Abtei Varensell
Donnerstag, 22. November 2007, Donnerstag, 22 November 2007, 01:02:46 Uhr
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Sechs Tage im Kloster meines Vertrauens sind etwas kurz, aber besser als nichts.
Mehr Zeit konnte ich leider nicht aufbringen.
Bloggen konnte ich auch nicht, da ich beschlossen hatte, in den Tagen “keinen Schritt ins Internet zu tun”. Ich habe mich daran gehalten und ich kann nur sagen: Hart war es schon, aber es hat gut getan.


So mußten diese Tage ausreichen um – gewissermaßen – die Akkus wieder aufzuladen.
Die Abtei Unserer Lieben Frau in Varensell ist eine Benediktinerinnenabtei und liegt in Rietberg – Varensell, in der Nähe der Stadt Gütersloh. Bereits bei der Anfahrt auf den Ort sieht man schon von weitem die für Benediktiner typischen Doppeltürme der Abteikirche. Die Kirche ist ein sehr gelungenes Beispiel moderner Kirchenarchitektur und moderner Sakralkunst. Die künstlerische Ausgestaltung lag in den Händen von Sr. Ehrentrud Trost OSB, die als Schwester in der Abtei lebte. Die Mosaiken wurden im Kloster selbst hergestellt. Die Apsis wird von einem sehr großen Mosaik, einem Christus als Pantokrator beherrscht. Dieses Mosaik zu sehen, ist bei jedem Besuch eine große Freude.
In der Krypta, die den Schwestern (und auf Anfrage den Gästen) für das stille Gebet zur Verfügung steht, ist die Wand, in die der Tabernakel eingelassen ist, als brennender Dornbusch gestaltet. Ebenfalls ein Mosaik von Sr. Erentrud.

In der Abtei leben 47 Schwester nach der Regel des Hl. Benedikt. Die Schwestern leben von Landwirtschaft (für den Eigenbedarf), Paramentenherstellung, einem Gästehaus mit umfangreichem Kursprogramm, einem Buchladen und einer Hostienbäckerei. Jedes Kloster muß sich selbst unterhalten. Klöster bekommen kein Geld aus Kirchensteuermitteln.
Im Gästehaus gibt es außer den zahlreichen Kursen auch die

Möglichkeit für Stille Tage, Einzelexerzitien oder Au Pair, d.h. teilweise am “normalen Klosteralltag” teilzunehmen. Wer Au Pair macht, arbeitet vier Stunden am Tag im Kloster mit und nimmt am Chorgebet der Schwestern teil. Ferner besteht die Möglichkeit zur Begleitung in Einzelgesprächen durch eine Schwester.

Siebenmal am Tag singe ich Dein Lob.


Der Tag im Kloster beginnt um 6:20 Uhr mit den Laudes, dem Morgengebet der Kirche. Es schließt sich um 7:15 Uhr die Eucharistiefeier an. Um 12:25 Uhr beten die Schwestern die Sext, um 14:45 Uhr die Non, um 18:00 Uhr die Vesper. Der Tag endet mit der Komplet und den Vigilien um 20:00 Uhr. (Abweichungen von den Zeiten am Donnerstag, Samstag und Sonntag, da die Kirche auch Pfarrkirche ist und die Kirche auch von der Gemeinde genutzt wird.) Der Tag der Schwestern teilt sich ein in Arbeit, Gebet, persönliche Betrachtung, Mahlzeiten und Freizeit. Die Gebetszeiten geben den Rahmen für den Tag. Die Gäste sind eingeladen, am Chorgebet teilzunehmen. Die Laudes und die Vesper werden in Latein gesungen. Die anderen Horen (Gebetszeiten) in Deutsch.

Seit über 20 Jahren verbringe ich immer wieder mal einige Tage dort. So ist mir die Abtei sehr vertraut, auch wenn sich in den vergangenen Jahren viel verändert hat. So wurde vor zwei Jahren das Gästehaus komplett modernisiert. Die Zimmer verfügen alle über eine Naßzelle und sind sehr ansprechend eingerichtet. Dennoch bevorzuge ich die Zimmer im alten Gästeflügel, die für meinen Geschmack etwas “klösterlicher” sind. Sie sind kleiner, haben keine Naßzelle und sind recht individuell eingerichtet. Jedes sieht ein wenig anders aus. Der weitere Vorteil ist die Stille im Gästeflügel, da dort eher Gäste wohnen, die als Au Pair im Kloster sind oder bewußt die Stille suchen. Dort oben unter dem Dach ist es wirklich außerordentlich ruhig. So hatte ich auch jetzt wieder die Freude, dort wohnen zu dürfen. Ich bin den Schwestern immer sehr dankbar, daß sie den Auftrag des Hl. Benedikt sehr ernst nehmen und Gäste freundlich und gerne aufnehmen. So teilen sie die Schätze monastischen Lebens mit ihren Gästen.

Weil ich nun nicht nur zu meinem Vergnügen in Varensell war, habe ich mir wie immer auch ein paar Hausarbeiten mitgenommen. Das nebenstehende Buch hatte ich kürzlich entdeckt und fand es reizvoll und ansprechend. In den vergangenen Tagen habe ich es aufmerksam gelesen und Betrachtungen zum Vater unser gehalten. War sagen dieses Gebet des Herrn oft so leicht und schnell herunter, doch es ist ein Schatz, wenn man es nur mal aufmerksamer betrachtet. So waren die Tage auch geistlich ein Gewinn.

Natürlich habe ich noch ein paar Fotos auf Lager. Hier einige Impressionen rund um das Kloster:



Ein Kreuz aus der Werkstatt Sr. Erentruds
Als es noch welche zu kaufen gab, konnte ich mir keins leisten.
Heute könnte ich mir eins leisten, nun kann man keine mehr kaufen.
Schade.



Ein Mosaik kennzeichnet die Stelle, an der sich vor der Erweiterung der Klosterfriedhof befand.



Der Vorplatz der Abteikirche mit einer Statue des Hl. Benedikt.



Mosaiken im Atrium


Mosaik in der Jakobshalle – Jakobs Kampf mit Gott


Statue des Hl. Benedikt im Gästegarten.

(Zum Vergrößern auf die Bilder klicken. Alle Bilder unter creative commons – Lizenz.)