Wo ist die Grenze?
Montag, 11. Februar 2008, Montag, 11 Februar 2008, 21:12:57 Uhr
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Heute ging es durch die Nachrichten und Zeitungen:
Das sogenannte Allgemeine Gleichstellungsgesetz (AGG) reicht der EU nicht aus.
In der Gleichstellung der Homosexuellen Lebenspartnerschaften müsse nachgebessert werden, heißt es in einem Bericht aus Brüssel an die Bundesregierung.
Nun, dieser Meinung bin ich auch, allerdings gehen meine Gedanken hinsichtlich der Modifikationen wohl in eine gänzlich andere Richtung als die der Brüsseler.
Ich frage mich, wo ist die Grenze?
Wie weit kann ich eine Politik mittragen, die sich konsequent und dauerhaft gegen die natürliche von Gott gegebene Schöpfungsordnung richtet?
Was kommt eigentlich noch?
Wie weit, so frage ich mich in letzter Zeit immer wieder, kann ich mitgehen?
Eine Gleichstellung homosexueller Partnerschaften bei der Beihilfe im öffentlichen Dienst?
Das kann nicht sein, oder?
Aber auch diese Frage muß ich stellen:
Hätte ein Staat in Europa nicht mehr das Recht, die Ehe positiv zu definieren und alles, was nicht Ehe ist auch nicht Ehe zu nennen und wie eine Ehe zu behandeln?
Es scheint so zu sein.
Nicht wundern
Heute meldete unsere Lokalzeitung, daß in der Nacht zum vergangenen Donnerstag das Mahnmal zum Gedenken an die Opfer des 2. Weltkrieges und der NS- Diktatur mit Graffiti beschmiert wurde. Ein Bild zeigt Bürgermeister und Kulturausschußvorsitzenden mit betroffenen Gesichtern. Beide werden mit empörten Statements zitiert.
So weit, so schlecht.
Kirchen, Mahnmale, Heiligenhäuschen und normale Häuser werden in der letzten Zeit recht häufig beschmiert.
Lernte unsere Generation als Kinder noch: “Narrenhände beschmieren Tisch und Wände.”
So darf man heute getrost davon ausgehen, daß heute kein Kind mehr mit so einer Weisheit belästigt wird.
Es kommt hinzu, daß vor allem sozial schwache Jugendliche gegenwärtig düstere Zukunftsaussichten zu haben glauben.
Sie treffen sich in dunklen Ecken unter Vordächern von Schulen in Parks und wo auch immer.
Ideen für sinnvolle Beschäftigung sind ebenso Fehlanzeige wie alternative Orte, an denen man sich besser aufhalten könnte oder an denen es auch Ansprechpartner gäbe. Elternhaus scheint bei vielen Fehlanzeige. Eineltern- oder Patchworkfamilien mit häufig wechselnden Konstellationen geben eben weder die benötigte Sicherheit noch die erforderliche Erziehung.
Die Folgen der sogenannten neuen Formen von Familie in Verbindung mit fehlender Erziehung und fehlender Möglichkeit sinnvoller Beschäftigung, sowie Eltern, die selber schwerlich wissen, etwas mit sich anzufangen.
Alles in allem eine Gemengelage, die mich nicht fröhlich stimmt.
Ich sehe gegenwärtig eine Zunahme der Gewalt gegen Sachen und Personen.
Ein betroffenes Gesicht auf Fotos und betroffenen Statemeste scheinen mir da unzureichende Maßnahmen.
Leider habe ich kein Patentrezept.
Den Kopf in den Sand stecken mag ich dennoch nicht, ich denke auch nicht an Verschärfung von Strafrecht oder Ortssatzungen. Meine Gedanken gehen eher dahin, den jungen Menschen andere Perspektiven aufzuzeigen.
Ich sehe hier ein Betätigungsfeld sowohl die Kirche als auch für die öffentliche Verwaltung.
Der Sonntag …
… Aufzucht und Pflege
Gegenwärtig tobt eine Schlacht um den Sonntag.
