Freude am Gebet?
Sonntag, 28. Dezember 2008, Sonntag, 28 Dezember 2008, 20:51:13 Uhr
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Der folgende Text von mir ist, wie das oft der Fall ist, aus einem konkreten Anlaß entstanden.
Es wurde eine Frage an mich herangetragen und ich habe geantwortet.
Eigentlich war der Fall für mich damit erledigt, doch dann wurde ich gebeten, das doch mal zu veröffentlichen. Keine Ahnung, ob es jemandem außer dem Fragesteller etwas sagt, aber ich habe mich dann doch dazu durchgerungen, der Bitte nachzukommen.
An einigen Stellen mußte ich ihn ein wenig verändern, damit er allgemeiner wird, nicht so persönlich eben, wie er zunächst geschrieben war.

Folgende Aussage lag der Fragestellung zu Grunde:

Irgendwie beneide ich Euch, dass Ihr so gern zur Messe geht und betet.
Ich muss mich immer überwinden…

Nun, bei mir ist es so, daß ich mich an manchen Tagen an der Messe regelrecht festhalten kann. Die Viertelstunde vor der Messe, die ich immer versuche schon in der Kirche zu verbringen, ist derzeit oft die einzige “richtige” Gebetszeit, die ich am Tag habe. Und man mag mir glauben oder nicht, der Tabernakel ist wie ein Anker, der verhindert, daß ich auch in dieser Zeit wieder abdrifte.
Das ist übrigens ein Phänomen, das ich schon vor langer Zeit bei mir beobachtet habe. Wenn es mir schwer fällt, zur Ruhe und ins Gebet zu kommen, dann nehme ich mir einen Moment vor dem Tabernakel und ich finde Ruhe. Gleich ob ich sitze oder kniee, manchmal reicht es, im Vorbeigehen kurz eine Kirche zu betreten und mir die wirkliche Gegenwart des Herrn ins Bewußtsein zu rufen.

So fahre ich z.B. Augenblicklich möglichst jeden Sonntag nach Verne (das ist ein benachbarter, kleiner Marienwallfahrtsort) um eine Stunde oder etwas mehr vor dem Tabernakel zu beten. Manchmal muß ich mich in der Kirche regelrecht anschnallen, um nicht sofort wieder auszubüchsen, nach einer Weile beginne ich ruhiger zu werden und kann ins Gebet kommen. Würde ich das gleiche zu Hause versuchen, wäre ich nach 5 Minuten fertig damit. Warum das so ist, ist eine Frage, die ich mir selber bisher nicht beantworten konnte. Es hängt für mich wohl sehr viel an der eucharistischen Gegenwart des Herrn.

Freude an der Hl. Messe zu finden, ist eine Frage der langsamen und manchmal mühsamen Einübung, so wie im übrigen jedes Gebet. Ich muß sozusagen einmal anfangen, beispielsweise durch eine Werktagsmesse, die ich dann aber wirklich so regelmäßig mitfeiere, wie ich die Sonntagsmesse mitzufeiern gewohnt bin. Das wird nach einiger Zeit, wenn es im Alltag stimmig ist, zu einer guten Gewohnheit, die Sicherheit gibt. Die Stimmigkeit im Alltag ist ein sehr wichtiger Aspekt. Ich bin kein Mönch und ich lebe nicht in einer geistlichen Gemeinschaft, die mir einen irgendwie gearteten Rahmen dafür bieten könnte. Im Gegenteil, ich lebe ein ganz normales Leben in der Welt, in dem mir mehr Widerstand entgegentritt, will ich mich auf Gott ausrichten, als das im Kloster der Fall wäre, wo das geradezu Programm ist. Will ich nun die Feier der Hl. Messe in meinen Alltag integrieren, so darf ich diesem keine Gewalt antun. Wohl muß ich konsequent sein und die Widerstände überwinden, doch tue ich meinem Alltag Gewalt an, so drängt er sich mit solcher Macht und Wucht in mein Bewußtsein, daß ich für Gebet nicht mehr frei sein kann.

