Zeit und doch ganz aktuell.
    Plötzlich war Maria ganz nah und ihr “Fiat” war von überwältigender Kraft.
    Es war so klar. Gott bedient sich einer jungen Frau um das Heil zur Welt zu bringen. Maria kann Jesus mit: “Mein Kind und mein Gott” anreden. Dazu ist ein Schritt nötig, den sie uns voraus geht. Maria bringt das Kind in der Krippe zur Welt. Mehr noch bringt sie das Kind im Glauben zur Welt. Darin steht sie uns, die wir als Zeugen Christi in der Welt leben, zur Seite und geht uns voraus.

Dieser ersten Begegnung folgten weitere.
Ich habe viele seiner Bücher gelesen.
Sicher bin ich sein schlechtester Schüler.

Doch Carlo Carretto ist für mich Vorbild in meinem Umfeld mit und in der Kirche, die er so sehr liebte und an der er so oft litt, zu leben.

Am 4. Oktober 1988 starb Carlo Carretto in Spello.

Bücher von Carlo Carretto:

Denn Du bist mein Vater.
Bekenntnis eines Lebens.
Verlag Herder, Freiburg 2003.

Was Franziskus uns heute sagt.
3. Auflage
Verlag Herder, Freiburg 1981.

Wo der Dornbusch brennt.
Lebenswissen aus der Wüste.
Verlag Herder, Freiburg 2001.

Gib mir deinen Glauben.
Gespräche mit Maria von Nazareth.

Leider sind die meisten Bücher von Carlo Carretto vergriffen und nur noch antiquarisch zu erhalten.



Support Card. Arinze
Donnerstag, 28. September 2006, Donnerstag, 28 September 2006, 16:36:26 Uhr
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Muß man eigentlich immer warten, bis es einen konkreten Anlaß gibt? Nö!
Auch fingo ist der Ansicht, daß es Zeit wird einen Arinze- Fanclub zu gründen.

Na dann lege ich mal vor:

Ein katholischer Support heißt auch beten für, nicht wahr? Nun denn, tun wir das doch einfach.
Kann man einfach so für einen Kardinal beten? Ich glaube schon. Wir müssen es ihm ja nicht verraten.

Hier sind meine Gründe, warum ich meine, daß ich ihn gerne unterstützen möchte:

    Über den interreligiösen Dialog hat er ein sehr schönes Buch geschrieben:

      Francis Arinze
      Brücken bauen

      Kardinal Francis Arinze im Gespräch mit Helmut S. Ruppert
      Reihe: Im Gespräch
      136 Seiten, 13,8 x 22,0 cm, gebunden
      1. Auflage 2000
      Sankt Ulrich Verlag, Augsburg
      ISBN / Code: 3-929246-49-X

    Unter seiner Federführung entstand die Instruktion „REDEMPTIONIS SACRAMENTUM“

    Publikationen von Kardinal Arinze in der Deutschen Nationalbibliothek

    Besonders toll finden es wahrscheinlich besonders die jüngeren Katholen, daß ein echter Kardinal Tonbänder in einen Pottkasten legt.

    Ich finde es gut, daß er als Afrikaner den Eurpäern mal brüderlich den Marsch bläst und dabei trotzdem freundlich und sympathisch bleibt.
    Ich bewundere seine gradlinige Frömmigkeit.

Obwohl ich bisher nur Verstorbene unter Vorbilder im Glauben gepostet habe, stelle ich diesen Beitrag ebenfalls in dieser Kategorie ein.
Vorbilder können auch Zeitgenossen sein.

So, lieber Fingo und wer sonst noch mag, es darf ergänzt werden.



Zweifache Hoffnung
Montag, 28. August 2006, Montag, 28 August 2006, 15:01:43 Uhr
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Der heutige Tagesheilige Augustinus von Hippo macht mir in zweierlei Weise Hoffnung.

Hoffnung eins: Auch mit einem “Vorleben” kann man noch heilig werden.

Hoffnung zwei: Wer lesen kann ist im Vorteil.