Dabei geht es um die Frage,
ob und welche Geschäfte am Sonntag öffnen dürfen sollen.
An wievielen Sonntagen im Jahr sie öffnen dürfen,
oder ob es generell keine Sonntagsöffnung geben soll,
und welche Ausnahmen davon zugelassen werden.
etceteraetceteraetcetera…
Der Ideen, Pläne und Vorstellungen gibt es viele.
Ein gesamtgesellschaftlicher Konsens über den Sonntag existiert schlicht und ergreifend nicht mehr.
Dabei werden Argumente aufgeführt, die aus der Familienpolitik geliehen sind, der Sozialpolitik entwendet wurden und aus der Wirtschaftspolitik ausgebüxt sind.
Es geht darum, mit der ganzen Familie einkaufen zu können.
Es geht darum, weitere Arbeitsplätze zu schaffen,
angeblich familienfreundlich, weil Mama ins Geschäft gehen kann, wenn Papa zu Hause ist.
Aber dann kann man ja nicht mehr gemeinsam einkaufen, oder?
Einzelhandelsverbände reden von Umsatzsteigerungen.
Was sie nicht erklären, ist die Frage woher dieser kommen soll?
Ich vermute, daß es lediglich eine Verlagerung gibt.
Leider kann ich allen Argumenten für eine Sonntagsöffnung der Geschäfte nichts abgewinnen.
In NRW sind bereits jetzt an 4 Sonntagen im Jahr Ladenöffnungen erlaubt, wenn es sich um ein traditionelles Volksfest handelt. Dagegen finde ich die Frage zulässig, wie man ohne Sonntagsöffnung früher Volksfeste feiern konnte?
Aber nun gut. Die politische Mehrheit in unserem Land scheint den Sonntag nach und nach aufgeben zu wollen.
Dabei beugt sie sich dem (vermeintlichen) Druck verschiedener gesellschaftlicher Gruppierungen.
An der eigentlichen Sonntagsfrage, wie sie sich dem Christen stellt, geht diese Diskussion jedoch völlig vorbei.
Was ist der Sonntag?
Der Sonntag ist der Tag, an dem die Christen der Auferstehung des Herrn gedenken. Ein Feiertag. Jeder Sonntag ist ein kleines Osterfest. Darum versammeln sich die Christen von Anfang an am Sonntag, um die Auferstehung, die Erlösung zu feiern. Der Sonntagsgottesdienst, diese Feier der Auferstehung des Herrn, ist der Inhalt des Sonntags. Dazu haben sich die Christen auch in den ersten Jahrhunderten versammelt, obwohl es keinen freien Sonntag gab. Im römischen Reich gab es keine freien Tag. Als das Christentum sich weiter ausbreitet und Staatsreligion wird, wird der Sonntag freier Tag.
So viel im Telegrammstil.
Im Mittelalter hatte man nach wie vor wenig Probleme, in großen Städten an Sonntagen Märkte zu veranstalten.
Es wurde im Laufe der Jahrhunderte theologisch lange darum gerungen, was am Sonntag erlaubt sein soll und was
nicht. Ein Schlitzohr wie Thomas von Aquin stellte sogar klar, daß geistige Arbeit, weil keine knechtliche Arbeit, am Sonntag erlaubt sei. Klar, deshalb dürfte ein Wissenschaftler am Sonntag arbeiten, ein Schmied nicht, oder wie?
Auch dies war den Wandel der Zeit unterworfen und der Sonntag entwickelte sich zu dem, was er heute ist.
In der Praxis der Jahrhunderte bis hinein in das auslaufende 20. Jh. hat sich herausgestellt, daß es viele Vorteile hat, wenn der Sonntag gemeinsam für alle frei ist. Dies war, von wenigen Ausnahmen (Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Gastronomie u.ä.) ein weitreichender Konsens in unsere, Land. Dieser Konsens setzte im wesentlichen auf der christlichen Vorstellung vom Sonntag auf, war damit aber nie identisch. Immerhin war jedoch der Kirchgang am Sonntag vor 50 Jahren weitaus selbstverständlicher als heute.