Nach und nach kann man dann versuchen, im eigenen Tempo eine zweite oder dritte Werktagsmesse hinzuzunehmen. Das ist dann aber auch der Punkt, an dem man sich möglichst einen Begleiter suchen sollte, der mit einem auf das geistliche Leben schaut, denn man kann auch “abheben”.

Wir, die wir in der Welt leben, müssen, wenn wir geistlich leben, geistlich in der Welt leben und können nicht versuchen Kloster zu kopieren. Das ist eine (unter anderem meine) mögliche Verlockung oder Versuchung, der man ausgesetzt sein kann, wenn man sich auf einen geistlichen Weg macht. In der Welt geistlich leben heißt dann eben auch, daß man Abstriche machen muß, wenn die Weltaufgaben uns in angemessener Weise binden. Es gibt Mönche und Nonnen, aber auch Witwen und Kranke sowie nicht zuletzt auch Priester, die in dieser Zeit, wenn wir eigentlich lieber beten würden das Gebet für uns tragen, weil wir durch Weltaufgaben gebunden sind. Auch da kann ich mich auf die Gemeinschaft der Kirche verlassen und stützen.
Ich kann also nicht, wenn um 12 Uhr die Glocke läutet und ich eine Arbeit zu tun habe, einfach verschwinden, um die Mittagshore zu beten. Aber wenn die Glocke am Mittag läutet, kann ich diesen Moment des Läutens innehalten und wissen, daß mich das Gebet des kontemplativen Teils der Kirche trägt. Wenn man es nebenbei kann, kann man dann auch noch den Angelus beten (oder einfach ein Vater unser oder ein Gebet nach Wahl), dann reißt auch für uns persönlich der Kontakt “nach oben” nicht ab. Das meint übrigens die von mir so geschätzte Madeleine Delbrêl mit ihrer Tiefenbohrung. Als Christ in der Welt kann ich nicht über eine große (Zeit-)Fläche beten, weil ich Aufgaben in der Welt habe. Die fehlende Breite kann ich aber durch Tiefe ersetzen, indem ich mich tatsächlich für einen ganz winzigen Moment ganz und gar für Gott öffne. Ich habe nicht wenige Tage erlebt, die von Arbeit ausgefüllt waren, an denen die einzige Möglichkeit zu beten aus Stoßgebeten bestand. Geistlich gesehen ist das ein hartes Brot, auf dem wir in der Welt herumkauen, aber anderes haben wir nicht.

Interessanterweise wächst auf diesem Boden aber ein durchaus fruchtbares Gebetsleben. Bei manchen ist es das Stundengebet, bei anderen der Rosenkranz, wieder andere entdecken Freude an geistlicher Lesung und Betrachtung, manch einer findet Freude und Gelegenheit zu einer halben Stunde Anbetung am Tag. Ich denke, daß Gott für jeden von uns einen maßgeschneiderten Weg bereithält. Weder auf Grund der Dauer noch auf Grund Art des Gebets läßt sich etwas über die Qualität desselben aussagen. Manchmal denke ich, wenn jeder Mensch in meiner Stadt (gilt für jede andere auch) an jedem Tag ein Vater unser beten würde, sähe die Welt anders aus. Und ein Vater unser ist ja nicht gerade viel, oder?

Durch Krisen im (Gebets-)Leben, das erfahre ich gerade, nimmt Gott Kurskorrekturen vor, bremst den Überschwang oder treibt uns neu an, je nach dem.

Für ganz wichtig halte ich persönlich inzwischen, daß ich auf keinen Fall ganz alleine auf diesen Weg gehen sollte. Ab einem bestimmten Punkt sollte unbedingt ein erfahrener Begleiter den geistlichen Weg mitgehen. In welchem Umfang und auf welche Weise, das ist für jeden unterschiedlich. Ich bin auch fest davon überzeugt, daß uns Gott zum richtigen Zeitpunkt den richtigen Begleiter schickt, denn auch, wenn es oft genug ganz anders aussieht, Gott läßt uns nicht hängen oder führt uns in die Irre. Von einem Begleiter, der von außen auf das geistlich Leben schaut, kann man dann auch mal neue Impulse und andere Aspekte bekommen.

Und ich habe nun wirklich lange danach gesucht, daß mich jemand dauerhaft begleitet.