Link zu Augustinus in heiligenlexikon.de



Wer Gott dient, wird nicht krumm
Freitag, 11. August 2006, Freitag, 11 August 2006, 09:56:59 Uhr
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Am 11. August feiert die Kirche das Fest der Heiligen Clara von Assisi.

Chiara ist ein Kind aus einer vornehmen Familie. Mit 18 Jahren schließt sich dem Heiligen Franziskus an. Ein Skandal, mit dem die Familie nicht gut umgehen kann. Doch der Ruf Gottes ist stärker. Ihren Brüdern, die sie mit Gewalt zurück holen wollen, zeigt sie ihren geschorenen Kopf als Zeichen für die Ernsthaftigkeit ihrer Absicht. Sie gründet mit Hilfe des Hl. Franziskus den Klarissenorden und setzt ihre Regel nach großen Schwierigkeiten auch in Rom durch. Knackpunkt ist die radikale Armut, die Clara in ihrer Regel verankert haben will. Zwei Tage nach Bestätigung ihrer Regel stirbt sie am 11. August 1253. Clara bedeutet “die Leuchtende” und ein Licht ist sie für die Kirche.
Auch heute noch hat uns Clara viel zu sagen. In einer Zeit, in der innerkirchlich mehr über Strukturen als über die Suche nach Gott geredet, stellt uns Clara die Alternative vor.

“Wer Gott dient, wird nicht krumm.”
So läßt sie, die ihr Leben lang krank und die letzten ab 1224 ganz ans Bett gefesselt war, uns heutige wissen.

In einer für die Kirche der damaligen Zeit schwierigen Situation, es war die Blütezeit ketzerischer Armutsbewegungen, bindet sich Clara ganz bewußt an die Kirche und setzt unter vielen Schwierigkeiten in Rom ihre Regel durch. Sie zerbricht nicht an der Last und sie wird auch nicht krumm, sondern setzt mit ihrer Liebe ihren Auftrag in der Welt um. Vom Krankenbett aus leitet sie den Orden, der sich schnell in Europa ausbreitet.
Clara macht mir Mut, wenn mich meine geliebte Kirche mal wieder an den Rand der Verzweiflung treibt.

Der Segen der heiligen Klara

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unser Herr segne Dich und behüte Dich und zeige Dir sein Angesicht und erbarme sich Deiner. Er wende Dir sein Antlitz zu und schenke Dir den Frieden.

Ich, Klara, eine Dienerin Christi, eine Pflanze unseres hochseligen Vaters, des heiligen Franziskus, Deine Schwester und Deine sowie der anderen Armen Schwestern Mutter, obschon eine unwürdige, bitte unseren Herrn Jesus Christus durch seine Barmherzigkeit und durch die Fürsprache seiner heiligsten Mutter Maria, des heiligen Fürstengels, des heiligen Michael, und aller Heiligen Gottes, unseres seligen Vaters, des heiligen Franziskus, und aller Heiligen beiderlei Geschlechts, der himmlische Vater gebe und bestätige Dir im Himmel und auf Erden diesen seinen allerheiligsten Segen; auf Erden mehre er Dich in Gnaden und in seinen Tugenden unter seinen Dienern und Dienerinnen in der streitenden Christenheit, im Himmel erhöhe und ehre er Dich in der triumphierenden Christenheit, in der Schar seiner Heiligen.

Ich segne Dich in meinem Leben und nach meinem Tode, soviel ich vermag, und mehr als ich vermag, mit all dem Segen, mit dem der Vater der Erbarmungen (2 Kor 1,3) seinen Sohn und seine Tochter im Himmel und auf Erden gesegnet hat und noch segnen wird, und mit dem ein geistlicher Vater und eine geistliche Mutter ihre geistlichen Söhne und Töchter gesegnet haben und noch segnen werden. Amen.

Allezeit liebe ich Deine Seele und alle Deine Schwestern. Ich bitte Dich, Du mögest das mit Fleiß bewahren, was Du dem Herrn gelobt hast.

Unser Herr sei mit Dir zu allen Zeiten, und gebe Gott, daß Du allezeit mit ihm seiest. Amen.

Quelle

Links:

Klarissen in Deutschland

Klarissen in Paderborn