Doch die Kirche hat immer akzeptiert, daß jemand, der z.B. Kranke pflegt oder Kleinstkinder betreut, von der Pflicht zur Gottesdienstteilnahme suspendiert ist.
Also gab es auch von christlicher Seite niemals den ausnahmslos arbeitsfreien Sonntag.
Immer jedoch hat die Kirche den Focus auf den Sonntagsgottesdienst gelegt.
Dies ist der Kern des christlichen Verständnisses vom Sonntag.
Das staatliche Verständnis vom Sonntag stellt den gemeinsamen freien Tag für die Familie und die Gesellschaft in den Mittelpunkt. Der Sonntag ist gesellschaftlich der Tag der Kultur, des Sports, der gemeinsamen Freizeit.
Gesellschaftlich bestand hier ein Konsens. Dieser lange bestehende gesellschaftliche Konsens bricht in den letzten Jahren mehr und mehr auf. Er wird nun offensichtlich nicht mehr von der Mehrheit der Menschen in unserem Land geteilt.
Damit beginnt ein Prozeß der Besinnung auf das, was der Sonntag ist.
Kirchlich ist er anderes definiert als politisch oder gesellschaftlich oder wirtschaftlich.
Wobei mich die Argumente der Wirtschaft immer etwas befremden.
Da wird oft mit dem freien Sonntag, an dem die Menschen nicht arbeiten müssen, argumentiert, um gerade diesen einzuschränken. Wenn nur genügend Branchen keinen freien Sonntag mehr haben, führt sich dieses Argument selbst ad absurdum.
Leider argumentieren Vertreter der Kirche nicht selten zu politisch. Sie sollten stattdessen versuchen, eine von unserem Glauben an die Auferstehung her motivierte Definition des Sonntags mehr in den Mittelpunkt stellen.
Sie sollten dabei ruhig den Mut haben, zuzugeben, daß dieser Glaube kein gesellschaftlicher Konsens ist. Wenn nur weniger als 15% der Getauften am Sonntag die Hl. Messe feiern, kann einfach von einem Konsens nicht mehr ausgegangen werden.
Dennoch ist das, die Botschaft von er Auferstehung, der Kern unseres Sonntags.
Diese Botschaft darf die Kirche gerne offensiv vertreten.
Damit kann auch die gesellschaftlich/politische Definition des Sonntags als Konsens gegenwärtig nicht mehr auf christlicher Basis aufsetzen.
Wollen wir Christen den Sonntag als gemeinsamen freien Tag retten, weil wir ihn als sinnvoll ansehen?
Meiner Ansicht lohnt sich der Kampf um den Sonntag.
Meine aktuelle Prognose?
Ich rechne damit, daß der freie Sonntag nach und nach ausgehöhlt wird.
Die Tendenz ist eindeutig. Leider!
Es handelt sich dabei um ein Aufgeben einer wichtigen Errungenschaft
und es kann Jahrzehnte dauern, bis die Menschen begreifen, was sie verloren haben.
Schade
Die Welt: Frau Ministerin, Kardinal Meisner hat Ihnen vorgeworfen, Sie seien “unwahrhaftig”, “prinzipienlos” und missbrauchten das Wort “katholisch”. Trifft Sie das?
Annette Schavan: Ich möchte das nicht kommentieren.
Mit Bundesforschungsministerin annette Schavan sprach Mariam Lau.
In: Die Welt vom 08.12.2007. Zitiert nach: http://www.cdu.de/archiv/2370_21647.htm
Schade, Frau Schavan, der Kommentar hätte mich interessiert.
Eleasar und die Li(e)beralen
Kann man mit der Bibel Politik machen?
Ja, man kann.