Freude an Messe und Gebet fällt zwar durchaus vom Himmel, aber nicht immer direkt in unsere Arme.

Jedem, der sich auf den Weg machen will, kann ich bedenkenlos raten, es durchaus zu wagen.
Jeder, egal wie sehr eingebunden er in den notwendigen Weltdienst ist, kann die Zeit für ein ihm angemessenes Gebetsleben finden.



St. Erntedank … oder was?
Sonntag, 5. Oktober 2008, Sonntag, 5 Oktober 2008, 21:57:08 Uhr
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Erntedank 2008

Erntedank 2008

Alle Jahre wieder im Herbst überrascht den Kirchgänger ein so oder ähnlich dekorierter Altar. Erntedank steht an. Aber was soll das denn? Im Gegensatz zum amerikanischen Thanksgivingday, der als Familienfest mit Truthahn traditionell begangen wird, bekommt der Durchschnittsbürger in unserem Land vom Erntedank gar nichts mit.

Wundert mich das? Nö, tut es nicht.

In meiner Kindheit und Jugend war es immerhin noch eine Tagesschaumeldung wert, ob es eine gute, durchschnittliche oder schlechte Ernte gibt. In einer Zeit, in der die Milch vom Discounter kommt, das Brot von (SB-)Bäcker und Äpfel in Folienverpackungen wachsen, ist das Thema Ernte wohl kein Thema mehr. Auch die Lebensmittelpreise werden vom nationalen Ernteertrag wohl weniger beeinflußt als von Einkaufsverhalten der Einzelhandelsketten. Globalisierung auch auf dem Lebensmittelsektor.
Nein, dies wird kein Lamento über ungerechte Wirtschaftsstrukturen.

Es geht mir um etwas anderes. Bekommen wir eigentlich noch mit, woher unser Essen kommt?
Wer einmal den Papierkorb eines Pausenhofes einer beliebigen Schule nach der großen Pause anschaut, findet darin Nahrungsmittel, die ausreichen könnten, eine ganze Familie mehrere Tage zu ernähren. In meiner Kindheit galt es noch als undenkbar überhaupt Lebensmittel wegzuwerfen. Es prägt mich bis heute. Wenn mir mal etwas schlecht wird, verschimmelt oder fault, bekomme ich ein schlechtes Gewissen. Na gut, kann passieren, trotzdem ärgert es mich, vor allem dann, wenn ich nachlässig war.

Es scheint, als fehle das Bewußtsein, woher denn unsere Lebensmittel wirklich kommen. Wer nicht auf dem Land lebt oder gar mit Landwirtschaft zu tun hat, kommmt kaum einmal mit Ernte und dem, was es bedeutet, in Berührung. Erntedank ist ein immer wieder neuer Hinweis, daß wir weniger von Lebensmitteldiscountern als von Gottes Gnade abhängig sind. Auch in Zeiten GPS- gesteuerter Düngung, technologisch gesteuerter Felderträge und allerlei moderner Hilfmittel in der Agrarwirtschaft, weiß der Bauer auch heute noch, daß ohne passendes Wetter und ohne die Erde und ohne …

… ja und ohne Gottes Gnade keine Früchte auf dem Feld wachsen.

Wir haben Grund genug, für die Ernte zu danken.
Wir haben Grund genug, dankbar zu sein, daß wir genug zu essen haben.

Das tun wir in der Kirche in jedem Jahr wieder.
Darum freue ich mich in jedem Jahr wieder über die bunte Dekoration vor dem Altar.



Ausgebüchst
Montag, 11. August 2008, Montag, 11 August 2008, 21:46:34 Uhr
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Heilige sind nicht glatt geschliffen,
nicht immer pflegeleicht
und schon gar nicht immer zuckersüßlieb.

Was soll man denn von einer jungen Frau halten, die im zarten Alter von 18 Jahren ausbüchst?
Was soll man davon halten, daß sie zu einem verrückten Kerl geht, der im Wald lebt?
Was soll man davon halten, daß sie sich den Heiratsplänen ihrer Eltern widersetzt.
Als die Brüder sich auf die Suche machen, finden sie ihre Schwester in einem Kloster wieder.
Als sie den Schleier vom Kopf reißt, sind alle Haare ab.
Sie ist kahlgeschoren. Da bleibt keine Frage mehr offen.
Unverrichteter Dinge ziehen die Brüder wieder ab.

