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Dabei war ich damals gar kein Täter.
Vor einiger Zeit hatte ich diesen Beitrag in meinem Lieblingsforum geschrieben.
Ich bin als Baby katholisch getauftworden , habe eine katholische Schule besucht, Erstbeichte, Erstkommunion und Firmung mitgemacht, weil man das so macht. Im Elternhaus spielte der Glaube keine wirkliche Rolle. In der Jugend war es mir total egal.
So ging das eigentlich alles spurlos an mir vorrüber.
Als Erwachsener dachte ich dann ernsthaft über einen Kirchenaustritt nach, was mir prompt Ärger mit meiner Familie einbrachte: Das tut man doch nicht!Doch es kam anders:
Eine Vesper war schuld.Ich bin eines Sonntags in die Vesper im Dom zu Münster gestolpert, weil ich den Weg zum Parkplatz abkürzen wollte, ging ich quer durch den Dom.
Weit bin ich allerdings nicht gekommen, denn die Clarissen sangen gerade die Vesper.
Natürlich hatte ich nicht die geringste Ahnung, was eine Vesper ist und überhaupt, was das alles soll. Der Gesang der Clarissen war einfach nur schön, ein Konzert, warum nicht, ups die singen ja alle mit.Ich setzte mich in eine Kirchenbank und versuchte ganz unauffälig so zu tun, als wenn ich dazugehöre.
Von Mitsingen oder mitbeten natürlich keine Spur und auch noch die Peinlichkeit, nicht zu wissen, daß man zum Magnifikat aufsteht …Danach bin ich dann wochenlang – wenn es eben ging – am Sonntagnachmittag die 50 km nach Münster zur Vesper gefahren. Natürlich nur wegen der Musik.
Mal sang ein Chor, dann eine Schola, dann wieder die Clarissen und Prof. Schlepphorst an der Orgel. Natürlich, ich kam nuuur wegen der Musik.Sehr langsam, zunächst von mir unbemerkt veränderte sich mein Leben. Ich begann mittwochs (sonntags, nö, da gehen ja nur die Spießer) in die Abendmesse zu gehen, in der Bibel zu lesen, meine alte Relibücher zu lesen und und und. Irgendwann ging ich dann auch sonntags, weil ich kapiert hatte warum sonntags.
Das ging nicht blitzartig mit einem Schlag, sondern durch einzelne damals zunächst kaum oder gar nicht wahrgenommene Ereignisse, die mich nachdenklich machten. Es ging auch nicht glatt, ich habe mich gewehrt und wie!!!
Hatte ich zuvor noch über Kirchenaustritt nachgedacht, so kam mehr und mehr die Frage auf, wie ich mein Leben ganz mit der Kirche leben kann. Gute Begleitung und eine große Anfangsgnade, die übrigens viele erleben, die sich “frisch” zum Glauben bekehren, taten ein übriges. An einigen Punkten, wo ich nicht mehr wußte, wie es weiter gehen soll, tat sich plötzlich eine völlig unerwartete Lösung auf. Daran denke ich heute immer noch, wenn ich meine, ich müßte alles “machen”. Damals hilflos, verzweifelt und allein, öffneten sich die Wege immer dann, wenn ich sie wirklich brauchte. Es wäre ungerecht zu sagen, das war die schönste Zeit meines Lebens, doch es war zum Teil wirklich atemberaubend.
Ein Teil der Gnade war es auch, immer zur richtigen Zeit die richtigen Leute zutreffen. Mit vielen habe ich bis heute sehr guten Kontakt. Viele sind im Kloster oder Priester, manche sind verheiratet, wie ich selber.Nach meiner Bekehrung hatte ich lange Jahre viel Streß mit meiner Familie. Mittlerweile wird es akzeptiert oder verdrängt, je nach dem.
Den Beitrag wollte ich meinen Lesern hier nicht vorenthalten.
Am vergangenen Freitag war ich mal wieder in Münster.
Wie immer, wenn ich in Münster bin, suche ich den Dom auf. Die Vesper im Dom habe ich seit damals nur selten mitfeiern können. Das macht aber nichts. Die Erinnerung ist so stark, daß ich noch heute den mehrstimmigen Gesang der Clarissen im Ohr habe.
So habe ich mich auch am vergangenen Freitag nachmittag für einen Moment an meinen “alten Platz” gesetzt und gebetet. Noch immer empfinde ich tiefe Dankbarkeit. Auch wenn ich mich manchmal frage, warum ER mich nicht in Ruhe lassen konnte. Seit damals hat er mich seinen Weg geführt. Nicht selten gegen meinen erklärten Widerstand. Immer wieder, wenn ich nicht so richtig erkennen kann, was er von mir will. Versuche erst einmal ihm Widerstand zu leisten und auszubüchsen. Nicht schön, ich weiß. Doch über meine Irrwege leitet er mich dorthin, wohin er mich haben will. Immer wieder – immer weiter.
Ein weiterer Ort – wieder nicht als Täter …
St. Servatii in Münster, Kirche der ewigen Anbetung. Schräg gegenüber des Stadtmuseums gelegen war für einige Wochen der Ort an dem ich nach einer schnellen Nahrungsaufnahme meine Mittagpausen verbrachte. Damals machte ich mich gerade auf den Weg, um auf dem 2. Bildungsweg Abitur zu machen. Die Arbeitsstelle war gekündigt, die Anmeldung in der Schule unterschrieben.
Eine kurze Zeit hefiger Zweifel, die der Herr in mühsamer Kleinarbeit Mittagspause für Mittagspause zerstreut hat.
Ob mein damaliger Chef mich auch dann nach Münster auf die Baustelle Stadtmuseum geschickt hätte, wenn er gewußt hätte, daß ich das Angebot die Kündigung rückgängig zu machen, ja, mich sogar zu befördern, vermutlich angenommen hätte ohne die mittägliche Anbetung in St. Servatii?
Natürlich besuche ich auch St. Servatii und nutze die Gelegenheit zur Anbetung dort, wann immer ich die Chance bei einem Besuch in Münster habe.