Nicht Tagespolitik und bei den Haushaltsberatungen sind Bibelzitate auch eher mit Augenzwinkern an der rechten Stelle. Gott entbindet den Menschen nicht von seiner Verantwortung in Freiheit nach bestem Wissen und Gewissen zu entscheiden. Doch auch in der Politik, der in kleinen wie der großen Politik kommen diese Momente immer wieder:
Aus der Lesung vom Dienstag dieser Woche:
Die Leute, die bei dem gesetzwidrigen Opfermahl Dienst taten
und die den Mann von früher her kannten, nahmen ihn heimlich beiseite und
redeten ihm zu, er solle sich doch Fleisch holen lassen, das er essen dürfe,
und es selbst zubereiten. Dann solle er tun, als ob er von dem Opferfleisch
esse, wie es der König befohlen habe.
Wenn er es so mache, entgehe er dem Tod; weil sie alte Freunde seien,
würden sie ihn mit Nachsicht behandeln.2 Makk 6,21f
Die gesamte Perikope, die gelesen wurde war: 2 Makk 6,18-31.
Es ist die Versuchung, die auch in unsere Zeit so gegenwärtig ist:
Also, mein Freund, paß mal auf, ich verstehe Dich ja, als Christ kannst Du ja nur so oder so denken. Soweit so gut aber die Sachzwänge und man muß ja das Große Ganze sehen. Also laß uns doch mal verhandeln, ob wir das nicht so machen können, daß wir zum Ziel kommen und trotzdem Dein Gesicht wahren können.
Wir schließen einen Kompromiß …
So weit, so gut.
In der Tat lebt demokratische Politik von Kompromissen.
Doch es gibt Bereiche, in denen es keine Kompromisse geben darf.
Gebe der Herr den Politikern die Kraft, das Götzenopferfleisch nicht zu essen und auch nicht nur so zu tun als ob.
Aber die eingeflüsterten Angebote sind allgegenwärtig.
Ungleichheit
Etwas sprachlos hörte ich heute in der Hl. Messe die folgenden Worte:
Der Geringe erfährt Nachsicht und Erbarmen,
doch die Mächtigen werden gerichtet mit Macht.
Denn der Herrscher des Alls scheut niemand
und weicht vor keiner Größe zurück.
Er hat klein und groß erschaffen und trägt gleiche Sorge für alle;
den Mächtigen aber droht strenge Untersuchung.
An euch also, ihr Herrscher, richten sich meine Worte,
damit ihr Weisheit lernt und nicht sündigt.
Weish 6,6-8
Auch heute noch eine klare Ansage, an alle, die in irgendeiner Form Macht ausüben.
Auch eine demokratische Legitimation rechtfertigt nicht alles, was mehrheitsfähig ist.
Puh …
Adieu, Münte
Mittwoch, 14. November 2007, Mittwoch, 14 November 2007, 21:26:32 Uhr
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Politik
Häuptling große Klappe baut seinen Wigwam ab.
Mit seiner oft extrem spitzen Zunge und seinen zuweilen giftigen Kommentaren gegen die CDU und ihre Politik, mit seinen politischen Ansichten hätte er kaum eine Chance, mein Freund zu werden. Muß auch gar nicht sein. Ein guter Feind ist besser als ein schlechter Freund. Alle, die direkt mit ihm zu tun haben, erkennen seine Ehrlichkeit und Verläßlichkeit an. Diese Verläßlichkeit ist es, die ihn jetzt wohl bewogen hat, seiner schwer erkrankten Frau beizustehen.
Respekt vor dieser Entscheidung.
Leicht gefallen sein kann sie ihm nicht.
Ab und an ein Gebet für ihn und seine Frau kann nicht schaden.
Manchmal kann man
Mittwoch, 14. November 2007, Mittwoch, 14 November 2007, 11:53:05 Uhr
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Geseke,
Politik
… etwas erreichen.
Vor einer Woche bekam ich einen Anruf von einem guten Bekannten.
Anrufer: “Ich habe da ein Problem.”
Anrufer schildert sein Problem.
Cicero: “Das hört sich nicht so gut an. Da müssen wir etwas unternehmen, sonst wird das schlimmer.”