Selbst dem Papst leistet sie später Widerstand.
Als erste Frau schreibt sie eine Ordensregel für Frauen und
gründet den radikalsten Frauenorden der damaligen Zeit.

Sie stellt sich den Sarazenen in den Weg als diese ihr Kloster angriffen.

Erkannt?

Es ist Clara von Assisi, die Gründerin des Clarissenordens.

Ich mag Heilige, deren Leben nicht in so glatten Bahnen verläuft.
Zeigen sie mir doch, daß das Leben mit Gott eben nicht immer unkompliziert ist und
Heilige eben auch Menschen sind.



Neue Hülle
Sonntag, 10. August 2008, Sonntag, 10 August 2008, 21:40:47 Uhr
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Manchmal motiviert eine neue Hülle, auch neuen Inhalt einzufügen.

Immer wieder habe ich mir in der vergangenen Zeit kummervoll meinen dahinvegetierenden Weblog angeschaut. Schon lange gefiel mir das Aussehen nicht mehr. Zu voll, zu überladen, zu wenig schlicht zu knallig bunt …

Dann habe ich mich mal auf die Suche gemacht und dieses Theme gefunden.
Eine Idee für eine neue Titelgrafik war schnell gefunden, wieder verworfen …

… im zweiten Anlauf hatte ich die richtige Idee.

Das Kreuz oben rechts ist aus der Abtei Varensell. Sr. Ehrentrud Trost machte diese Kreuze.
Sie sind Mosaiken, die in Steinchen ausgedrückte Kreuzestheologie ist. Hervorstechend sin bei allen diesen Kreuzen die 5 Felder aus roten Steinen, die für die 5 Wundmale Christi stehen. In die Kreuzform eingelassen sind Steine von verschiedenen Farben, die von Grau- und Brauntönen dominiert werden. Das Kreuz findet sich hier auf der Erde in unserem grauen Alltag. Die Steine sind einzementiert. Das Kreuz ist fest und es ist schwer. Umgeben werden die Steine von einem festen Metallrahmen. Das Kreuz hält. Es hält mich …
Letztendlich finden sich vereinzelt goldene Steine in das Mosaik eingelassen. Sie leuchten mit den roten Steinen um die Wette. Das Gold steht für das Licht der Auferstehung.

Schon am Kreuz leuchtet die Auferstehung auf.

Als ich während meines Studiums regelmäßig in Varensell war, gab es diese Kreuze noch zu kaufen. Leider konnte ich sie mir damals nicht leisten. Später, als ich sie mir leisten konnte, gab es keine mehr zu kaufen. So besitze ich nun keines davon. Nichts desto weniger freue ich mich immer, wenn ich eines davon sehe. Sr. Ehrentrud ist inzwischen heimgegangen, doch sie hat in der Abtei und in der Kirche ihre Spuren hinterlassen. Mehr noch hat sie mit ihrer Kunst Spuren in den Herzen der Menschen hinterlassen.

Eine riesige Freude war es, als ich eines von diesen Kreuzen bei einem guten Freund entdeckte. Die Geschichte dahinter machte mich etwas traurig. Er hatte dieses Kreuz vor der “Entsorgung” (auf den Müll werfen nennt man heute so) bewahrt. Es war in der Erbmasse einer verstorbenen Frau und die Erben konnten mit einem Kreuz nix anfangen. Inzwischen hängt es in seinem Wohnzimmer.



Karsamstag – Grabesruhe
Samstag, 22. März 2008, Samstag, 22 März 2008, 11:18:37 Uhr
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Heute harrt die Kirche am Grab Christi aus
und wartet auf die Auferstehung.

Keine Hl. Messe.
Mancherorts singt man am Morgen die Metten.

Der Karsamstag ist nicht nur der letzte Tag der Fastenzeit,
er ist auch ausdrücklich ein ruhiger Tag.