… Gespräch über das Problem und die verschiedenen Möglichkeiten zu handeln geht weiter.
Heute morgen haben wir uns getroffen und mit einem Mitglied des Stadtrates das Problem erörtert. Es sind einige konkrete Handlungsperspektiven dabei heraus gekommen, die nun in Angriff genommen werden sollen. Im Gegensatz zur landläufigen Meinung vieler Menschen können Politker keine Wunder vollbringen. Allerdings liegt es in der Hand der gewählten Mandatsträger, sich nicht nur die Probleme der Bürger anzuhören, sondern auch ganz konkrete Maßnahmen zu ergreifen. Das wird nun in Angriff genommen und meine Rolle dabei wird es sein, mit darauf zu achten was passiert. Dann wird in einigen Monaten noch mal ein Treffen stattfinden, um zu schauen, ob die Maßnahmen greifen und sich die Situation verbessert hat.
(Kommunal-)Politik zu machen, heißt für mich:
Bei den Menschen sein und ihnen zuhören.
Kontakte herstellen und an Lösungen für konkrete Probleme vor Ort arbeiten.
Unmittelbar vor Ort schauen, was nötig und sinnvoll ist.
Fragen stellen aber auch Fragen beantworten.
Politik findet nicht (nur) in Sitzungen statt.
Wen kann man wählen?
Thomas stellt die Frage, ob ein Katholik die Grünen wählen kann. Natürlich kann man die Grünen wählen. Jede demokratische Partei ist für Christen prinzipiell wählbar. Für mich sind sie es nicht.
Wichtiger wäre mir die Frage, wo mache ich mit? Wo engagiere ich mich?
Die jüngsten Abwärtstrends bei der Wahlbeteiligung lassen mich befürchten, daß wir auf dem Weg in eine Zuschauerdemokratie sind. Der Mitgliederschwund in den Parteien spricht eine deutliche Sprache. Die Frage, ob politische Gremien verringert werden müssen, steht auf vielen Ebenen an. Für Kommunalparlamente finden sich in vielen Orten kaum noch genügend Bewerber.
Egal wo (jedenfalls fast) Leute, engagiert Euch. Macht mit, es ist mühsam aber es lohnt sich.
Gerade in der Kommunalpolitik lassen sich ab und zu spürbare Erfolge erzielen.
Und wer glaubt, als Christ in der CDU mit christlichen Positionen immer Beifall zu bekommen, täuscht sich.
Trotzdem gibt es für mich keine Alternative. Demokratie ist ein elendig mühsames Geschäft.
Pacem in terris
ist die erste Enzyklika, die sich “an alle Menschen guten Willens” richtet. Mit seiner letzten Enzyklika nahm Johannes XXIII. die Idee der Menschenrechte für die Kirche auf und baute sie in die Soziallehre der Kirche ein. Nicht zu Unrecht lehnte die Kirche zunächst die Ideen der französischen Revolution ab, die den Menschen in den Mittelpunkt rückten und Gott zu beseitigen suchten. Insofern taten sich die folgenden Päpste, selbst Leo XIII., sehr schwer, die Idee vorstaatlicher Menschenrechte expressis verbis mit dem Naturrecht in Einklang zu bringen.
Wiewohl die Menschenrechte unausgesprochen in allen Sozialenzykliken mitschwingen, hält erst Johannes XXIII. die Zeit für gekommen, eine Harmonisierung mit der Lehre der Kirche in Angriff zu nehmen. Alle folgenden Päpste sind in ihren einschlägigen Schreiben dabei geblieben.
Historisch steht die Enzyklika natürlich ganz im Kontext des Kalten Krieges. Der Mauerbau ist erst gut 1 ½ Jahre her, die Kubakrise liegt nur wenige Monate zurück. Atomares Wettrüsten und Propaganda auf dieser wie auf jener Seite des Eisernen Vorhangs bilden den Hintergrund. Allerdings sind Enzykliken trotz ihres konkreten zeitlichen Kontextes auch darüber hinaus zumeist lesens- und beachtenswerte Lehrschreiben. Und wie auch heute noch Rerum novarum gute Anregungen für die Sozialpolitik geben kann, vermag dies auch Pacem in terris.