Nicht ganz einfach ist es, diese Ruhe zu finden. Es muß ja eingekauft werden für Ostern. Es sind Vorbereitungen zu treffen für das Fest. Es herrscht normaler Betrieb in der Stadt. Die Autos sind heute nicht leiser und die Menschen in hektischen Vorfeiertagsstreß auch nicht.

Vielleicht, aber nur vielleicht, läßt sich in einem Kloster diese Ruhe auch äußerlich so halten.

In der Welt, im Alltag des Karsamstags einer beliebigen Stadt,
muß ich die Ruhe innen suchen.

Dort, in mir selber, muß ich am Grab Christi ausharren.



Für die Juden
Freitag, 21. März 2008, Freitag, 21 März 2008, 17:15:28 Uhr
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Hoch gingen sie, die Wellen, wegen der neuen Fürbitte für die alte Form der römischen Liturgie. Da ich bevorzugt die ordentliche Form der römischen Liturgie mitfeiere, wie wohl die weit überwiegende Mehrheit der praktizierenden Katholiken, war es mir ein Anliegen, “unsere Fürbitte” für die Juden einmal anzusehen.

Lasst uns auch beten für die Juden, zu denen Gott, unser Herr, zuerst gesprochen hat: Er bewahre sie in der Treue zu seinem Bund und in der Liebe zu seinem Namen, damit sie das Ziel erreichen, zu dem sein Ratschluss sie führen will.

(Beuget die Knie. – Stille – Erhebet euch.)

Allmächtiger, ewiger Gott,
du hast Abraham und seinen Kindern
deine Verheißung gegeben.
Erhöre das Gebet deiner Kirche für das Volk,
das du als Erstes zu deinem Eigentum erwählt hast:
Gib, dass es zur Fülle der Erlösung gelangt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Quelle: Schott

In den Karfreitagsfürbitten nimmt die Kirche unterm Kreuz die Welt ins Gebet. So kommt auch das Volk der Juden in den Blick. Jesus war Jude und ist es immer geblieben, so hat die Kirche mehrfach im Laufe der letzten Jahre betont. Päpste haben dem Volk aus dem unser Erlöser hervorgegangen ist, mehrfach die Hand gereicht. Nach Jahrhunderten einer leidvollen gegenseitigen Ablehnung, die natürlich auf die Kreuzigung zurückgeht, die aber auch Aspekte des Aberglaubens und haltloser Verdächtigungen beeinhaltet, empfinde ich die Annäherung als ermutigend. Ermutigend auch für den Dialog mit anderen Religionen.

Die Verschiedenheit nicht leugnen, die (erkannte und geoffenbarte) Wahrheit nicht verschweigen und dennoch sich einander im offenen Gespräch wohlwolend aneinander annähern, das sollte im 21. Jahrhundert eigentlich möglich sein. Nicht weil wir bessere Menschen als unsere Vorfahren sind, sondern weil wir – auch Dank der gedanklichen Leistungen unserer Vorfahren – Erkenntnisse gewonnen haben, die uns dazu befähigen. Treten wir das Erbe an.

So kann auch eine liturgische Fürbitte für die Juden nicht mehr einfach von Ungläubigen sprechen oder das ganze jüdische Volk der Schuld am Tod des Erlösers bezichtigen, welchen ein Teil der Oberschicht im antiken Jerusalem der 30er Jahre des ersten Jahrhunderts zu verantworten hat.

So kann und darf die Kirche beten, daß der Volk der Juden dem Bund mit dem Vater treu bleibt. Diesem Bund, der nie gekündigt wurde, in Jesus Christus jedoch vollendet ist, die Treue zu halten, heißt nicht mehr und nicht weniger, als auf dem Weg zum Erlöser, zum Heiland, zum Messias, zu Christus zu sein. Mögen auch die den Messias Christus erkennen, die ihn in der Treue zum Bund Abrahams, Isaaks und Jakobs, in der Befolgung des Gesetzes Mose und im Hören auf die Propheten so dringend erwarten. Spätestens am jüngsten Tag werden sie ihn erkennen, das glauben wir Christen ganz fest.