Vor ein paar Tagen habe ich etwas zu sozialem Sprengstoff geschrieben, der sich in unserer Gesellschaft so langsam aber sicher anbahnt.
Wenn ich mir nun Pacem in terris statt einer der anderen Sozialenzykliken zur Hilfe genommen habe, dann deshalb, weil ich mich auf einen Text beschränken wollte, an den ich nur zu gerne erinnere und zur Lektüre wärmstens empfehlen kann. Auch die Auswahl der Zitate mag willkürlich erscheinen, doch schien mir auch hier Begrenzung geraten, da ein Weblogeintrag keine umfassende Arbeit zur katholischen Soziallehre sein kann und soll.
Insofern ist meine Intention keine andere als zum Lesen und selber Nachdenken anzuregen.
Da ich selber politisch aktiv bin, benötige auch ich immer wieder die Selbstvergewisserung. Gerade der Bereich Sozialpolitik, die grundsätzlich im Verbund mit ökonomischer Vernunft gedacht werden sollte, ist in der einen wie in der anderen Hinsicht immer wieder eine Versuchung.
“Der Markt regelt alles” gegen “Der Staat regelt alles”.
Weder das eine noch das andere Prinzip stimmt in Reinkultur.
In der Tat existiert in Deutschland eine wachsende Unterschicht, die in der Vergangenheit gelegentlich mit dem Begriff “abgehängtes Prekariat” bezeichnet wurde. (Diese Wortscheusal an sich wäre einen eigenen Beitrag wert.)
Kinder, die bereits in zweiter oder dritter Generation (überwiegend) von sozialen Tranferleistungen leben und nur geringe Bildungschancen haben, weil sie von Eltern kaum Unterstützung erwarten können, scheinen in unserer Gesellschaft derzeit nicht die geringste Chance auf dem Arbeitsmarkt zu haben.
18. Wenn Wir Uns nun dem Bereich der Wirtschaft zuwenden, so ergibt sich für den Menschen auf Grund des Naturrechtes nicht nur, daß ihm Arbeitsmöglichkeit gegeben werden muß, sondern auch, daß er seine Arbeit frei übernimmt (vgl. Pius XII., Pfingstbotschaft 1941, U-G 512/513).
Es wäre also eine gesellschaftliche Aufgabe, auch Menschen, die nur geringe Bildung haben, die Möglichkeit zu geben, ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen. Dazu muß allerdings z.T., auch das sollte nicht verschwiegen werden zunächst die Bereitschaft geweckt werden. Wenn Mama und Papa, Oma und Opa schon für ihre “Stütze” nicht arbeiten mußten, warum dann die nächste Generation? Hier gilt es eindeutig, Fehler vergangener Jahre mühsam wieder auszubügeln.
11. Bezüglich der Menschenrechte, die Wir ins Auge fassen wollen, stellen Wir gleich zu Beginn fest, daß der Mensch das Recht auf Leben hat, auf die Unversehrtheit des Leibes sowie auf die geeigneten Mittel zu angemessener Lebensführung. Dazu gehören Nahrung, Kleidung, Wohnung, Erholung, ärztliche Behandlung und die notwendigen Dienste, um die sich der Staat gegenüber den einzelnen kümmern muß. Daraus folgt auch, daß der Mensch ein Recht auf Beistand hat im Falle von Krankheit, Invalidität, Verwitwung, Alter, Arbeitslosigkeit oder wenn er ohne sein Verschulden sonst der zum Leben notwendigen Dinge entbehren muß.
So wird ein Sozialstaat daraus, der seinen Namen verdient. Zunächst obliegt es jedem Menschen selber, für sich und diejenigen zu sorgen, die ihm anvertraut sind. Erst danach ist der Staat/ die Gesellschaft in der Pflicht.
Zu decken ist bei sozialen Transferleistungen der Grundbedarf (Nahrung, Kleidung, Wohnung). Ebenfalls in der Verantwortung des Staates liegt es die Bürger in die Lage zu versetzen, für die Grenzbereiche des Lebens (Krankheit, Invalidität und Alter) Vorsorge zu treffen. Auch hier gilt, daß zunächst der einzelne Mensch selber in der Pflicht ist.
Erst danach greift eine staatliche Vor- und Fürsorge.
13. Zugleich steht es dem Menschen kraft des Naturrechtes zu, an der geistigen Bildung teilzuhaben, d.h. also auch das Recht, sowohl eine Allgemeinbildung als auch eine Fach- und Berufsausbildung zu empfangen, wie es der Entwicklungsstufe des betreffenden Staatswesens entspricht. Man muß eifrig darauf hinarbeiten, daß Menschen mit entsprechenden geistigen Fähigkeiten zu höheren Studien aufsteigen können, und zwar so, daß sie, wenn möglich, in der menschlichen Gesellschaft zu Aufgaben und Ämtern gelangen, die sowohl ihrer Begabung als auch der Kenntnis entsprechen, die sie sich erworben haben.
Werden die Menschen in unserem Land schlauer, nur weil die Politiker allenthalben unsere Gesellschaft zur Bildungs- oder Wissensgesellschaft erklären? Eindeutig nicht. Im Vergleich zu anderen OECD – Ländern gibt Deutschland weniger für Hochschulen aus, werden wir deshalb dümmer? Sicher nicht. Daß die Zustände an Hochschulen alles andere als Ideal sind, wird jeder Student bestätigen können.
Im Mittelpunkt des staatlichen Interesses sollte hingegen für alle jungen Menschen eine angemessene Förderung nach ihren je eigenen Möglichkeiten stehen. Doch auch dabei kann der Staat nicht die Aufgabe übernehmen, der Wirtschaft ihren Bedarf vorzuschreiben. Eine Angemessene Ordnung und Überwachung der Ausbildung(en) ist angezeigt, damit junge Menschen sicher sein können, eine für ihre Fähigkeiten angemessene und qualitativ hochwertige Ausbildung zu erhalten.
19. Mit diesen Rechten ist ohne Zweifel auch das Recht auf solche Arbeitsbedingungen verbunden, unter denen weder die Körperkräfte geschwächt noch die guten Sitten zugrunde gerichtet werden, noch dem rechten Wachsen und Gedeihen der Jugendlichen Schaden zugefügt wird. Bezüglich der Frauen gilt, daß ihnen solche Arbeitsbedingungen zugestanden werden, die den Bedürfnissen und Pflichten der Ehefrauen und Mütter entsprechen (vgl. Leo XIII., Enz. Rerum Novarum).
Junge Menschen am Beginn des Arbeitslebens bedürfen den besonderen Schutz des Staates. Hier sind unsere Politiker gefragt, aber auch die Öffentlichkeit. In der aktuellen Debatte um Kinderbetreuung gibt Johannes XXIII. hier den Hinweis, daß sowohl staatlich Gesetzgebeung als auch Unternehmer hier in der Pflicht sind. Ob wir gegenwärtig dieser Pflicht gut, schlecht oder gar nicht nachkommen, wäre eine eigene Diskssion.
20. Aus der Würde der menschlichen Person entspringt auch das Recht, im Bewußtsein eigener Verantwortung wirtschaftliche Unternehmungen zu betreiben (vgl. Johannes XXIII., Enz. Mater et Magistra 82). Hier muß auch erwähnt werden, daß der Arbeiter Anspruch auf gerechten Lohn hat. Er muß im Verhältnis zu den zur Verfügung stehenden Mitteln dem Arbeiter und seiner Familie eine menschenwürdige Lebenshaltung gestatten. Darüber sagt Unser Vorgänger seligen Andenkens Pius XII.: “Der naturgegebenen persönlichen Arbeitspflicht entspricht folgerichtig das naturgegebene persönliche Recht, durch Arbeit für das eigene Leben der Seinen Vorsorge zu treffen. So ist der Befehl der Natur auf das erhabene Ziel der Erhaltung des Menschen hingeordnet” (Pfingstbotschaft 1941, U-G 512/513).