Dies ist das Ziel, zu dem Gottes Ratschluß sein erwähltes Volk führen will. Wann? Der Herr wird es wissen.

So ist die Bitte recht ausgesprochen, denn sie schließt die in der alten Form erbetene Bekehrung des Bundesvolkes ganz sicher nicht aus. Ja mehr noch, sie erbittet sie geradezu von Herrn, da doch dies der Weg ist, der “zur Fülle der Erlösung” führt.

Möge der Herr die Kinder Abrahams auf sicherem Weg zur Fülle der Erlösung geleiten, ohne daß wir uns anmaßen, ihm Vorschriften über das “wie und wann” zu machen.



Dabei sind wir in Deutschland vorgewarnt
Sonntag, 10. Februar 2008, Sonntag, 10 Februar 2008, 13:12:25 Uhr
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So warnt Erzbischof Hans Josef Becker in seinem aktuellen Fastenhirtenbrief, der heute in allen Hl. Messen im Erzbistum Paderborn verlesen wird. (Nicht überall in seiner ganzen Länge. Wie ich aus leidvoller Erfahrung vergangener Jahre weiß, gibt es superschlaue Pastöre, die meinen man könne den Gläubigen den Hirtenbrief insgesamt nicht zumuten. Sehr bedauerlich.)
Da ich den Hirtenbrief vorab gelesen hatte, konnte ich den Text heute morgen vertiefend hören.

Es geht um die sogenannte Sterbehilfe, die so wie sie in Holland, Belgien und der Schweiz praktiziert wird nichts anderes als Mord oder Hilfe zum Selbstmord ist. Die jeweilige Befindlichkeit der Gesellschaft wird künftig über das Recht zu leben oder die Pflicht zu sterben entscheiden. Nützlichkeitserwägungen und geschwächte Sozialkassen werden das Leben des alten oder schwerkranken Menschen zur Disposition stellen. Wird heute natürlich sehr hochmoralisch das Recht des Menschen auf ein humanes Sterben in den Mittelpunkt gestellt, so ist es morgen schon eine moralische Pflicht, niemandem mehr als Pflegefall zur Last zu fallen.

Vor zwanzig Jahren wurde alle die belächelt, verspottet oder beschimpft, die prophezeiten, daß nach der Freigabe der Kleinstkindestötung, das andere Ende des Lebens auch noch drankommen werde. Nun sind wir so weit und wir sind noch nicht am Ende der Entwicklung. Müssen sich heute allen Ernstes Eltern von behinderten Kindern die Frage gefallen lassen, ob man da nicht vorher “was habe machen können?”, was ja nichts anderes heißt, als die Kinder frühzeitig abzumurksen, so werden sich künftig pflegende Angehörige fragen lassen, ob man der Oma nicht irgendwie “auf humane Weise” helfen könne. (Sprich: auch abmurksen.)

Deshalb muß ich an dieser Stelle:

Aktive Sterbehilfe
widerspricht einem Sterben, das den
Namen „human“ verdient!¹

widersprechen. Mit dem Attribut “human, humanistisch” versehen sich gerade die, die die Hilfe zur Selbsttötung auf Verlangen, den medizinisch indizierten und verordeneten Mord und Pflicht zum Ableben aus ökonomischen, humanitären, sozialen oder welchen Gründen auch immer, zum politischen Programm erhoben haben. Das, was sich gegenwärtig selbst als Humanismus bezeichnet, bringt sich gegen den Glauben und gegen die Göttliche Schöpfungsordnung ins Feld. Mit dieser Begrifflichkeit können und dürfen wir als Christen nicht operieren, wollen wir nicht in die Irre gehen. Es gilt im Sinne der Schöpfungsordnung zu argumentieren und nicht im Sinne menschlicher Erwägungen, wie sie uns der Humanismus liefern zu müssen meint.

Dem hingegen:

Wir können
der Vergänglichkeit und Endlichkeit
des irdischen Lebens zwar nicht ausweichen,
aber wir dürfen sie auch
nicht in dem beschleunigenden Sinne
herbeiführen, dass wir uns selbst zu
Herren über Leben und Tod erheben.²

habe ich nichts hinzuzufügen.

Lieber Herr Erzbischof,
danke für diesen beeindruckenden und wertvollen Hirtenbrief.
(Man muß seinen Bischof ja auch mal loben dürfen.)

Der gesamte Text steht hier zum Download zur Verfügung.

_________________________
¹ Erzbischof Hans Josef Becker. Würde im Sterben. Der Schutz des menschlichen Lebens bis in die Sterbestunde. Paderborn 2008. S.7.
² a.a.O. S.8.



Vierzig Tage
Freitag, 8. Februar 2008, Freitag, 8 Februar 2008, 21:49:53 Uhr
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Sehr gerne weise ich auf eine Aktion hin, die mir selber sehr am Herzen liegt.

Es geht um Vierzig Tage Gebet um geistliche Berufe.

via Amica



Nein, wir sind
Donnerstag, 7. Februar 2008, Donnerstag, 7 Februar 2008, 21:11:42 Uhr
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keine Menschenfresser.

Nur weil ein Atheist keinerlei Verständnis für die Eucharistie hat, muß ich mich noch lange nicht als Menschenfresser bezeichnen lassen. Insofern finde ich es gut, daß das Bistum Rottenburg- Stuttgart Strafanzeige erstattet hat.



Nunc dimittis
Samstag, 2. Februar 2008, Samstag, 2 Februar 2008, 22:00:34 Uhr
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vulgata:
Nunc dimittis servum tuum Domine, *
secundum verbum tuum in pace.
Quia viderunt oculi mei salutare tuum, *
quod parasti ante faciem omnium populorum,
lumen ad revelationem gentium *
et gloriam plebis tuae Israel.

Einheitsübersetzung:
Nun lässt du, Herr, deinen Knecht *
wie du gesagt hast, in Frieden scheiden.
Denn meine Augen haben das Heil gesehen, *
das du vor allen Völkern bereitet hast,
ein Licht, das die Heiden erleuchtet *
und Herrlichkeit für dein Volk Israel.
(Lukas 2, 29-32)

Jeden Abend betet die Kirche das Gebet des greisen Simeon.
Heute haben wir es im Evangelium gehört. Wir feiern heute den Tag, an dem Maria und Josef ihren erstgeborenen Sohn in den Tempel gebracht haben und ihn dem Herrn geweiht haben. So sieht es das Gesetz des Mose vor. Sie tun dort, was alle frommen Juden taten.

Doch der Evangelist Lukas weiß noch von zwei Begegnungen zu berichten, die sich dort ereignen. Simeon und Hanna, zwei ältere Menschen aus Jerusalem erkennen in dem kleinen Kind den Messias. Nach dem Gebet, das uns der Evangelist überliefert, sagt Simeon ein Wort, das auch heute noch so gilt. Jesus, das ist einer, durch den die Gedanken vieler aufgedeckt werden und durch den viele aufgerichtet werden, viel hingegen zu Fall kommen.

An Jesus, dem kleinen Kind, der Gottes Sohn ist, scheiden sich noch immer die Geister. Mehr noch vielleicht als je zuvor.
Wird doch zuweilen immer wieder von Sternen FOCUSsiert und “gespiegelt”, er, dieser Jesus, habe ja gar nicht gelebt, sei ganz woanders geboren, schon gar nicht Gottes Sohn gewesen und überhaupt gar nicht gestorben und sicher nicht auferstanden.
Viele werden aufgerichtet und viele kommen zu Fall.
So ist es nach wie vor.
Bei vielen stößt Jesus auch heute auf Ablehnung,
sie wollen von ihm nichts wissen.
Viele wollen nicht annehmen, was er auch für sie getan hat.

Dennoch: Gott wird Mensch und gibt sich den Menschen zu erkennen.
Wir können ihn auch in unserem Leben erkennen.
Auch wenn ich weiß, daß es nicht immer, nicht zu jeder Zeit oder in jeder Situation geht.
Er kann für lange Zeit verborgen sein.

Hanna und Simeon machen es uns vor,
es gilt die Augen und Ohren aufzusperren.
Manchmal müssen wir warten …

(… und ab und an mal ein kleines Kind auf den Arm nehmen)