21. Ferner leitet sich aus der Natur des Menschen das Recht auf Privateigentum, auch an Produktivgütern, her. Dieses Recht, wie Wir an anderer Stelle gesagt haben, “schützt in wirksamer Weise die Würde der menschlichen Person und erleichtert die Ausübung der beruflichen Verantwortung in allen Lebensbereichen. Es fördert die Ruhe und Beständigkeit des menschlichen Zusammenlebens in der Familie und fördert den inneren Frieden und die Wohlfahrt des Landes” (Enz. Mater et Magistra 112).
22. Schließlich ist es angebracht, zu bemerken, daß das Recht auf Eigentum zugleich eine soziale Funktion einschließt (Ebd. 119).
Hier möchte ich abschließend den Blick auf vier Aspekte katholischer Soziallehre lenken, die ähnlich wie in obigen Zitaten immer wieder auftauchen:
1. Arbeitspflicht
Jeder Mensch hat zunächt vor einem Anspruch auf alle staatlichen Leistungen die Pflicht sich und die seinen durch Arbeit zu ernähren.
2. Recht auf gerechten Lohn
Daraus resultiert das Recht auf einen gerechten Lohn. D.h. der Arbeitnehmer soll durch seinen Loh in die Lage versetzt werden, sich und seine Familie angemessen zu unterhalten. Untergrenze ist hier die Sicherung der Grundbedürfnisse. Ob darin auch schon ein Anteil an Daseinsvorsorge enthalten sein sollte, darüber läßt sich trefflich streiten.
3. Recht auf Eigentum
Jedem Menschen wird das Recht an seinem Eigentum zugestanden. Jeder Mensch hat das Recht auch unternehmerisch tätig zu werden. Mithin hat er auch das Recht, Gewinne zu erzielen. Gewinne sind Unternehmerlohn. (Auf Dividenden auf Aktien u.ä.) Unternehmertum und Teilhaberschaft auch der Arbeitnehmer am Produktionskapital (Aktien o.ä.) werden ausdrücklich positiv beurteilt.
4. Sozialbindung des Eigentums
Mit jedem Eigentum ist jedoch eine soziale Verantwortung verbunden. Diese angemessen umzusetzen ist eindeutig Aufgabe staatlicher oder sogar Überstaatlicher Rahmenordnung. Womit wir bei unseren neuen Superreichen von vor drei Tagen angekommen wären, die zwar möglicherweise oder auch nicht eine persönliches soziales Bewußtsein haben, jedoch die grundsätzliche Möglichkeit eien liberalisierten Weltwirtschaft und damit auch Kapitalwirtschaft genießen, ihr Vermögen dort anzulegen, wo es mit der geringsten Abgabenquote etc. belastet ist. Egal wie groß das Vermögen ist, ein solches Verhalten ist völlig verständlich. Jeder von uns sucht sich für sein Sparbuch die Bank, die die meisten Zinsen bietet. Ist doch klar, oder?
Hier die Sozialbindung durchzusetzen, ohne (auch) finanzielle oder eben unternehmerische Engagement zu gefährden, d.h. den Standort attraktiv zu halten, ist ein politischer Eiertanz, dersofort in ideologische Debatten abgleitet, wenn er nicht ganz nüchtern geführt wird. Ich binn immer wieder erstaunt, daß unsere “gute alte Bundesrepublik” bis zu den sozialpolitischen Sündenfällen der 70er in dieser Hinsicht ein gute Augenmaß hatte. Vielleicht schauen wir Erhardt (dem Ludwig, nicht dem Heinz) in dieser Frage auch bei Gelegenheit noch mal über die Schulter.
Zum nachlesen:
· Enzyklika Pacem in terris